Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit TOMMI das Sintern oder Schmelzen kontrollieren

30.09.2002


Auf der Materialica vom 30. September bis 2. Oktober in München präsentiert das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC sein in Kleinserie hergestelltes Spezialgerät "TOMMI". Besonders interessant ist das Gerät für die keramische Industrie und die Glasindustrie, da es die berührungsfreie optische Kontrolle von Wärmeprozessen erlaubt.

Beim Sintern von Keramiken oder beim Schmelzen von Gläsern war man bisher auf langjährige Erfahrung einerseits und Versuch und Irrtum andererseits angewiesen, d.h. man konnte erst am Endprodukt feststellen, ob die eingestellten Pro-zessparameter, wie Temperatur und Dauer, richtig gewählt waren. Mit TOMMI schaut man sozusagen beim Sintern bzw. Schmelzen zu. Ganz einfach dargestellt: Dreht man an der Temperaturregelung, kann die Auswirkung am Objekt direkt beobachtet werden. Mit dem dabei gewonnenen Wissen lassen sich die Brenn- bzw. Schmelzbedingungen optimieren, was direkt auf eine Verbesserung der Qualität des Endprodukts und eine Reduzierung der Produktionskosten wirkt.

Entwicklung und Bau
TOMMI ist ein optisches Dilatometer, dessen grundlegende Verfahren am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg entwickelt und in der Außenstelle Bronnbach in ein serienreifes Gerät umgesetzt wurden. Damit ist erstmals die präzise berührungsfreie Erfassung der Schwindung eines Bauteils oder Probestücks während des Brenn- bzw. Schmelzvorgangs möglich.

Funktionsweise am Beispiel Sintern
Keramische Produkte werden durch Sintern verdichtet und verfestigt. Die Sinterung bestimmt wesentlich die Qualität des Endprodukts und ist ein wichtiger Kostenfaktor bei der Produktion. Genaue Informationen über den tatsächlichen Sinterzustand der Keramik können deshalb erheblich zur Qualitätsverbesserung beitragen und die Kosten bei der Herstellung verringern.

Beim Brennen nimmt die Porosität eines Keramik-Körpers ab, das Bauteil schwindet. Wird diese Schwindung gemessen, können daraus Informationen über den Grad der Sinterung gewonnen werden. Die bisher verwendeten Methoden arbeiten jedoch nicht berührungsfrei und können so unter Umständen das Messergebnis beeinflussen, beispielsweise durch Verformung des Bauteils, chemische Reaktionen beziehungsweise Anbacken an dessen Oberfläche.

Das optische Dilatometer TOMMI dagegen arbeitet berührungsfrei. Es zeichnet den Schattenwurf eines Bauteils oder Probestücks im Gegenlicht mit einer Kamera auf. Mit einer speziellen Software wird in enger zeitlicher Abfolge der Abstand gegenüberliegender Kanten am Bauteil gemessen, Verschiebungen des Bauteils im Messfenster werden dabei berücksichtigt. Auf diese Weise wird eine Auflösung von etwa zwei Mikrometer bei hoher Reproduzierbarkeit erreicht. Im Messfenster können Bauteile mit eine Länge von maximal 25 Millimeter bei einer Maximaltemperatur von 1 700 °C vermessen werden.

Da TOMMI ohne bewegliche Teile auskommt, ist die Anlage wenig störanfällig. Neben der eigentlichen Sinterung kann das Gerät auch zur Analyse von Verformungen bei der Temperung oder von Benetzungsphänomenen bei hohen Temperaturen eingesetzt werden.

Dipl.-Geophys. Marie-Luise Righi | idw
Weitere Informationen:
http://www.sinteropt.de/

Weitere Berichte zu: Endprodukt TOMMI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht SYSTEMS INTEGRATION 2018 in der Schweiz thematisiert Bausteine für die industrielle Digitalisierung
20.11.2017 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

nachricht IHP präsentiert sich auf der productronica 2017
17.11.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie