Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

VDE präsentiert Innovationsreport zu personalisierter Medizintechnik

30.01.2012
- Verbesserte Patientenversorgung dank individueller Ansätze
- Analyse entsprechender Potenziale in der Medizintechnik
- Biomarker, Bioimplantate, Patientenmodelle und Theranostik im OP

Trotz gleicher Diagnose reagieren Patienten oft ganz unterschiedlich auf identische Therapieansätze. Der individuelle Organismus der Kranken rückt deshalb bei der Wahl optimaler Behandlungsmethoden immer mehr ins Zentrum. Welche Chancen die personalisierte Medizin im technischen Bereich bietet und welche Herausforderungen es hier noch zu meistern gilt, zeigt der VDE-Innovationsreport “Personalisierte Medizintechnik“.

Experten der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE beleuchten in dem Kompendium die Themen Biomarker, Bioimplantate, computergestützte Patientenmodelle und Theranostik im OP aus klinischer sowie technologischer Sicht und analysieren verschiedene Entwicklungspotenziale. Um diese für den Medizintechnik-Standort Deutschland wichtigen Ansätze vorantreiben zu können, ist aber neben der Optimierung der Technik auch eine breitere Forschungsförderung der betroffenen Bereiche unabdingbar, so die Autoren des Innovationsreports.

Mehr Lebensqualität und Kosteneffizienz durch Biomarker
Biomarker sind Strukturen oder Moleküle, die Ärzten Informationen über biologische oder krankheitsbedingte Vorgänge im Körper ihrer Patienten geben können. Zur Beurteilung des Krankheitszustands eines Patienten oder zum Nachweis von Virusinfektionen werden die Marker bereits heute eingesetzt. Ganz anders verhält es sich bei der Prognose hinsichtlich der Reaktion der Patienten auf bestimmte Medikamente oder Behandlungsformen. Dabei hat man in der Onkologie und Virologie die Erfahrung gemacht, dass mit der Ansprechrate auch die Lebensqualität der Patienten steigt und durch den Einsatz prädiktiver und prognostischer Biomarker Kosten gesenkt werden. Mithilfe neuer Technologien gilt es laut Innovationsreport jetzt, grundlegende molekulare Zusammenhänge im Körper zu analysieren und zu verstehen. In Zukunft müssen neue Biomarker identifiziert und die Klassifikation von Patienten in sogenannte Kohorten, die unterschiedlich auf verschiedene Therapieformen anspringen, vorangetrieben werden. Der Wunsch, Biomarker schnell zu nutzen, werde die Bedeutung des sogenannten Point-of-Care-Testing (POCT), also von Testverfahren, die nicht in Zentrallaboren, sondern in der Nähe des Patienten durchgeführt werden können, stärken.

Bioimplantate - Schnittstelle zwischen Biologie und Technik
Unfälle, Missbildungen und Krankheiten können dazu führen, dass Patienten neues Gewebe oder neue Organe benötigen. Die steigende Lebenserwartung sorgt dafür, dass der entsprechende Bedarf kontinuierlich wächst. Gegenüber rein technischen Implantaten zeichnen sich Lösungen mit biologischen Komponenten durch eine größere Infektresistenz und eine höhere Akzeptanz durch das Immunsystem aus. Das gilt sowohl für technisch-biologische Kombinationslösungen als auch für rein biologische Implantate, die entweder injiziert oder außerhalb des Körpers gezüchtet werden. Während einfache Knorpel- und kleine Knochenimplantate bereits klinisch angewendet werden, muss im Bereich der komplexeren Organe noch geforscht werden. Der Innovationsreport konzentriert sich auf drei Ansätze zur Entwicklung einer kapillaren Netzwerkstruktur, die hierfür benötigt wird. Weitere Potenziale für die Industrie identifizieren die Autoren im Bereich der Entwicklung nicht-destruktiver Methoden der Qualitätskontrolle, bei der Automatisierung von bisher manuell durchgeführten Prozessen und im logistischen Bereich.

Therapiesimulation mit computergestützten Patientenmodellen
Dank modernster IT-Technik ist es heute möglich, Organe eines bestimmten Patienten anhand verschiedener Daten zu beschreiben und realitätsnah am Computer abzubilden. In diese Simulation kann eine Vielzahl von Daten, wie etwa Bilder, Blutwerte oder EKG-Daten einfließen. Außer rein geometrischen Modellen können so auch deren Veränderungen im Laufe der Zeit dargestellt oder funktionelle Größen wie eine Kontraktion berücksichtigt werden.
Es ist möglich, solche Patientenmodelle zur Überprüfung einer hypothetischen Diagnose einzusetzen, indem der Computer berechnet, ob und inwieweit diese mit allen hinterlegten Patientendaten vereinbar ist. Mithilfe von Daten aus empirischen Patientenstudien lassen sich anhand der Simulationen auch Aussagen über die Wahrscheinlichkeit des weiteren Krankheitsverlaufs und über die möglichen Auswirkungen eines Therapieansatzes treffen. In die Berechnung können auch grundlegende Gesetzmäßigkeiten aus Physiologie, Physik und Chemie einfließen. Darüber hinaus sehen die Autoren die Möglichkeit, dass Computermodelle künftig helfen, Forschungsdesigns für Patientenstudien anzulegen, um den Informationsgewinn zu maximieren.

Kreislauf aus Therapie und Diagnostik: Theranostik im OP
Neue Geräte halten heutzutage schnell Einzug in die Operationssäle. Im Hinblick auf innovative Technologien schwinden die Berührungsängste. Ziel der Theranostik, also der technologiegestützten Verschmelzung von Therapie und Diagnostik, ist es, die richtige Therapie für den richtigen Patienten zur richtigen Zeit zu ermitteln. Sie eröffnet auch bei chirurgischen Eingriffen die Möglichkeit zur Anpassung an die individuelle Anatomie eines Patienten. Realisiert wird dies durch einen geschlossenen Kreislauf (Closed Loop System) aus technikgenerierten diagnostischen Informationen wie Bildern oder Messwerten und auf diesen Erhebungen basierenden Reaktionen der beteiligten Ärzte. Um dieses Verfahren künftig zu optimieren, müssen die Geräte verschiedener Hersteller laut dem aktuellen Innovationsreport nicht nur so miteinander vernetzt werden, dass sie reibungslos Daten austauschen können. Darüber hinaus ist es essentiell, dass die gesammelten Bilder und Daten so aufbereitet werden, dass sie für die Ärzte kognitiv schnell und ganzheitlich zu verarbeiten sind. Auf diesem Weg ließe sich die Akzeptanz entsprechender Lösungen steigern, so die Autoren.

Für die Redaktion: Der VDE-Innovationsreport „Personalisierte Medizintechnik“, wurde von Experten der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE erstellt. Sie erhalten ihn kostenlos im Internet unter www.vde.com/dgbmt.

Pressekontakt: Melanie Mora.: Tel. 069 6308-461, E-Mail: melanie.mora@vde.com

Melanie Mora | VDE
Weitere Informationen:
http://www.vde.com/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Wachkoma: System soll Patienten helfen, sich zu verständigen
24.05.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Premiere einer verblüffenden Technik
23.05.2017 | Deutsches Herzzentrum Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten