Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweit erstes SPECT/CT einer neuen Generation - bessere Bilder aus dem Körper

24.11.2014

Die Nuklearmediziner des Tübinger Universitätsklinikums können jetzt ein verbessertes bildgebendes Verfahren einsetzen: Ein SPECT/CT der neuesten Generation wurde während der vergangenen Wochen installiert. Es ermöglicht komplexe dreidimensionale Darstellungen von Stoffwechsel-Vorgängen im Körper. Es ist die weltweit erste Anlage einer neuen Generation.

Schon bisherige SPECT/CT-Anlagen haben den besonderen Vorteil von Hybrid-Bildgebung: Sie verbinden zwei unterschiedliche Methoden der Bildgebung – zur selben Zeit und mit derselben Anlage werden also zwei verschiedene Typen medizinischer Bilder erzeugt. Das System errechnet aus diesen beiden Quellen eine dreidimensionale Darstellung, die sowohl die anatomische Struktur im Körper anzeigt als auch die dort ablaufenden Prozesse.


Mit einer SPECT/CT-Untersuchung ermitteln die Ärzte häufig, wie aktiv ein Tumor ist und wie hoch man bei diesem Patienten bestimmte Medikamente dosieren muss

Uniklinikum Tübingen

Die Fixpunkte in dieser Darstellung liefert die auf Röntgen basierende Computertomografie. Sie zeigt mit ihren Schnittbildern, wie die Anatomie der untersuchten Körperregion aussieht. Dem zweiten Verfahren liegt die Szintigrafie zugrunde, eine nuklearmedizinische Untersuchung, die sichtbar machen kann, wie in genau diesem Moment der Stoffwechsel von Zellen und Organen abläuft.

Dafür wird Patienten vorab eine schwach radioaktiv markierte Substanz gespritzt, die sich gezielt in jene Prozesse des Körpers einschleust, die untersucht werden sollen. Die Strahlung kann diese Abläufe dann für kurze Zeit sichtbar machen, eine Gamma-Kamera hält das fest.

Das zweite Verfahren, das Schnittbilder aus mehreren Szintigrafien errechnet, heißt SPECT, was die Abkürzung für Single-Photonen-Emissions-Computertomografie ist. Die Software der Anlage kombiniert am Ende alle Aufnahmen des Tomografen und der Gamma-Kamera zu einer komplexen Darstellung.

„Wir erhalten einen richtigen Film davon, was im Körper gerade stattfindet“, beschreibt Prof. Dr. med. Christian la Fougère die Ergebnisse. „Die Knochen, Organe und Gewebe sind sehr gut zu erkennen“, sagt der Lehrstuhlinhaber für Nuklearmedizin und klinische molekulare Bildgebung. „Ganz deutlich wird auch, wie der Stoffwechsel in der untersuchten Region abläuft. Das bietet uns wichtige Anhaltspunkte dafür, wie eine Krankheit beim Patienten fortschreitet oder wie eine Therapie greift.“

Mit der neuen Anlage „Discovery NM/CT 670 Pro“ des Herstellers GE Healthcare ist Tübingen der momentan modernste Standort dieser Technologie weltweit, berichtet der Nuklearmediziner. Was diese Anlage von der bisherigen Technologie abhebt: Die neue Generation der SPECT/CT-Geräte liefert deutlich präzisere Darstellungen. Zudem ist es gelungen, Ungenauigkeiten zu minimieren, die man bisher bei dieser Art der Bildgebung in Kauf nehmen musste.

Auf dieser verbesserten Grundlage bietet das System nun erstmals auch quantifizierbare Aussagen. Die Ärzte können also mit mathematischer Genauigkeit definieren und abgleichen, wie intensiv die Aktivitäten im untersuchten Stoffwechsel sind. „Wir können unklare Krankheitsherde nun besser einschätzen und beurteilen“, sagt Prof. la Fougère. Dadurch kann man vielen Patienten weitere Untersuchungen ersparen. Zugleich sind die inneren Strukturen in den neuen Darstellungen viel exakter lokalisiert, bis in den Millimeter-Bereich.

„Informationen einer solchen Qualität haben wir bislang nur über ein anderes Untersuchungsverfahren erhalten, mit dem PET/CT“, erklärt Prof. la Fougère. Das neue Verfahren wird die PET/CT nicht ersetzen, ist aber eine sehr gute Alternative, beispielsweise wenn die Ärzte Bilder des Herzens oder der Knochen brauchen. In manchen Situationen ist es auch von Vorteil, dass die neue Anlage die Strahlung so präzise quantifizieren kann, präziser als ein PET/CT: wenn die Durchblutung der Lunge untersucht wird, wenn man bei Entzündungsherden bestimmte Fragen klären will, auch bei der Beurteilung von Schilddrüsenknoten und zur Diagnose der Parkinson-Krankheit.

Hinzu kommt: Die Patienten werden im modernen SPECT/CT einer geringeren Strahlenbelastung ausgesetzt, weil hier für die SPECT-Untersuchung eine niedrigere Dosierung der radioaktiv markierten Substanz ausreicht und zudem das CT mit einer geringeren Strahlenbelastung arbeitet.

Verglichen mit dem bisherigen SPECT/CT wird der Untersuchungsablauf für die Patienten etwas angenehmer, weil die neue Technologie schneller arbeitet. „Da Patienten für eine solche Untersuchung sehr still liegen müssen, um optimale Bilder zu erhalten, macht es schon einen Unterschied, ob es 30 Minuten oder nur 15 Minuten dauert“, verdeutlicht la Fougère. Der neuen Anlage genügen beispielsweise 20 Minuten, um die Knochenstruktur eines Patienten über den gesamten Körper zu scannen und dreidimensional darzustellen.

Mit einer SPECT/CT-Untersuchung ermitteln die Ärzte häufig, wie aktiv ein Tumor ist und wie hoch man bei diesem Patienten bestimmte Medikamente dosieren muss. Neben Krebs können auf diesem Weg auch Herz- und Lungenkrankheiten diagnostiziert werden, ebenso neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Epilepsie. Zudem liefern die Darstellungen des SPECT-CT den Ärzten viele wertvolle Hinweise darüber, auf welchem Weg sie einen Patienten am wirkungsvollsten therapieren können. Bei späteren Untersuchungen lassen sich die Erfolge einer Therapie mit großer Genauigkeit bestimmten und auswerten.

Medienkontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Abteilung für Nuklearmedizin und Klinische Molekulare Bildgebung
Prof. Dr. med. Christian la Fougère
Tel. 07071/29-8 65 53
E-Mail: Christian.LaFougere@med.uni-tuebingen.de


Weitere Informationen:

http://www.medizin.uni-tuebingen.de  UniversitätsklinikumTübingen

Dr. Ellen Katz | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Präzisionsbestrahlung bei Prostatakrebs: HYPOSTAT-Studie wird ausgeweitet
11.12.2017 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Neues Verfahren für die Erkennung von Brustkrebs etabliert
06.12.2017 | Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mitochondrien von Krebszellen im Visier

14.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Grazer Forscher stellen Methode zur dreidimensionalen Charakterisierung vulkanischer Wolken vor

14.12.2017 | Geowissenschaften

Leibniz-Preise 2018: DFG zeichnet vier Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftler aus

14.12.2017 | Förderungen Preise