Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zukunftschance Gesundheit: Innovative Technik für den OP

14.09.2012
Gesundheit ist angesichts der demographischen Perspektive ein wichtiges wirtschaftliches Wachstumsfeld. Gerade in der Medizintechnik ist Baden-Württemberg führend. In diesem Bereich ist eine enge Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft entscheidend: Es geht beispielsweise darum, Forschungsergebnisse schnell in die Entwicklung neuer Produkte münden zu lassen.

Das Wissenschaftsministerium fördert deshalb in den kommenden fünf Jahren mit bis zu 2,5 Mio. Euro verschiedene Industry on Campus-Projekte des Interuniversitären Zentrums für Medizinische Technologien Stuttgart-Tübingen (IZST) mit diversen Wirtschaftspartnern. Dies gab Ministerin Theresia Bauer am Freitag (14. September) in Stuttgart bekannt.

„Industry on Campus“ beschreibt die Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Institutionen auf dem Universitätsgelände. Ziel im konkreten Fall ist es, neue Entwicklungen aus dem Labor schneller in den Operationssaal und an den Patienten zu bringen. Projekte in öffentlich-privater Partnerschaft seien hierfür ein ideales Instrument, begründete die Ministerin das Engagement des Landes.

Wissenschaftlichen Nachwuchs praxisnah qualifizieren

Bauer: „Solche Projekte ermöglichen nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Entwicklung, sondern beschleunigen auch den Technologietransfer“. Zudem biete die Zusammenarbeit von Forschung und starken Wirtschaftspartnern erhebliche Chancen für die beteiligten Wissenschaftler: Sie könnten sich auf diese Weise weiter qualifizieren oder spezialisieren. Zudem werde der wissenschaftliche Nachwuchs bereits früh an praxisrelevante Fragestellungen der Medizintechnik herangeführt und im Umgang mit der Wirtschaft geschult, so die Ministerin.

Sie sei sich sicher, dass alle Beteiligten und auch die Allgemeinheit von dieser Art Kooperation profitierten: „Die Projekte vernetzen die Kompetenzen der Universität Tübingen in der Medizin mit den ingenieurwissenschaftlichen Kompetenzen der Universität Stuttgart. Sie vertiefen die Kooperation beider Universitäten und ermöglichen so zukunftsweisende Forschung in der Medizintechnik“. Gleichzeitig würden hierdurch der Forschungshintergrund und die Praxisanbindung des gemeinsamen Bachelor- und Master-Studiengangs Medizintechnik gestärkt.

Informationen zu den Einzelprojekten und den Kooperationspartnern:

Die ersten drei Industry on Campus-Projekte, die nun an den Start gehen, fördert das Wissenschaftsministerium über drei Jahre mit insgesamt 431.000 Euro pro Jahr. Ein weiteres Drittel tragen die beteiligten Universitäten Stuttgart und Tübingen mit jeweils 215.500 Euro und die beteiligten Firmen

ERBE Elektromedizin GmbH, Tübingen,
Trumpf Medizin Systeme GmbH & Co. KG, Saalfeld,
FESTO GmbH und Co. KG, Esslingen sowie
Aesculap AG, Tuttlingen,
mit insgesamt 431.000 Euro.
Die geförderten Projekte bewegen sich thematisch im Bereich der Assistenzsysteme für komplikationsarmes Operieren:

Das Projekt Modellbasierte Optimierung der Thermofusion von biologischem Gewebe beschäftigt sich mit einer Operationsmethode, um Blutgefäße schnell dauerhaft zu verschließen und so Blutungen zu verhindern oder zu stillen. Hierbei erhitzt elektrischer Strom das Blutgefäß, um es zu verkleben und damit eine Blutung zu stillen. Es ist sehr wichtig, dass die entstehende Hitze das übrige Gewebe, zum Beispiel Nervenbahnen in der Nähe der Blutgefäße, nicht schädigt. Das gemeinsam mit der ERBE Elektromedizin GmbH durchgeführte Projekt soll Strategien erarbeiten, die das Risiko einer Verletzung des umliegenden Gewebes vermindert ohne die Qualität des Gefäßverschlusses zu beeinträchtigen.

Das Projekt Interaktionsbasierte manipulatorgestützte Assistenz soll den Arbeitsplatz von Chirurgen ergonomischer gestalten. Operateure müssen häufig über längere Zeiträume in ermüdenden Positionen arbeiten. Um hier Abhilfe zu schaffen, sollen automatisch nachgeführte Hand- und Armablagen für Operateure entwickelt werden, die ein ermüdungsarmes und zitterfreies Führen und Halten der Instrumente ermöglichen, damit die Genauigkeit der Operation erhöhen und Komplikationen vermeiden helfen. Das Projekt beschäftigt sich in diesem Zusammenhang auch mit der idealen Lagerung des Patienten. Derzeit wird dies noch wenig für Operationen genutzt. Das gemeinsam mit den Firmen Trumpf Medizin Systeme GmbH & Co. KG und Festo AG & Co. KG durchgeführte Projekt analysiert, welche weiteren Lagerungsformen ergonomisch vorteilhaft sind und wie sie realisiert werden können. Das Projekt hat das Potenzial, die Genauigkeit von Operationen wesentlich zu erhöhen und auf diese Weise Komplikationen zu vermeiden.

Das gemeinsam mit der Aesculap AG (B. Braun Melsungen AG) durchgeführte Projekt Intraoperative Integration elektrischer und magnetresonanz-tomographischer Signale zur intelligenten Neuroimplantation beschäftigt sich mit Verfahren der tiefen Hirnstimulation. Die tiefe Hirnstimulation eröffnet vielversprechende Behandlungsmöglichkeiten bei einer großen Anzahl chronischer Erkrankungen wie Tremor, Morbus Parkinson, Dystonie, Zwangserkrankungen, Depressionen, Tourette-Syndrom und Epilepsie. Das Projekt hat das Ziel der Verbesserung der Hirnstimulation durch die Optimierung der dabei zum Einsatz kommenden Elektroden.

Biljana Bojic | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-medtech.de/universitaeten/izst.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Positron trifft Kernspin
19.09.2017 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Aktive Prothese verändert Hirnfunktionen von Schlaganfall-Patienten
15.09.2017 | Leibniz-Institut für Neurobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik