Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

So werden Airbags zehnmal schneller gezündet

14.06.2004


Leipziger Zulieferer-Messe "Z 2004": Chemnitzer Forscher präsentieren "explosives" Sensor-Aktor-System für mehr Sicherheit im Crashfall und weitere Mikrotechnologien fürs Auto



Wissenschaftler des Zentrums für Mikrotechnologien der TU Chemnitz forschen an Anwendungen der Mikrosystemtechnik, die auch im Auto zum Einsatz kommen. Links im Bild: Prof. Dr. Thomas Geßner, Leiter des ZfM (Foto: Zentrum für Mikrotechnologien).


Immer mehr winzige Helfer sorgen heute in Fahrzeugen für ein Mehr an Komfort und Sicherheit. Mit einem Mikrochip in einem Sensor-Aktor-System, der Airbags im Crashfall bis zu zehnmal schneller aufbläst, haben Chemnitzer Wissenschaftler im Rahmen des Verbundvorhabens "Integrierter busfähiger Anzünder" (IBA) nun eine besonders innovative Komponente für Anwendungen der Mikrosystemtechnik im Automobilbau entwickelt. Vorgestellt wird der neuartige Anzünderchip, der am Zentrum für Mikrotechnologien (ZfM) der Technischen Universität Chemnitz entwickelt wurde, auf der Zulieferer-Messe "Z", die vom 22. bis 26. Juni 2004 in Leipzig stattfindet. Im Mittelpunkt der "Z" stehen Zulieferungen für die Automobilindustrie und für den Anlagen-, Maschinen- und Werkzeugbau.

Die Airbag-Anforderungen in Automobilen sind hoch: In wenigen Hundertstelsekunden müssen sie im Crashfall aufgeblasen sein, um die Insassen bestmöglich zu schützen. Auf der Leipziger Zulieferer-Messe "Z" wird die neuartige Komponente für Airbag-Systeme im Rahmen der Fachausstellung "Mikrosystemtechnik für die Fahrzeugindustrie" am Stand E 73, Halle 2, Neues Messegelände, vorgestellt. Diese Systeme bestehen im Wesentlichen aus einem Beschleunigungssensor, der als Crashdetektor im Falle eines Unfalls blitzschnell das Signal an die Fahrzeugelektronik und diese dann an den Anzünderchip übermittelt. Dieser Siliziumchip ist mit einer Hafniumhydridschicht - kurz: mit einer Art Sprengstoff - überzogen und wirkt als Aktor, indem er explosionsartig weitere pyrotechnische Ladungen zündet. "Der Vorteil dieser neuen Technologie ist, dass deutlich Energie und Zeit eingespart werden", erläutert Prof. Dr. Thomas Geßner, Leiter des ZfM der TU Chemnitz und der Abteilung Micro Devices and Equipment Chemnitz des Fraunhofer IZM. "Im Vergleich zu herkömmlichen Systemen kann eine solche Kettenreaktion in bis zu einem Zehntel der Zeit und mit bis zu einem Hundertstel an Energie in Gang gesetzt werden."


Die von Professor Dr. Thomas Geßner geleiteten Einrichtungen arbeiten auf den Gebieten der Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik und winzige Siliziumchips gehören zum Tagesgeschäft. Auf deren Basis entwickeln die 65 Wissenschaftler komplette Mikrosysteme sowie Fertigungs- und Simulationsverfahren für mehr Komfort, Sicherheit und Sauberkeit im Auto. Dazu zählt ebenso ein Hightech-Sensorchip, der auf Grund einer speziellen Titanoxidbeschichtung sofort anschlägt, wenn sich die Anteile an Kohlenmonoxid, Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen im Abgas nur um wenige Millionstel ändern. Arbeitstemperaturen von bis zu 450 Grad Celsius sind kein Problem für den Sensor.

Ein weiteres Beispiel ist eine Technologieentwicklung zur Strukturierung von Silizium, die es ermöglicht, winzige bewegliche Strukturen herzustellen. Mit diesen "beweglichen Massen" können Beschleunigungen, Kreisbewegungen, Neigungen und Vibrationen gemessen werden. In der Kombination mit Mikroarrays entstehen so Detektoren, die einfacher und kostengünstiger arbeiten als bislang vorwiegend eingesetzte Aufnehmer. Mit der neuen Technologie erschließt sich ein breites Feld, um beispielsweise den Verschleißzustand von Motoren, Maschinen und Anlagen zu messen.

Bei ihren Forschungsaktivitäten, die sich oft auf die Kombination von Silizium-Mikromechanik mit traditioneller Feinwerktechnik konzentrieren, arbeiten die Wissenschaftler mit zahlreichen kompetenten Industriepartnern zusammen. Sowohl große internationale Konzerne als auch kleine und mittelständische Unternehmen gehören zu den Auftraggebern.

Weitere Informationen geben Prof. Dr. Thomas Geßner, TU Chemnitz, Zentrum für Mikrotechnologien, 09107 Chemnitz, Telefon (03 71) 5 31 - 31 30, Fax (03 71) 5 31 - 31 31, E-Mail thomas.gessner@zfm.tu-chemnitz.de oder Mario Baum, Telefon (03 71) 53 97 - 9 26, E-Mail mario.baum@zfm.tu-chemnitz.de

Alexander Friebel | idw
Weitere Informationen:
http://www.zfm.tu-chemnitz.de

Weitere Berichte zu: Crashfall Mikrosystemtechnik Mikrotechnologie ZfM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Die Chancen der Digitalisierung für das Betriebliche Gesundheitsmanagement: vitaliberty auf der Zukunft Personal 2017
19.09.2017 | vitaliberty GmbH

nachricht Fraunhofer CSP präsentiert Neuheiten auf der EU PVSEC
18.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik