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Ultraschall statt Stich in die Leber: Elastografie ersetzt Gewebeproben

23.03.2015

Um den Krankheitsverlauf einer Lebererkrankung zu beurteilen, müssen Ärzte feststellen, wieviel des Lebergewebes zu Bindegewebe umgebaut wurde. Bislang geschah dies mittels Leberpunktion – eine für den Patienten unangenehme Methode, die in seltenen Fällen zu gefährlichen Blutungen führen kann. Eine Ultraschalluntersuchung, welche die Festigkeit der Leber misst, kann die Gewebeentnahmen oft ersetzen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) mit. Wie und wann die sogenannte Elastografie zum Einsatz kommt, erklären Experten der Fachgesellschaft auf einer Pressekonferenz am 14. April 2015 in Berlin.

Eine Million Menschen in Deutschland leiden an einer Lebererkrankung wie Fettleber oder Hepatitis. Ohne Behandlung droht ihnen eine Leberzirrhose oder -krebs. Die kranke Leber vernarbt, festes Bindegewebe ersetzt zunehmend das gesunde, weiche Lebergewebe. Dieser Prozess namens Leberfibrose liefert Ärzten entscheidende Anhaltspunkte, um das Krankheitsstadium und auch die Auswahl einer Therapie zu bestimmen.

„Bislang galt die Leberpunktion als Goldstandard, um das Fortschreiten einer Lebererkrankung zu beurteilen“, sagt Professor Dr. med. Mireen Friedrich-Rust, Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie. Dabei sticht der Arzt mit einer Hohlnadel durch die Bauchdecke in die Leber und entnimmt Gewebe, um es unter dem Mikroskop zu untersuchen.

„Zahlreiche Studien haben aber gezeigt, dass die Ultraschall-Elastografie den Krankheitsverlauf ebenso gut beurteilen kann, wie eine Gewebeuntersuchung und auch bei der Diagnose der Leberfibrose verlässlich ist“, so Friedrich-Rust. Europäische Leitlinien zur Lebererkrankung chronische Hepatitis C empfehlen eine Elastografie zur Beurteilung des Leberfibrosestadiums und zur Überwachung bei nicht erfolgreich behandelten Patienten. Nur vereinzelt müsse der Arzt noch Gewebeproben nehmen – um die Diagnose zu sichern und abzuklären, ob es sich um einen Tumor handelt.

Die Elastografie entlastet Patienten, denn die Punktion ist unangenehm und auch nicht ohne Risiko. In seltenen Fällen kann es zu lebensbedrohlichen Blutungen oder Verletzungen anderer Organe kommen, wie zum Beispiel der Gallenblase. Eine Elastografieuntersuchung ist dagegen völlig schmerzfrei, dauert nur fünf bis zehn Minuten und ist jederzeit wiederholbar.

„Ein entscheidender Vorteil der Elastografie ist auch, dass wir mit ihr einen etwa 100-fach größeren Abschnitt der Leber erfassen können und neben der Elastografie auch eine normale Ultraschalluntersuchung der Leber mit ein und demselben Gerät durchführen können“, so Friedrich-Rust. „Da wir mit einer Punktion nur einen kleinen Teil untersuchen, ist das Ergebnis nicht immer repräsentativ für den Gesamtzustand der Leber“, erklärt die Oberärztin vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main.

Bei der Untersuchung legt der Arzt den Ultraschallkopf auf den Bauch der Patienten. Das Gerät sendet Ultraschallwellen ins Lebergewebe. Je mehr das Gewebe bereits verhärtet ist, umso schneller breiten sich die Wellen aus. Dieser Wert gibt Aufschluss über das Krankheitsstadium und bei Verlaufsuntersuchungen auch über den Krankheitsverlauf. Inzwischen haben viele Hersteller die Elastografie als Funktion in ihre Ultraschallgeräte eingebaut. Wie sie funktioniert und wer davon profitiert, berichten Experten am 14. April auf einer Pressekonferenz der DEGUM.

Die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint mehr als 9 000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: http://www.degum.de


DEGUM Pressekonferenz
Schlechtes Bauchgefühl?
Ultraschall spürt Erkrankungen von Magen, Darm & Co. sanft und sicher auf

Termin: Dienstag, den 14. April 2015, 14.00 bis 15.00 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 2
Anschrift: Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin

Vorläufige Themen und Referenten:

Häufig übersehen: Gallengangsteine bedrohen Bauchspeicheldrüse und Leber
Professor Dr. med. Dirk Becker, Präsident der DEGUM, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus Agatharied München, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Internistische Intensivmedizin, DEGUM-Kursleiter (Stufe III)

Hepatitis schonend und zuverlässig überwachen:
Macht Ultraschall-Elastografie Gewebeproben aus der Leber überflüssig?
Professor Dr. med. Mireen Friedrich-Rust, Oberärztin der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie, DEGUM-Kursleiterin (Stufe II)

Bauchschmerzen auch bei Kindern nicht immer harmlos: Ultraschall klärt, was dahinter steckt
Professor Dr. med. Michael Melter, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Regensburg, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kindergastroenterologe, DEGUM-Kursleiter (Stufe III)

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen erkennen und überwachen: Ultraschall ergänzt Darmspiegelung
Professor Dr. med. Deike Strobel, Stellvertretende Leiterin der DEGUM-Sektion Innere Medizin, Oberärztin der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Erlangen, Fachärztin für Innere Medizin. Leitung der Ultraschallabteilung und Ultraschallschule. DEGUM-Kursleiterin (Stufe III)

Blinddarmentzündung treffsicher feststellen, bevor der Notfall eintritt: welche Methode ist am zuverlässigsten?
Professor Dr. med. Dirk Becker und Professor Dr. med. Michael Melter

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann/Lisa Ströhlein
Postfach 30 11 20 | 70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-459/-552
Fax. 0711 89 31 167
stroehlein@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.degum.de

Anna Julia Voormann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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