Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Test soll Dopingsünder das Fürchten lehren

13.11.2006
Eine raffinierte Methode soll Dopingsünder künftig das Fürchten lehren: Mit dem so genannten "SteroCheck" lassen sich unter anderem neu entwickelte Anabolika schnell und kostengünstig nachweisen. Wissenschaftler der Frauenklinik der Universität Bonn haben das zum Patent angemeldete Verfahren entwickelt.

Sie stellen es vom 15. bis 18. November auf der Medizin-Messe MEDICA in Düsseldorf vor - und das gleich zweifach: Einerseits auf dem Gemeinschaftsstand der Wissenschaftsregion Bonn (Halle 16 / Stand C41), zusätzlich aber auch in Halle 7 (Ebene 1, Stand D50 - E60) auf der Erfindermesse der Firma Fresenius.

Die Forscher zählen damit zu den 20 hochkarätigen Bewerbern, die die Fresenius-Jury überzeugen konnten und nun dort ausstellen dürfen.

Ein Gen des Glühwürmchens soll künftig Dopingsünder entlarven helfen. Der nachtaktive Käfer produziert nämlich ein Enzym, das seinen Hinterleib zum Scheinwerfer macht: die Luziferase. Dr. Sabine Daufeldt und Dr. Axel Alléra haben das Luziferase-Gen in menschliche Prostata-Zellinien eingeschleust. Wenn die Zellen nun mit Substanzen in Kontakt kommen, die wie ein männliches Geschlechtshormon wirken, leuchten sie gelbgrün auf. "Das kann das natürliche Androgen Testosteron sein, aber auch ein neuartiges Dopingmittel oder bestimmte Umweltchemikalien und Pestizide", erklärt Dr. Alléra.

... mehr zu:
»Dopingsünder »Steroid

Interessant für Dopingfahnder

Bislang laufen Dopingfahnder den Entwicklern neuer Designer-Steroide meist hinterher. "Es gibt zwar viele hervorragende Nachweismethoden", sagt Alléra. "Sie haben aber einen Nachteil: Mit ihnen findet man nur Substanzen, die man schon kennt oder über die man mindestens einige Informationen hat." Die üblichen Tests können beispielsweise zwar künstliche Androgene nachweisen. Neuartige Leistungsförderer gehen ihnen aber durch die Maschen.

SteroCheck funktioniert anders. Egal, wie eine Substanz auf molekularer Ebene aussieht, ob sie groß ist oder klein, ringförmig oder gestreckt: Damit die Zellen aufleuchten, reicht es aus, dass die Testsubstanz wie ein Steroid wirkt, auch wenn es chemisch gar kein echtes Steroid ist. Dabei ist das Leuchten umso stärker, je stärker die Hormonwirkung der Verdachtssubstanz ist. "Diese völlig andere, nämlich physiologische Aussagekraft des Verfahrens erweitert beträchtlich das diagnostische Spektrum", betont Alléras Kollegin Dr. Sabine Daufeldt.

Die Methode kann aber noch mehr: Mit ihr lässt sich beispielsweise die Aktivität der Hormone bei Frauen in den Wechseljahren bestimmen. In der Menopause bilden die Eierstöcke weniger Östrogene. Gegenwärtig befindet sich in den Industrieländern ein Drittel aller Frauen in der Menopause; zwei von drei reagieren darauf mit mehr oder weniger ausgeprägten Beschwerden - von Hitzewallungen und Kopfschmerzen bis hin zu Depressionen. In schweren Fällen versucht der Arzt, die Probleme mit Hormonpräparaten in den Griff zu bekommen. SteroCheck könnte ihm helfen, die passende Dosis zu finden. "Wir haben dazu eine Variante des Verfahrens entwickelt, mit der wir die östrogene Gesamtaktivität bestimmen können", erläutert Daufeldt. "Dazu verwenden wir bestimmte Zelllinien, die empfindlich auf östrogen-aktive Substanzen ansprechen." Noch existiert die Diagnose-Methode nur als Prototyp; die Forscher planen aber, das Verfahren mit Partnern aus der Industrie zur Marktreife zu führen.

Verbotene Zusätze bei der Tiermast

Die leuchtenden Zellen sind so empfindlich, dass sie selbst äußerst niedrige Steroid-Aktivitäten anzeigen. Das macht sie auch für Lebensmittelkontrollen interessant. Kriminelle Fleischproduzenten setzen nämlich dem Futter Sexualhormone zu, damit die Tiere schneller wachsen. "Hier gilt Ähnliches wie beim Doping", sagt Dr. Alléra: "Regelmäßig kommen neue Wachstumsförderer auf den Markt, auf die herkömmliche Verfahren gar nicht anspringen." Der Bonner Test könnte helfen, der Hormonmafia das Handwerk zu legen.

Kontakt:
Dr. Sabine Daufeldt und Dr. Axel Alléra
Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/2871-4047 oder -15145
E-Mail: s.daufeldt@uni-bonn.de und allera@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Dopingsünder Steroid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Infrarotkamera für die Metallindustrie bis 2000 °C
28.04.2017 | Optris GmbH

nachricht ZMP 2017 – Latenzzeitmesseinrichtung für moderne elektronische Zähler
27.04.2017 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie