Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die verfeinerte tastende Hand des Arztes

11.09.2012
Krankes Gewebe ist weniger elastisch als gesundes. Was der Arzt großflächig und in gut zugänglichen Körperregionen mit der Hand ertastet, kann das neue Ultraschallverfahren für kleinste, schwer zugängliche Bereiche genau messen.
Das kürzlich gegründete Sonographiezentrum des Universitätsklinikums Ulm investierte als erste Einrichtung in Deutschland in diese Technologie: Das ACUSON S3000 der Fa. Siemens kann durch die Messung der Ausbreitungsgeschwindigkeit bestimmter Wellen nicht nur Größenordnungen, sondern auch Zahlenwerte für die Elastizität von Gewebe liefern. So können Ärzte Erkrankungen besser erkennen und müssen seltener Gewebeproben entnehmen oder operieren.

„Als Ärzte und Wissenschaftler suchen wir immer neue Wege, um unsere Diagnosen noch früher, genauer und schonender stellen zu können. Eine exakte Messung der Gewebeelastizität mit einem Zahlenwert gibt uns einen neuen präzisen Ansatzpunkt für unsere Diagnostik, sozusagen die verfeinerte tastende Hand des Arztes“, erläutert Prof. Dr. Hans-Jürgen Brambs, Sprecher des Sonographiezentrums und Ärztlicher Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie.

Gemessen wird die Elastizität durch einen kurzen akustischen Druckimpuls. Dieser erzeugt Wellen, die sich im Gewebe ausbreiten, ähnlich wie Wellen, die entstehen, wenn ein Stein ins Wasser fällt. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit dieser so genannten Scherwellen wird gemessen, in steifen Geweben ist sie höher als in elastischen. Entwickelt wurde dieses Verfahren von der Firma Siemens. Der Druckimpuls für die Feststellung der Elastizität wurde in älteren Geräten durch eine Bewegung des Arztes mit dem Schallkopf gegeben. „Dies war in der Präzision und damit Aussagekraft nicht ausreichend“, so Professor Brambs.
Für den Patienten verläuft die Untersuchung wie eine ganz normale Ultraschalluntersuchung ohne Strahlenbelastung.

Ärzte können nun verdächtige Stellen beispielsweise in der Schilddrüse oder in der weiblichen Brust auch in winzigen Ausschnitten genauer untersuchen. „Der Grad der Elastizität hilft uns zu erkennen, ob und wie stark ein Organ krankhaft verändert ist“, erläutert Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I. „Auch für Erkrankungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen kann die neue Technologie ein wichtiger Baustein für eine frühere und präzisere Diagnostik sein. Das bedeutet für unsere Patienten im Idealfall, dass wir seltener Gewebeproben entnehmen oder operieren müssen.“

Das von Internisten und Radiologen gemeinsam geführte Sonographiezentrum des Universitätsklinikums Ulm, eines der deutschlandweit größten, leistet mit der bundesweit ersten Installation dieses Gerätetyps Pionierarbeit. „Wir wollen die Aussagen, die sich für verschiedene Krankheitsbilder – von Krebs bis zu Hauterkrankungen – aus der Gewebeelastizität gewinnen lassen, wissenschaftlich auswerten“, erläutert Zentrumsleiter Prof. Dr. Wolfgang Kratzer von der Klinik für Innere Medizin I. Sein Stellvertreter Dr. Tilmann Gräter von der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie ergänzt: „Unser Ziel ist es, Bewertungsstandards für die Diagnostik mit dem neuen Verfahren zu entwickeln.“

Gerne vermitteln wir Ihnen Gesprächspartner. Nehmen Sie bitte Kontakt zu Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Universitätsklinikum Ulm, unter der Rufnummer 0731 500-43043 auf.

Jörg Portius | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP
17.08.2017 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Cochlea-Implantat: Viele Formen funktionieren
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie