Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"PhysioCheck" en miniature - Mobiles Diagnosegerät für die Analyse von Flüssigkeiten

30.04.2004


Mikrofluidische Testkassette für die schnelle Diagnose am "Point of Care" © Fraunhofer IPA/Dirk Neumann


Ein mobiles Diagnosegerät für die Analyse von Flüssigkeiten stellt der Verbund "PhysioCheck" auf der Analytica vor. Es basiert auf neu entwickelten Match-X-Bausteinen für die Mikrosystemtechnik.


Ein paar Tropfen Blut, etwas Urin: Schon geringe Mengen Körperflüssigkeit können viel über den gesundheitlichen Zustand eines Menschen aussagen. In relativ klaren Fällen genügt oft ein einfacher Teststreifen, um festzustellen, ob beispielsweise eine Schwangerschaft vorliegt oder der Blutzucker zu hoch ist. In Fällen, die nicht ganz so klar liegen, müssen mehrere Indikatoren gleichzeitig überprüft werden und das sehr schnell, wenn es sich um einen Notfall handelt. Diagnose und Therapiebeginn beschleunigen sollen mobile Diagnosegeräte am "Point of Care", also direkt beim Patienten, die den Weg ins Labor überflüssig machen. Viele dieser Geräte sind jedoch für komplexere Analysen ungeeignet. Das Verbundprojekt "PhysioCheck" hat zum Ziel, ein mobiles Diagnostikgerät auf der Basis miniaturisierter Funktionsbausteine zu entwickeln, das sich mit geringem Aufwand an unterschiedlichste medizinische Analyseprozesse anpassen lässt, sich auch für komplexe Analysen eignet und sowohl günstig in Produktion und Anschaffung, als auch wirtschaftlich im Betrieb ist.

"Die immunologisch basierte Analyse von Flüssigkeiten im Labor setzt sich i. d. R. aus den Prozessen Fördern, Mischen, Trennen und Inkubieren sowie der Detektion von Fluiden zusammen", hat Andreas Schüle vom Fraunhofer IPA festgestellt. Für jeden dieser Prozesse haben er und sein Team miniaturisierte Funktionsbausteine entwickelt. Im Projekt "PhysioCheck" entsteht mit Hilfe dieser Bausteine derzeit ein mobiles Diagnosegerät für Antigen-Antikörperreaktionen in einem Enzym-Immunoassay (EIA). "Sobald wir den Test mit den miniaturisierten Funktionsbausteinen zufriedenstellend auf unsere Entwicklungsplattform abbilden können, übertragen wir die gesamte Struktur auf eine mikrofluidische Kassette, die dann als monolithisches System kostengünstig und in hohen Stückzahlen hergestellt werden kann", berichtet Schüle. Bewährt sich die entwickelte EIA-Testkassette, sollen im Anschluss an das Verbundforschungsprojekt weitere Testverfahren für das mobile Diagnosegerät adaptiert werden.


"Wir haben die Bausteine für das Funktionsmuster des Diagnosegeräts als Teile eines mikrofluidischen Match-X-Baukastens entwickelt", erklärt Projektkoordinator Schüle. Das Match-X Baukastensystem beschreibt geometrische, elektrische, fluidische, optische und thermische Schnittstellen, die im VDMA Einheitsblatt 66305 definiert und standardisiert sind. Den Standard für fluidische Schnittstellen praktisch umzusetzen ist ein Entwicklungsschwerpunkt des "PhysioCheck"-Teams am Fraunhofer IPA. Ein weiterer zentraler Punkt ist die intelligente Aufteilung der Bausteine in wieder verwendbare Module und Wegwerfkomponenten. Die funktionale Trennung zwischen Antrieben, optischen Komponenten, Sensoren und fluidführenden Komponenten trennt gleichzeitig medienberührte von nicht medienberührten Oberflächen. "Der gerätetechnische Ansatz aus "PhysioCheck" ist aber nicht nur für die medizinische Analytik, sondern auch als Entwicklungstool für andere mikrofluidische Prozesse interessant", betont Andreas Schüle. Beispielsweise für Mikroproduktionsanlagen zur Herstellung kleinster Mengen teurer Flüssigkeiten wie speziell auf einen Patienten abgestimmte Medikamente.

Das vom BMBF im Rahmen des Förderschwerpunkts "Mikrosystemtechnik 2000+" geförderte Verbundprojekt "PhysioCheck" läuft noch bis Ende Juni 2004. Am Projekt beteiligt, sind neben dem Fraunhofer IPA die Evotec OAI AG, Hamburg, als pharmazeutischer Dienstleister aus der Wirkstoffforschung und -entwicklung, die Mikrosystemtechnikspezialisten Höfer & Bechtel Industrieausrüstungen GmbH, Mainhausen, und Bartels Mikrotechnik GmbH, Dortmund, sowie als Anwender die Endokrinologikum Forschungsgesellschaft mbH, Hamburg, die Aesculab GmbH, Karlsruhe, und die Analab GmbH, Leinfelden-Echterdingen.

PhysioCheck auf der Analytica 2004: Fraunhofer Gemeinschaftsstand "Individuelle Systemlösungen", Halle A4.291.

Ansprechpartner: Dr.-Ing. Andreas Schüle, Tel. 0711/970-1560, E-Mail: andreas.schuele@ipa.fraunhofer.de

Michaela Neuner | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipa.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Diagnosegerät Funktionsbausteine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"
24.05.2017 | Universität Ulm

nachricht Neue Prozesstechnik ermöglicht Produktivitätssteigerung mit dem Laser
18.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten