Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltpremiere für neue Defibrillator-Generation

09.10.2009
Erstmals weltweit wurde jetzt ein neuartiges Herz-Stimulationssystem zur Behandlung von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, ein sogenannter Defibrillator, im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Horstkotte, Kardiologische Klinik, und Prof. Dr. Jan Gummert, Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie (Universitätskliniken der Ruhr-Universität Bochum) eingesetzt.

Im Vergleich zu einem Herzschrittmacher, der den Herzmuskel zu einer regelmäßigen Kontraktion anregt, kann ein Defibrillator bei plötzlich auftretenden, lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen durch die Abgabe eines kurzen elektrischen Stromimpulses das flimmernde Herz wieder in den richtigen Rhythmus bringen.

"Herkömmliche Geräte geben diesen Impuls bereits bei schnellen Herzrhythmen ab und reagieren ebenso bei einer defekten Elektrode des Geräts, was für die Patienten nicht nur unnötig, sondern auch sehr unangenehm und schmerzhaft ist," erläutert Professor Horstkotte.

Der neue Defibrillator "Protecta XT" des Herstellers Medtronic verfügt über eine deutlich verbesserte analytische Software. Das System leitet schon bei einer beginnenden Herzrhythmusstörung frühzeitig eine therapeutische Stimulation ein und wirkt somit einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung entgegen. Mehr noch: es kann einen Defekt an einer Elektrode erkennen und löst daraufhin einen Alarm aus.

Studien belegen, dass durch eine frühe Stimulation in fast 80 Prozent der Fälle die Abgabe eines Schocks durch den Defibrillator gar nicht notwendig wird. Erst dann, wenn die Stimulationstherapie nicht erfolgreich ist, erfolgt ein elektrischer Schock. Das verbessert die Lebensqualität der Patienten, die mit einem Defibrillator der älteren Generation noch unnötige elektrische Schocks hinnehmen müssen, enorm.

"Ein Schock in lebensbedrohlicher Herz-Situation ist lebensrettend und damit die effektivste Therapie. Wenn das neue Gerät diese Situation frühzeitig und sicher abwenden kann, so ist das ein großer Fortschritt für unsere Patienten", fügt Horstkotte hinzu.

Die neuen Protecta-Defibrillatoren werden als Ein- und Zwei-Kammer-Geräte sowie als Dreikammer-Systeme zur Behandlung von Patienten, die unter Herzschwäche leiden, implantiert. Herzchirurg Dr. Bert Hansky setzte in Bad Oeynhausen das erste Zweikammergerät erfolgreich ein, das nun im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie mit bis zu 250 Patienten ausgewertet wird. Die Studie wird von Oberarzt Johannes Heintze, Kardiologe im Herz- und Diabeteszentrum NRW, geleitet. Die CE-Zertifizierung des Protecta-Defibrillators wird für Anfang 2010 erwartet.

Hintergrundinformation

Mit Defibrillatoren wird das lebensgefährliche Kammerflimmern des Herzens unterbrochen, das bei etwa 90 Prozent aller Menschen mit plötzlichem Herz-Kreislauf-Stillstand auftritt. Ursache ist oft ein Herzinfarkt. Nur ein gezielt ausgelöster Elektroschock kann den gestörten Herzrhythmus wieder in Takt und das Herz somit zum Schlagen bringen. Wird ein Opfer innerhalb der ersten Minute mit einem Elektroschock behandelt, besteht eine Überlebenschance von über 90 Prozent.

Informationen zum plötzlichen Herztod:
Jedes Jahr erliegen in Europa ca. 500.000 Patienten dem plötzlichen Herztod (Sudden Cardiac Death, SCD). Ursächlich sind in den meisten Fällen Anomalien in der normalen Herzschlagfolge (Herzrhythmusstörungen, Arrhythmien). Diese Herzrhythmusstörungen werden durch eine Störung im elektrischen Reizleitungssystem des Herzens hervorgerufen. Implantierbare Cardioverter-Defibrillatoren (ICD, "Defi") sind Medizingeräte von etwa Taschenuhrformat, die im Thoraxraum implantiert werden und von denen Elektroden (elektrische Leitungen) zum Herzen führen. Beim Auftreten eines lebensbedrohlichen Kammerflimmerns (Arrhythmie) erfolgt über diese Elektroden die Abgabe entsprechender elektrischer Impulse an das Herz, um die Arrhythmie zu beenden.
Informationen über Medtronic:
Medtronic, Inc. hat seinen Hauptsitz in Minneapolis, USA und ist ein weltweit führender Anbieter in der Medizin¬technik. Medtronic GmbH in Deutschland hat ihren Sitz in Meerbusch, Medtronic GmbH in Österreich hat ihren Sitz in Wien, die Medtronic AG in der Schweiz hat ihren Sitz in Münchenbuchsee. Der europäische Hauptsitz von Medtronic ist in Tolochenaz in der Schweiz angesiedelt. Sie finden Medtronic im Internet unter www.medtronic.com, www.medtronic.de, www.medtronic.at sowie www.medtronic.ch.

Anna Reiss | idw
Weitere Informationen:
http://www.medtronic.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Virtual Reality in der Medizin: Neue Chancen für Diagnostik und Operationsplanung
07.12.2016 | Universität Basel

nachricht Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten
06.12.2016 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie