Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zum Operationssaal der Zukunft

14.09.2012
Rund 240.000 Euro für die Augsburger Forschungsstelle für Medizinprodukterecht (FMPR) im Rahmen des BMBF-geförderten Kooperationsprojekts OR.BIT

Um die Auslotung des Problems der "Systemgrenzen" im Spannungsfeld zwischen medizinprodukterechtlichen Vorgaben einerseits und technischen Anforderungen der IT-Integration andererseits geht es bei einem Augsburger Teilprojekt des Forschungsvorhabens "Operationsraum der Zukunft durch bedarfsgerechte dynamisch vernetzbare IT" (OR.BIT).

Von den 15 Millionen Euro, mit denen das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) OR.BIT drei Jahre lang im Rahmen des Programms "IKT 2020 - Forschung für Innovationen" fördert, entfallen auf das von Prof. Dr. Ulrich Gassner, dem Direktor der an der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg angesiedelten Forschungsstelle für Medizinprodukterecht (FMPR), bearbeitete Augsburger Teilprojekt knapp 240.000 Euro.

An dem interdisziplinären Forschungsvorhaben OR.BIT, das von Prof. Dr. med. Björn Bergh (Direktor des Zentrums für Informations- und Medizintechnik, Universität Heidelberg), Prof. Dr. rer. nat. Tim C. Lüth (Lehrstuhl für Mikrotechnik und Medizingerätetechnik, Technische Universität München) und Prof. Dr.-Ing. Klaus Radermacher (Lehrstuhl für Medizintechnik im Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik der RWTH Aachen) initiiert wurde und koordiniert wird, sind deutschlandweit mehr als 50 Partner aus Wissenschaft und Praxis beteiligt.

Ziel von OR.BIT ist die sichere dynamische Vernetzung medizintechnischer Geräte verschiedener Hersteller im OP auf der Grundlage offener Schnittstellen. Basierend auf den Vorarbeiten der Projektpartner sollen diese Technologien im Hinblick auf die Funktionalität und die Zertifizierbarkeit einer solchen Architektur weiterentwickelt werden. Weiterhin sollen für die im Operationssaal vernetzten Medizinprodukte neue Zertifizierungsstrategien und Konzepte zur Validierung der verschiedenen Softwareschnittstellen und Betreibermodelle für die praktische Umsetzung in der Klinik entwickelt werden.

Medizintechnik und Informationstechnologie im Operationssaal

"Auch im Health-Care-Sektor spielen die modernen Formen der Informationstechnologie eine immer größere Rolle", erläutert Professor Gassner. Die Vernetzung von Medizinprodukten in Operationssälen berge ein riesiges Potential für bessere und schnellere Ergebnisse. Künftig solle deshalb ein Chirurg beispielsweise auf eine Kombination von Daten mehrerer Diagnosegeräte zugreifen und flexibel einzelne dieser Daten austauschen bzw. weitere hinzuschalten können. Letztlich gehe es bei OR.BIT also darum, auf Software- und auf Hardware-Ebene entsprechende Konzepte der Vernetzung zu entwickeln und Grundlagen für spätere Standards zu schaffen.

Anpassung des Rechtsrahmens für Medizinprodukte

"Die Vernetzung von Geräten unterschiedlicher Hersteller", gibt Gassner zu bedenken, "birgt jedoch spezifische Risiken für die Patienten. Vor diesem Hintergrund befassen wir uns an der FMPR innerhalb des Gesamtprojekts mit der Aufgabe, die 'Systemgrenzen' im Spannungsfeld zwischen den medizinprodukterechtlichen Vorgaben einerseits und den technischen Anforderungen der IT-Integration andererseits auszuloten.

Konkret werden wir untersuchen, ob und wenn ja, inwieweit die weltweit noch nicht abgeschlossene Regulierung von MedTech-Software sich oberhalb der Ebene von Industriestandards als ausreichend leistungsfähig erweist, um zweckmäßige Integrationslösungen modularen Charakters - etwa durch definierte Mikro-, Makrointegrationsprofile - abzubilden. Auf dieser Grundlage gilt es dann, typische Anschlussfragen rein rechtlicher Natur zu analysieren. Im Vordergrund steht dabei die Abgrenzung der Haftungssphären von Herstellern, von Zulieferern, von Anwendern (inkl. der Systemadministratoren) und von Betreibern, und dies namentlich unter dem Gesichtspunkt der IT-Sicherheit.

Weiterhin wird die datenschutzrechtrechtliche Compliance praxisgerechter Integrationslösungen zu prüfen sein. Und schließlich stellt sich der FMPR dann die Aufgabe, zusammen mit den Projektpartnern Initiativen und Lösungsvorschläge für eine Anpassung des Rechtsrahmens für Medizinprodukte zu entwickeln, um eine optimale Integration der vielfältigen normativen Vorgaben für die im Operationssaal vernetzten Geräte zu erreichen."

Beitrag zur Profilbildung im Strategiefeld "Gesundheit" und im "Bio-, Medizin- und Gesundheitsrecht"

Es erfülle ihn mit Genugtuung, erklärt Gassner, dass seine jahrelangen Bemühungen um eine bundesweite interdisziplinäre Vernetzung und um eine praxisorientierte Rechtswissenschaft im OR.BIT-Kontext nun begännen, Früchte zu tragen. Darüber hinaus freue es ihn, dass durch die Beteiligung der FMPR an diesem hochkarätigen BMBF-Projekt das Profil der Universität Augsburg im neuen zentralen Strategiefeld "Gesundheit" und das Profil der Juristischen Fakultät im Bereich des Bio-, Medizin- und Gesundheitsrechts weiter an Schärfe gewännen.

Kontakt und weitere Informationen:

Prof. Dr. Ulrich M. Gassner
Forschungsstelle für Medizinprodukterecht (FMPR)
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon +49(0)821-598-4590
ulrich.gassner@jura.uni-augsburg.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-augsburg.de
http://www.jura.uni-augsburg.de/de/forschung/fmpr/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Smartphones im Kampf gegen die Blindheit
18.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Mehr Patientensicherheit: Neue Testmethoden für die Eignung von Implantaten für MRT-Untersuchungen
11.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik