Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ACHEMA: Mit Chemie die Natur schonen

20.05.2003


Universität Jena stellt "Einstufiges Verfahren zur Gewinnung von Cellulose aus nachwachsenden Rohstoffen" und "Heterogene Katalyse im Mikrowellenfeld" auf der ACHEMA 2003 (19.-24. Mai) in Frankfurt/M. aus



Die Chemie ist längst nicht mehr der Umweltverschmutzer, der vor Jahren ihr Image prägte. Heute helfen moderne chemische Verfahren dabei, die Umwelt zu schonen und dennoch im wirtschaftlichen Wettbewerb Stand halten zu können. Dies zeigen auch zwei Exponate der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die in dieser Woche auf der ACHEMA in Frankfurt/M. präsentiert werden. Die Jenaer Universität ist auf dem mitteldeutschen Gemeinschaftsstand "Forschung für die Zukunft" (Stand A 13 - B 18) in Halle 1.2 vertreten.



Ein "Einstufiges Verfahren zur Gewinnung von Cellulose aus nachwachsenden Rohstoffen" ist am Institut für Technische Chemie und Umweltchemie der Uni Jena entwickelt worden. Das Verfahren hilft dabei, Papier schneller, günstiger und umweltschonender herzustellen. Die Jenaer Chemiker nutzen bei ihrer Entwicklung als Oxidationsmittel Wasserstoffperoxid - das manchem als Haarblondiermittel bekannt sein dürfte. Dieses ermöglicht es, Papier so weiß zu bekommen, wie dies sonst nur mit dem üblicherweise angewandten mehrstufigen Verfahren, bei dem auch Bleichmittel eingesetzt werden, möglich ist. "Als Katalysatoren werden Metallate der 6. Nebengruppe eingesetzt, diese sind selber problemlos wieder recyclebar", erläutert Institutsdirektor Prof. Dr. Bernd Ondruschka. Das Verfahren arbeitet drucklos im Temperaturbereich von 100 °C. "Qualitätsunterschiede zwischen der von uns hergestellten Cellulose und der bei anderen Verfahren erzielten wurden bisher nicht gefunden", unterstreicht der Jenaer Chemiker. Während die Qualität also vergleichbar ist, bietet das neue Verfahren wesentliche Vorteile, v. a. im Umweltschutz. Es fallen keine schwer zu entsorgenden Abwasser an, da "der Restkohlenstoff in der Oxidationslösung bereits hoch oxidiert und somit leicht biologisch abbaubar ist", erläutert Ondruschka. Getestet wurde dies an Holz und Holzabfällen, Raps- und Getreidestroh, Hanf, Bambus sowie Miscanthus - allerdings bisher nur mit kleinen Mengen. "Im Labormaßstab hat sich gezeigt, dass die Idee greift", ist Prof. Ondruschka von den Zukunftsaussichten der Entwicklung überzeugt.

Chemische Reaktionen benötigen Energiezufuhr, um gestartet zu werden. Je gezielter und ungehinderter die Zufuhr verläuft, um so effektiver kann die eingesetzte Energie verwendet werden. Mikrowellen sind ein gutes Mittel, um solche chemischen Reaktionen zu starten und zu betreiben, wissen die Jenaer Wissenschaftler vom Institut für Technische Chemie und Umweltchemie. Auf der ACHEMA präsentieren sie als zweites Exponat "Heterogene Katalyse im Mikrowellenfeld". Mit den Mikrowellenstrahlen - die aus dem gleichnamigen Küchengerät bekannt sind - können beispielsweise Katalysatoren sehr schnell auf Betriebstemperatur gebracht werden. Die Strahlen dringen direkt ins Innere, ohne erst den Mantel zu erwärmen und lassen sich - wie beim Gasherd - exakt kontrollieren. "Außerdem erfolgt die Erwärmung gleichmäßig", betont Prof. Ondruschka. "Dadurch kommt man mit sehr wenig Energie zu gleichen Resultaten", weist der Jenaer Chemiker auf den besonderen Vorteil der neuen Methode hin, die auf der Messe am Beispiel der festen Katalyse vorgeführt wird. Gemeinsam mit dem Hermsdorfer Institut für Technische Keramik e. V., das neue Katalysatoren entwickelt hat, ist das Verfahren entwickelt worden. "Es ist nicht nur für großchemische Prozesse geeignet", betont Ondruschka. Der Chemiker sieht gute Entwicklungsperspektiven für das neuentwickelte Verfahren, da "85 % aller Chemieprodukte eines heterogenen Katalysators bedürfen". Daher hoffen die Jenaer Chemiker, auf der Frankfurter Messe neue Industriepartner zu finden, die mit ihnen das Verfahren zur Produktreife führen.

Kontakt:
Prof. Dr. Bernd Ondruschka
Institut für Technische Chemie und Umweltchemie der Uni Jena
Lessingstr. 12, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948400
Fax: 03641 / 948402
E-Mail: bernd.ondruschka@uni-jena.de

Axel Burchardt | idw

Weitere Berichte zu: ACHEMA Katalysator Katalyse Umweltchemie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Digitalisierung von HR-Prozessen – tisoware auf der Personal Nord und Süd
21.03.2017 | tisoware Gesellschaft für Zeitwirtschaft mbH

nachricht Hochauflösende Laserstrukturierung dünner Schichten auf der LOPEC 2017
21.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE