Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IAA PKW 2005 - Fehlerfreie Soft- und Hardware in Auto-Elektronik

08.09.2005


Informatiker führen für automatischen Autonotruf eCall den Beweis, dass Soft- und Hardware garantiert keine Entwurfsfehler enthalten - Thema des 2. Saarbrücker IT-Dialogs "Das 100% sichere Auto aus dem Saarland" auf der IAA PKW 2005 in Frankfurt


Für die Sicherheit von Autos wird immer mehr Elektronik eingesetzt. Leider ist damit jedoch auch die Fehlerquote gestiegen. Laut ADAC sind ein Drittel aller Autopannen auf Mängel in der Elektronik zurückzuführen, rund 80 Prozent davon sind Softwarefehler. Um die aufwändige und teure Suche nach diesen Fehlern zu vermeiden, setzen Forscher im Verisoft-Projekt unter Leitung des Saarbrücker Informatik-Professors Wolfgang Paul schon vor der Produktion an. Sie zeigen, dass die Soft- und Hardware im Fahrzeug exakte Vorgaben erfüllt, die zudem in sich schlüssig sind. Damit wird mit mathematischer Präzision nachgewiesen, dass Soft- und Hardware im Fahrzeug keine Entwurfsfehler enthalten. Zur Zeit kann kein Hersteller solche Sicherheiten garantieren. Die Informatiker um Professor Paul führen anhand des von der Europäischen Union geforderten automatischen Autonotrufs eCall erstmals den dafür notwendigen Beweis. Ihre Forschungsergebnisse stellen die Wissenschaftler am 16. September auf der IAA 2005 in Frankfurt im Rahmen des 2. Saarbrücker IT-Dialogs "Das 100% sichere Auto aus dem Saarland" vor.

Wenn bewiesen wird, dass Computersysteme ihre mathematisch exakten Vorgaben korrekt erfüllen, spricht man von formaler Verifikation. Die Methoden für die formale Verifikation von komplexen Computersystemen, die Soft- und Hardware umfassen, haben Wissenschaftler im Rahmen des Forschungsprojektes Verisoft entwickelt, das seit zwei Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird und jetzt aufgrund seines Erfolgs mit weiteren 7,3 Mio. Euro ausgestattet wurde. Die Wissenschaftler des Verisoft-Projekts nehmen derzeit den automatischen Autonotruf eCall als Beispiel für ein komplexes verteiltes System unter die Lupe und packen das Sollverhalten in mathematische Formeln. Diese exakte Modellierung schafft die Grundlage, um nicht nur für die einzelnen Komponenten, sondern sogar deren Zusammenspiel über ein Kommunikationssystem ein fehlerfreies Design nachweisen zu können.


Der automatische Autonotruf eCall soll nach dem Willen der Europäischen Union schon ab 2009 in alle Neuwagen eingebaut werden. Bei einem Unfall wählt das Auto automatisch eine Notrufzentrale an und sendet die genauen Koordinaten des Unfallorts sowie weitere Fahrzeugdaten. Damit dies wie geplant funktioniert, müssen nicht nur zahlreiche Elektroniksysteme, wie Navigationssystem oder Mobiltelefon, im Fahrzeug für sich allein korrekt funktionieren, sondern auch die darauf laufenden Programme fehlerfrei zusammenarbeiten. Für den Autonotruf eCall zeigen die Informatiker um Professor Paul, dass das System im Notfall schnell genug reagiert und auch nur dann einen Notruf sendet, wenn tatsächlich ein Unfall passiert ist. Um dieses Ziel zu erreichen, wird das System in vier Schichten zerlegt, für die man separat bestimmte Eigenschaften zeigt. Die Schichten sind der FlexRay-Bus (das Kommunikationssystem zukünftiger Fahrzeuge), die Prozessoren, ein Osektime-ähnliches Betriebssystem und die Anwendungsprogramme.

"Bisher verwendet die Industrie viel Zeit darauf, Rechnersysteme zu testen, um dabei oft nur kleine Fehler zu entdecken. Sie sucht also sprichwörtlich die Nadel im Heuhaufen. Durch unser Verfahren können wir schon bei der Konstruktion jede auch noch so winzige Nadel im Heuhaufen finden", erläutert Professor Wolfgang Paul. Für die Industrie habe die Verifikation enorme Vorteile. Neue Systeme könnten schneller und günstiger entwickelt werden. Außerdem ersparten sich zum Beispiel die Autohersteller teure Rückrufaktionen wegen Fehlern in der Fahrzeugelektronik. "Hier erhoffen wir uns einen Wettbewerbsvorteil für die bundesdeutsche Industrie, da die hiesige Forschung beim Thema Verifikation weltweit die Nase vorn hat", sagt der Saarbrücker Informatik-Professor.

Das Forschungsprojekt Verisoft wird von Professor Wolfgang Paul an der Universität des Saarlandes sowie Professor Manfred Broy an der TU München geleitet. Die akademischen Partner sind die Universität Koblenz, die Technischen Universitäten Darmstadt und München sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken und das Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Informatikwerkzeuge und -systeme (OFFIS). Industrielle Partner sind die Infineon Technologies AG, die T-Systems International GmbH, die BMW Group AG und die mittelständische AbsInt GmbH.

Der Leiter des Projektmanagements des BMBF-Forschungsprojekts Verisoft, Tom In der Rieden, wird die "Garantiert fehlerfreie Kfz-Elektronik am Beispiel des automatischen Autonotrufs (eCall) " im 2. Saarbrücker IT-Dialog Automobilindustrie auf der IAA PKW 2005 (Congress Center Messe Frankfurt) am 16. September um 11 Uhr 15 vorstellen. Sein Vortrag wird ergänzt durch Dr. Christian Ferdinand, Geschäftsführer der AbsInt Angewandte Informatik GmbH, der über die Frage referieren wird: "Ist Ihr Programm immer schnell genug?". Weitere Informationen gibt es am saarländischen Gemeinschaftsstand (Halle 4.1, Stand E 15). Termine können im Vorfeld der IAA unter Tel. 0681/302-3585 vereinbart werden.

Im 2. Saarbrücker IT-Dialog Automobilindustrie "Das 100 % sichere Auto" geht es außerdem um die photorealistische Visualisierung von Automodellen und um Kommunikations- und Fahrerassistenzsysteme. Das Programm des Symposiums mit Experten aus Wissenschaft und Industrie steht unter: http://www.informatik-saarland.de/001.AktuellTop/

Fragen beantworten Ihnen:

Projektleitung Verisoft
Tom In der Rieden
Tel. 0681/302-3585
Email: idr@cs.uni-saarland.de

Friederike Meyer zu Tittingdorf
Kompetenzzentrum Informatik an der Universität des Saarlandes
Tel. 0681/302-58099
Email: presse@cs.uni-sb.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.verisoft.de
http://www.informatik-saarland.de/001.AktuellTop/
http://www.informatik-saarland.de

Weitere Berichte zu: Hardware IAA IT-Dialog PKW Saarbrücker Verifikation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen
08.12.2016 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Mobile Learning und intelligente Contentlösungen im Fokus
08.12.2016 | time4you GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops