Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UKM führt erfolgreich minimal-invasive Lungentransplantation durch

25.02.2010
Thoraxchirurg PD Karsten Wiebe: "Verfahren ist deutlich schonender" / Patient Jörg Bergelt tritt sieben Wochen nach OP Reha-Maßnahme an

Jörg Bergelt lächelt zuversichtlich: "Mit 50 Jahren kann man sich doch nicht hängen lassen, dafür bin ich einfach zu jung. Und jetzt kommt der nächste große Schritt."

Der nächste große Schritt, das ist für den Mann aus Ascheberg-Davensberg seine Reha-Maßnahme in Süddeutschland. Einen anderen großen Schritt hat er am 6. Januar bereits gemacht: An diesem Tag wurde ihm im Universitätsklinikum Münster (UKM) eine neue Lunge transplantiert.

Seit sieben Wochen lebt er nun mit der neuen Lunge und wird seitdem am UKM in der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie behandelt. Es ist bereits die sechste Lunge, die Privat-Dozent Dr. Karsten Wiebe seit seinem Dienstantritt am UKM vor neun Monaten am UKM transplantiert hat. Zum Vergleich: In NRW werden pro Jahr ca. 25 Lungen transplantiert. In Deutschland sind es jährlich rund 270 Lungen.

Schon seit vielen Jahren litt Jörg Bergelt an Lungenfibrose, einer Erkrankung des Lungengewebes. Im Krankheitsverlauf kommt es zur Vernarbung des Gewebes, die Lunge "versteift". Dadurch wird die Fähigkeit zum Gasaustausch vermindert. Der Sauerstoff gelangt nicht mehr in ausreichender Menge in die Blutgefäße, was einen Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut bewirkt. Die Lunge verliert an Dehnbarkeit, womit das Atmen immer schwerer fällt. Viele Jahre konnten Jörg Bergelt und seine Ärzte die Krankheit mit Medikamenten unter Kontrolle halten. Noch bis September 2009 arbeitete der heute 50-Jährige: Er war als Servicetechniker weltweit im Einsatz. Dann verschlimmerte sich sein Zustand, er musste ins Krankenhaus.

Kurz vor Weihnachten kam er erneut in das St. Franziskus-Hospital in Münster, wurde dort intensivmedizinisch behandelt. Die Ärzte (Oberarzt Dr. Arne Wichmann) nahmen direkt mit dem UKM Kontakt auf. Jörg Bergelt wurde an Eurotransplant gemeldet als "high urgent", also besonders dringend. "Die Zusammenarbeit zwischen dem UKM und dem St. Franziskus-Hospital verlief hervorragend: Gemeinsam wurden die Unterlagen eingereicht, die nötig waren", blickt UKM-Lungenexperte Wiebe auf die Zeit um Weihnachten zurück. Dann das bange Warten: Denn auch bei besonders dringlichen Fällen kann es bis zu sechs Wochen dauern, bis ein geeignetes Spenderorgan eintrifft. Jörg Bergelt wurde inzwischen künstlich beatmet und ins UKM verlegt: Mit einem so genannten "extrakorporalen Lungenunterstützungssystem" musste dort seine Atmung zusätzlich unterstützt werden.

Transplantation am 6. Januar

Am 6. Januar dann die erlösende Nachricht: Es gibt eine Spenderlunge. Allerdings "passte" diese nicht zu 100 Prozent: Sie war etwas zu groß. Trotzdem akzeptierten die UKM-Mediziner diese Lunge: Während der rund sechsstündigen Operation verkleinerte Thoraxchirurg Wiebe das lebensrettende Spenderorgan. Auf der einen Seite wurde sogar nur einer der beiden Lungenlappen implantiert. Für den Eingriff wählten die UKM-Mediziner um Dr. Wiebe ein relativ junges Verfahren: eine minimal-invasive Operationstechnik. So wurde der Brustkorb nicht großflächig mit einem Querschnitt geöffnet. Stattdessen setzten die Mediziner auf jeder Brustseite einen ca. zehn Zentimeter langen Schnitt. "Dieses Verfahren ist deutlich schonender und es beschleunigt den Rehabilitationsprozess erheblich. Aufgrund der geringeren Wundfläche leiden die Patienten auch an weniger postoperativen Schmerzen und der Aufenthalt auf der Intensivstation kann verkürzt werden", weist Dr. Wiebe auf die Vorteile hin. Zudem betont er: "Bei einem solchen Eingriff müssen Chirurgen, Intensivmediziner, Anästhesisten und die Pflege optimal zusammenarbeiten. Dafür haben wir am UKM die entsprechenden Strukturen, um auch solche neue Verfahren erfolgreich durchzuführen."

In den ersten Wochen nach der Transplantation musste Jörg Bergelt u.a. langsam wieder das eigene Atmen trainieren. Aktuell sind seine Beinmuskeln noch vom mehrmonatigen Krankenhausaufenthalt und dem schweren Krankheitsverlauf geschwächt. Genau daran wird er nun während der Reha-Maßnahme arbeiten: Für ihn ist es der nächste große Schritt mit seiner neuen Lunge.

Simone Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Highspeed-Laser erkennt Krebs in zwei Minuten
25.04.2017 | University of Hong Kong

nachricht Pharmacoscopy: Mikroskopie der nächsten Generation
25.04.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie