Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltneuheit in der Herzdiagnostik

22.02.2013
Kinderkardiologen im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen (Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum), haben die Neuentwicklung einer Ultraschalltechnik begleitet, die jetzt weltweit für eine Sensation sorgt. Die Experten sind sich sicher, dass das neue 3-D-Ultraschallsystem namens „Angelo“ die bildgebende Diagnostik von Erkrankungen und Fehlbildungen der rechten Herzkammer revolutionieren wird.

Erstmals können mit dem neuen Datenverarbeitungssystem Form, Lage, Größe und Volumen der rechten Herzkammer so präzise wie niemals zuvor dreidimensional abgebildet werden. Für die Patienten bedeutet die neue 3D-Ultraschalltechnik einen immensen Fortschritt. Denn das Verfahren ist nicht nur deutlich schneller und aussagekräftiger als bisher, sondern auch etwa zehn Mal kostengünstiger als eine vergleichbare Herzanalyse mittels Kernspintomographie (MRT).

Im Zentrum für Angeborene Herzfehler des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. Deniz Kececioglu und Dr. Eugen Sandica werden 3D-Ultraschallgeräte bereits seit vielen Jahren eingesetzt. Sie erlauben nicht nur eine exakte Untersuchung der Herzfunktion von Kindern und Jugendlichen, sondern arbeiten auch ohne belastende Röntgenstrahlung. Die Oberärzte Dr. Kai Thorsten Laser und PD Dr. Nikolaus Haas haben die medizintechnische Entwicklung mit wissenschaftlichen und klinischen Studien begleitet. „Die modernen Geräte verfügen über leistungsfähige Computer und neue Schallköpfe“, erläutert Laser. „Diese technischen Weiterentwicklungen ermöglichen mittlerweile eine Darstellung des schlagenden Herzens in Echtzeit.“

Im Vergleich zur linken Herzkammer erwiesen sich die Analysen der rechten Herzkammer aufgrund ihrer unkonventionellen Form, Lage und Größe jedoch als so schwierig, dass bislang keine verlässlichen Aussagen zu Pumpvolumen und Herzfunktion getroffen werden konnten. Wenig zufriedenstellend für die Bad Oeynhausener Mediziner, zumal die rechte Kammer in vielen Fällen angeborener Herzfehler betroffen ist und genaue Kenntnisse zu ihrer Funktionsleistung entscheidend für die Therapie und Prognose ihrer jungen Patienten sein kann. Eine Lösung bot bisher die kernspintomographische Untersuchung, die ebenfalls im HDZ NRW durchgeführt wird. Nachteil: Diese aufwendige, sogenannte Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) dauert etwa 45 Minuten, sie findet zum Teil bei kleinen Kindern unter Narkose statt. Weitere 30 Minuten vergehen, bis alle Daten ausgewertet sind.

Auf einem Kongress erfuhren die Bad Oeynhausener Oberärzte von Überlegungen zu einer verbesserten Rechtsherzdiagnostik mittels Ultraschall und knüpften sofort Kontakt zu Victor Ton, der den US-Hersteller Ventripoint in Europa vertritt. Das Unternehmen investiert seit 2006 in die Softwareentwicklung der 3D-Ultraschalltechnik. In einer Studie mit 20 Kindern und Jugendlichen hat Dr. Laser ein neues spezielles Aufnahmeverfahren der rechten Herzkammer eingesetzt und jetzt erstmals die Qualität der neuen Herzanalyse mit den Ergebnissen aus dem Kernspin verglichen. Fazit: Das neue VMS-3DE-System „Angelo“ ist derzeit die weltweit einzig verfügbare Software, welche alle erforderlichen 3D-Bilder ohne zusätzliche Datenaufbereitung in brillanter Qualität innerhalb von zehn Minuten zur Verfügung stellen kann. Das ist möglich, weil es bei der Rechenleistung als einziges System auf eine integrierte MRT-Datenbank zurückgreift. „Aufgrund der sehr schnellen und genauen Rechtsherzanalyse ist mit einer deutlichen Verbesserung in der klinischen Versorgung der Patienten zu rechnen“, kommentiert Dr. Laser.

Als aussichtsreich bewerten die Bad Oeynhausener Spezialisten auch eine mögliche zukünftige Anwendung der neuen „Angelo“-Diagnostik bei Patienten, für die eine Kernspin-Untersuchung nicht in Frage kommt, weil sie z.B. mit einem Herzschrittmacher oder einer künstlichen Herzunterstützung leben. In einer folgenden Validierungsphase sollen die positiven Ergebnisse der revolutionären 3D-Technik nochmals überprüft werden. Die europäische Zulassung (CE) hat „Angelo“ bereits erhalten. Und noch in diesem Jahr rechnet der Hersteller mit der Zulassung für den internationalen Markt (FDA).

Oberarzt Dr. Kai Thorsten Laser wird seine Forschungen auf dem Gebiet der Ultraschalldiagnostik in jedem Falle fortsetzen. „Insbesondere in der Frühdiagnostik von angeborenen Herzfehlern sind in den letzten Jahren bahnbrechende Erfolge erzielt worden.“ Die Ergebnisse seiner Pilotstudie zu „Angelo“ wird Laser auf der Internationalen Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Echokardiographie im Juni in Minneapolis erstmals einem internationalen Fachpublikum vorstellen.

Hintergrundinformation

Zehn von 1.000 Kindern in Deutschland kommen mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. In etwa 40 bis 50 Prozent der Fälle ist die rechte Herzkammer davon betroffen. Zu den bekannten Fehlbildungen des Herzens zählen die Fallot´sche Tetralogie, die dextro-Transposition der großen Arterien (d-TGA) und die Pulmonalarterielle Hypertonie (PAH).

Etwa 125.000 Erwachsene in Deutschland leben mit einer Erkrankung der rechten Herzkammer.

3D-Ultraschall
Der dreidimensionale Ultraschall wird auch Sonografie genannt. Wenn das Herz untersucht wird, spricht man von Echokardiographie. Er ermöglicht die räumliche Darstellung einzelner Organe. Aus den jeweiligen Messpunkten der Schallwellen wird dabei mit einer hochentwickelten Computersoftware die dreidimensionale Abbildung errechnet. Eine 3D-Ultraschalluntersuchung des Herzens kann dadurch exakte Aussagen über das Herzvolumen, die Pumpleistung, Größe und Funktion treffen. Dem Kinderkardiologen dient sie bei der Diagnostik und der Erstellung einer individuellen Therapie.

Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, ist ein international führendes Zentrum zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. 37.000 Patienten pro Jahr, davon 15.000 in stationärer Behandlung, werden im Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum versorgt. Die Einrichtung ist u.a. bekannt als größtes Herztransplantationszentrum Deutschlands.

Das Zentrum für Angeborene Herzfehler des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Deniz Kececioglu und Dr. Eugen Sandica gehört zu den international führenden Kliniken bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit angeborenem Herzfehler. Hier werden alle Arten von angeborenen Herzfehlern im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter mit modernsten Methoden therapiert und jährlich rund 400 Operationen und über 500 Herzkathetereingriffe durchgeführt. Das Klinikum ist zertifiziertes Zentrum für die Behandlung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Es verfügt über ein eigenes Department für Fetale Echokardiographie zur Früherkennung von Herzfehlbildungen bei Ungeborenen und Neugeborenen. In der Ambulanz des Zentrums werden jährlich 6.500 Patienten versorgt. Bei Herzklappeneingriffen erzielt das Zentrum herausragende Ergebnisse auch im internationalen Vergleich.

Weitere Informationen:

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anna Reiss (Ltg.)
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 / 97 1955
Fax 05731 / 97 2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

Anna Reiss | idw
Weitere Informationen:
http://www.hdz-nrw.de
http://www.ruhr-uni-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Einfacher Schieltest mit neu entwickelter Strabismus-Video-Brille
19.07.2017 | UniversitätsSpital Zürich

nachricht Kunstherz auf dem Prüfstand
13.07.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten