Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zertrümmern leicht gemacht – neues Gerät gegen Nierensteine

11.09.2012
Als erstes Krankenhaus in der Rhein-Main-Region verwendet das Frankfurter Uniklinikum die medizinische Stoßwellenanlage Dornier Gemini, mit dem Nierensteine zuverlässiger und komfortabler als bisher entfernt werden können. Das Klinikum wird Forschungs- und Referenzzentrum für die neue Technologie.

Im September 2012 installiert das Unternehmen Dornier MedTech seine neuste Entwicklung Gemini am Frankfurter Uniklinikum. Mit der Vorrichtung können Nierensteine durch Stoßwellen entfernt werden – die so genannte Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL).


Das Stoßwellensystem für die Endourologie und ESWL Dornier Gemini.

Gemini hat eine deutlich größere Reichweite als bestehende Anlagen. Auch bisher schwer erreichbare Steine, beispielsweise bei adipösen Patienten, können damit zerstört werden. Zudem hat das Gerät eine patentierte ergonomische Formgebung, die die Behandlung für die Patienten besonders komfortabel macht.

Als erstes Uniklinikum in Deutschland und erstes Krankenhaus im Rhein-Main-Gebiet überhaupt bietet das Klinikum der J.W. Goethe-Universität das Verfahren jetzt an. Die zuständige Klinik für Urologie und Kinderurologie, unter der Leitung von Prof. Axel Haferkamp, ist auch an der Weiterentwicklung der Technologie beteiligt.

Das Uniklinikum hat mit der Herstellerfirma einen Kooperationsvertrag geschlossen und wird Forschungs- und Referenzzentrum für Gemini. Die Erkenntnisse aus den Behandlungen in Frankfurt werden genutzt, um die Technologie weiter zu optimieren. Außerdem steht die Frankfurter Urologie als Anlaufstelle für fachliche Fragen anderer Krankenhäuser rund um die Technologie zur Verfügung.

Vor dreißig Jahren wurde die ESWL erstmalig angewandt. Schon damals kam das Gerät aus dem Hause Dornier MedTech. Bei dem Verfahren, das heute als beste Therapie anerkannt ist, liegt der Patient auf einem beweglichen Tisch. Ein Stoßwellengenerator mit einer wassergefüllten Silikonhülle wird leicht an den Körper des Patienten gepresst, um einen guten Kontakt zum Körper herzustellen.
Dazu wird zusätzlich noch ein wasserhaltiges Gel zwischen die Silikonoberfläche und die Haut gebracht, um einen nahtlosen Übertritt der Stoßwelle zu gewährleisten. Die Lokalisierung der Steine erfolgt durch Röntgenbilder. Durch einen elektrischen Impuls werden im Generator Stoßwellen erzeugt, die über die mit Wasser gefüllte Hülle in den menschlichen Körper übertreten, gezielt auf die Nierensteine treffen und diese zertrümmern. Wenn die Steine ausreichend zerkleinert wurden, können sie auf natürlichem Weg beim Wasserlassen ausgeschieden werden.

Die Frankfurter Neuheit hat mehrere entscheidende Vorteile gegenüber bisherigen Apparaten. Die Reichweite ist mit 170 mm deutlich größer. Damit ermöglicht das Gerät auch eine Entfernung tiefer liegender und damit schwer erreichbarer Steine. Außerdem ist die Behandlung für die Patienten deutlich komfortabler. Denn die Stoßwellenquelle kann bei Gemini rund um den Behandelten positioniert werden, wodurch die Prozedur immer in einer bequemen Rückenlage durchgeführt wird. Die Röntgengeräte sind ebenfalls beweglich.

Außerdem beinhaltet die Apparatur für unklare oder komplexere Fälle zusätzlich einen Ultraschall. Mit dieser Dualbildgebung können die Nierensteine optimal und zweifelsfrei lokalisiert werden. Durch die hohe Präzision werden die Nierensteine mit weniger Stoßwellen zerstört, weshalb die Behandlung auch besonders schonend für die Patienten ist.

Die dank intuitiver Bedienung und nützlicher Schnittstellen optimierten Arbeitsabläufe an der Anlage sorgen auch für finanzielle Einsparungen. Der Apparat hat darüber hinaus noch weitere Anwendungsmöglichkeiten. So bietet es einen optimalen Arbeitsplatz für endourologische Eingriffe – also urologische Operationsverfahren, die natürliche Zugänge zum Körperinneren nutzen.

In der endourologischen Behandlung profitieren Behandelte und Behandelnde ebenfalls von der beweglichen Technologiegestaltung. Dieses hohe Maß an Flexibilität und Vielseitigkeit macht Gemini besonders wirtschaftlich.

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Berichte zu: Apparat Dornier ESWL Gemini MedTech Nierenstein Stoßwellen Urologie Zertrümmern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Virtual Reality in der Medizin: Neue Chancen für Diagnostik und Operationsplanung
07.12.2016 | Universität Basel

nachricht Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten
06.12.2016 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie