Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ultraschall erkennt frühe Mammakarzinome: Brustkrebsdiagnostik besser als durch Tasten und Röntgen alleine

19.08.2010
Etwa 57.000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an Brustkrebs. Je eher der Tumor entdeckt wird, desto größer ist die Aussicht auf Heilung.

Mehrere Studien zeigen, dass eine Ultraschalluntersuchung Brustkrebs oft entdeckt, wenn der Tumor noch nicht tastbar und häufig auch im Röntgenbild noch nicht sichtbar ist. Dies trifft besonders häufig bei Frauen mit dichtem Brustgewebe zu. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) befürwortet deshalb den vestärkten Einsatz der Sonografie in der Brustkrebsfrüherkennung.

Die DEGUM betont zudem, dass eine erfolgreiche Früherkennung diagnostische Geräte auf aktuellem technischem Stand voraussetzt und ein hohes Ausbildungsniveau der untersuchenden Ärzte.

Brustkrebsfrüherkennung durch Ultraschall gehört zu den individuellen Gesundheitsleistungen („IGEL”), die nicht von den Krankenkassen erstattet werden. Sie wird deshalb von Kritikern als unnötig eingestuft. Zu Unrecht, wie Professor Dr. med. Helmut Madjar, Fachbereichsleiter Gynäkologie von der Deutschen Klinik für Diagnostik (DKD) in Wiesbaden berichtet: „Bei jeder fünften Frau, die wir wegen eines Mammakarzinoms operieren, haben niedergelassene Frauenärzte den Tumor primär bei einer Ultraschall-Untersuchung entdeckt.”

Im Jahr 2007 waren dies 21 von 86 operierten Mammkarzinomen, und acht von 41 gutartigen Tumoren. Dies entspricht einer Steigerung der Krebserkennung um 24 Prozent ausschließlich durch den Ultraschall. Die Zahl der Fehlalarme, also der falsch-positiven Befunde, sei darüber hinaus geringer als von den Leitlinien gefordert.

Die beim IGEL-Ultraschall entdeckten Krebserkrankungen befanden sich fast alle in einem frühen Stadium mit besten Heilungschancen. Professor Madjar erläutert: „Keiner der Tumore war tastbar. Die meisten waren auch auf einer nachträglich durchgeführten Mammografie nicht erkennbar.” Für den Experten steht deshalb fest, dass die regelmäßige systematische Ultraschalluntersuchung die Brustkrebsfrüherkennung wesentlich verbessern könnte. Professor Madjar rät vor allem jüngeren Frauen zur Ultraschallfrüherkennung. Vor den Wechseljahren habe die Brustdrüse oft eine hohe Gewebedichte, die die Tumorerkennung in der Mammografie erschwere. Aber auch nach den Wechseljahren ist die Brustdrüse vor allem bei Frauen unter hormoneller Therapie in 30 Prozent dicht und mammografisch schwer diagnostizierbar. Dies wurde in den letzten Jahren auch in zahlreichen Diagnostikstudien gezeigt.

Erfolgreich sei die Früherkennung jedoch nur, wenn die Ärzte über moderne Ultraschall-Geräte und über ausreichende Erfahrung in der Ultraschalluntersuchung verfügen. Professor Dr. med. Eberhard Merz, Vizepräsident der DEGUM, Direktor der Frauenklinik am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main und Herausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift „Ultraschall in der Medizin“ betont: „Wichtig ist neben einer fundierten Grundausbildung eine ständige Weiterbildung.” Die DEGUM bietet daher eine dreistufiges zertifiziertes Qualifikationskonzept für sonografierende Ärzte aller Fächer an. „Denn es ist unser Ziel, dass Patienten stets eine hochwertige Ultraschall-Diagnostik erhalten“, so Professor Merz.

Quelle:
1) H. Madjar, S. Becker, K. Doubek, T. Horchler, M. Mendoza, C. Moisidis-Tesch, B. Näther, K. Niebling, U. Pröls, A.-R. Schardt, S. Ulrich, U. Zahn
Bedeutung der Mammasonografie für die Brustkrebsfrüherkennung in der gynäkologischen Praxis

Ultraschall in der Medizin 2010; 31: 289 – 295

2) H. Madjar
Role of Breast Ultrasound fort he Detection and Differentiation of Breast Lesions.

Breast Care 2010; 5: 109-114

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Julia Hommrich
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-423
Fax: 0711 8931-167
hommrich@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.degum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht UKR setzt auf roboterassistierte Wirbelsäulenchirurgie
02.12.2016 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neu entwickeltes Plasmaskalpell ermöglicht schonende Operationen
22.11.2016 | FH Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie