Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Software aus dem Baukasten

11.02.2003


Auch Software ist eine Ressource, die sich recyceln lässt. Theoretisch können einmal entwickelte Steuerungsprogramme zumindest in Teilen wiederverwertet werden. Praktisch scheiterte das Recycling bisher an der Komplexität der Programme. Die Lösung liefert ein Software-Entwicklungsbaukasten.



Ein Legoroboter präsentiert die neue Methode komponentenbasierter Softwareentwicklung: Auf der in Hannover vom 12. bis 19. März zieht er auf dem Stand der Fraunhofer-Gesellschaft in Halle 11, A 24 seine Kreise und sammelt leise brummend Kugeln ein. Hinter der Präsentation verbirgt sich ein innovatives Konzept, das die Softwareentwicklung in Zukunft einfacher und schneller machen kann.



"Wir zeigen hier, dass Programm-Komponenten, die in sich abgeschlossen sind, immer wieder neu zusammengesetzt werden können", erklärt Dr. Christian Bunse vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE. Der Forscher verschiebt auf dem Bildschirm ein Ikon, das einen Softwarebaustein symbolisiert, und schon folgt der Legoroboter einem neuen Verhaltensmuster: Anstatt weiter stupide und brav im Kreis herumzufahren und einzusammeln, was im Wege liegt, orientiert er sich nun selbstständig, registriert die Positionen der Kugeln, steuert sie an und sammelt sie auf. "Durch Verschieben eines Bausteins ändert sich das Steuersystem und damit das Verhalten des Roboters", so Bunse. "Die komponentenbasierte Programmierung erlaubt es, Teilsysteme, die einmal entwickelt wurden, aus dem Kontext herauszulösen und in neue Anwendungen zu integrieren. Gerätehersteller, die ein neues Produkt auf den Markt bringen wollen, können mit dieser Methode bereits vorhandene Steuerungssoftware-Bausteine übernehmen."

Bisher ließen sich bewährte und funktionstüchtige Komponenten nur mit großem Aufwand aus den fertigen Programmen herausdestillieren. Die Entwickler von Fabrikanlagen, Automotoren, Spülmaschinen oder Robotern mussten daher die Steuerungssoftware jedes Mal neu schreiben. Mit der neuen KobrA-Methode zur Softwareentwicklung - die Abkürzung steht für komponentenbasierte Anwendungsentwicklung -, die die Fraunhofer-Forscher am IESE im Auftrag des Bundesforschungsministeriums erarbeitet haben, können bestehende Komponenten problemlos recycelt werden. "Das eigentlich Neue an der KobrA-Methode ist ein sehr detailliertes Modell, das der Programmierung zugrund liegt, und das künftige Schnittstellen von vorneherein festlegt", sagt Bunse.

Interessant ist die Baukasten-Software vor allem für Anwender, die Produkte entwickeln, die schnell an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kunden angepasst werden müssen: Abrechnungssysteme beispielsweise, die in verschiedenen europäischen Ländern die jeweils gängigen Kredit- und Bankkarten akzeptieren müssen. Oder Automotoren, die sich nur in wenigen Details vom Vorgängermodell unterscheiden.

Die ersten praktischen Erfahrungen mit der neuen Softwarearchitektur sind ermutigend, berichtet der Fraunhofer-Forscher: Die Umstellung kann schrittweise erfolgen: "Man kann damit anfangen, für die vorhandene Software ein UML-Modell - die Abkürzung steht für Unified Modelling Language - zu entwickeln und dann im Laufe der Zeit immer neue Anwendungstechnologien hinzufügen, bis schließlich eine vollständige komponentenbasierte Produktlinie erreicht ist."

Ansprechpartner:

Dr. Christian Bunse
Telefon 06301 - 707-222
E-mail: bunse@iese.fraunhofer.de

Isolde Rötzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.iese.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/german/press/pi/index.html

Weitere Berichte zu: Legoroboter Softwareentwicklung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Digitalisierung von HR-Prozessen – tisoware auf der Personal Nord und Süd
21.03.2017 | tisoware Gesellschaft für Zeitwirtschaft mbH

nachricht Hochauflösende Laserstrukturierung dünner Schichten auf der LOPEC 2017
21.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise