Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eisenbahnräder im Visier

22.08.2006
Abgefahrene Reifen sind nicht nur für Autofahrer gefährlich, auch der Bahn macht der Verschleiß der Räder zu schaffen. Eine Messmaschine, die Mängel schnell und sicher erkennt, stellen Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF auf der Messe InnoTrans 2006 (Stand Halle 4.1, Stand 228) vom 19. bis 22. September in Berlin aus.

Radsätze eines Eisenbahnwagens müssen höchsten Belastungen standhalten. Das Fahrzeuggewicht sowie enorme Kräfte bei Bremsungen und Kurvenfahrten fordern ihren Tribut. Der dadurch entstehende Verschleiß an der Laufflächen verhindert einen leisen, ruhigen Lauf des Wagens und lässt das Rad »schlagen« – umso stärker, je schneller der Zug fährt. Das stört nicht nur die Passagiere, sondern kann auch Radlager und andere Bauteile in Mitleidenschaft ziehen und somit die Sicherheit gefährden. Deshalb muss jeder Radsatz – zwei Räder samt Achse – regelmäßig zur Rundum-Kontrolle.

Die Radsätze werden dort exakt vermessen und die ermittelten Werte mit den Sollmaßen verglichen. Doch alle bisher benutzten Prüfverfahren haben Schwächen. Sie sind zu umständlich, von der Zuverlässigkeit eines Prüfers abhängig, kosten viel Zeit oder nehmen nur einzelne Punkte der Oberfläche ins Visier, so dass mancher Fehler verborgen bleibt. Wissenschaftler des IFF in Magdeburg haben nun einen Weg gefunden, einen Radsatz innerhalb weniger Minuten komplett und vollautomatisch zu vermessen. Die Maschine, ein Koloss von 14 Tonnen, hat im Juni die Zulassung der Deutschen Bahn erhalten – so etwas wie den Ritterschlag im Bahnwesen. Seitdem ist das zertifizierte Ungetüm in den Wartungshallen der SRS Süddeutsche Rail Service GmbH (vormals Bahntechnik Kaiserslautern) im Einsatz. Vom 19. bis 22. September zeigen IFF-Experten einzelne Komponenten davon auf der Messe »InnoTrans 2006« in Berlin.

Wie die Maschine funktioniert beschreibt Dirk Berndt. »Ein Radsatz ist ein unhandliches Schwergewicht. Beim ICE bringt er es auf anderthalb Tonnen – so viel wie ein Mittelklassewagen. Er muss zunächst ausgebaut werden, bevor ihn die Messmaschine automatisch greift, anhebt und drehbar einspannt. Die eigentliche Messtechnik ist auf einer massiven Granitplatte montiert, um die nötigen Genauigkeiten erzielen zu können. Sie arbeitet berührungslos: Ein linienförmiger Laser beleuchtet den rotierenden Radsatz. Kameras, im Winkel dazu angeordnet, fangen das Streulicht auf. Durch die dreieckförmige Anordnung von Lichtquelle, Objekt und Sensor kann der Rechner die Oberfläche des Metalls exakt vermessen. Innerhalb von dreieinhalb Minuten liefert das System alle nötigen Daten zur Bewertung der Radprofil- und Radsatzgeometrie.«

... mehr zu:
»ICE »Radsatz

Nach weiteren zwei Minuten ist der Radsatz schon wieder heruntergehoben und der nächste eingespannt. Die Maschine kann mehr als 10 Radsätze pro Stunde untersuchen. Nach der Eingangsprüfung der abgefahrenen Radsätze und der »Reprofilierung« der Räder, bei der das Sollprofil auf speziellen Radsatzdrehmaschinen wieder hergestellt wird, erfolgt eine Endprüfung. Die Fraunhofer-Maschine kommt mit allen Radsätzen klar, ob vom ICE oder vom Güterzug.

Dirk Berndt | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: ICE Radsatz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Fraunhofer IDMT auf der Prolight + Sound 2017: Objektbasierte Tonmischung wird noch einfacher!
03.04.2017 | Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT

nachricht AERO 2017: Neuartiger elektrischer Antrieb für ökoeffizientes Fliegen mit Motorsegler
31.03.2017 | Technische Hochschule Wildau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten