Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UKL-Experten setzen Nähte mittels Endoskop

27.06.2016

Neue Technik ermöglicht Eingriffe ganz ohne Bauchschnitte

Einsatz erfolgt vor allem bei Adipositas-Patienten 

Mit Hilfe eines neuen Geräts können am Universitätsklinikum Leipzig Eingriffe am Verdauungstrakt jetzt ganz ohne Schnitte erfolgen: Die Fachexperten in der Endoskopie verbinden mit Hilfe eines speziellen Instruments eine Magen- oder Darmspiegelung mit dem Setzen einer chirurgischen Naht von innen.


Prof. Albrecht Hoffmeister zeigt das neue Gerät.

Stefan Straube/UKL

Dieses extrem schonende Verfahren ermöglicht operative Eingriffe auch in schwierigen Fällen. Derzeit eingesetzt wird es am UKL vom Team um Prof. Albrecht Hoffmeister in einem interdisziplinären Therapiekonzept nach früheren adipositaschirurgischen Eingriffen. Das Universitätsklinikum Leipzig ist damit eine von nur sehr wenigen Kliniken in ganz Deutschland, die dieses Verfahren in der Adipositas-Behandlung anwendet.

Das neue Verfahren kommt insbesondere bei einer endoskopischen Verkleinerung eines Magenbypasses zum Einsatz. Der Eingriff kann angewendet werden, wenn sich einige Jahre nach der erfolgreichen Anlage eines operativen Magenbypasses der auf wenige Zentimeter verkleinerte Durchgang zwischen Restmagen und Darm wieder dehnt. Diese Weitung führt dazu, dass die Patienten wieder an Gewicht gewinnen. Um dies zu unterbinden, kann die Verbindung zwischen Restmagen und Dünndarm wieder auf maximal einen Zentimeter verkleinert werden. Dieser Eingriff erfolgte bislang durch eine weitere Operation.

„Mit dem endoskopischen Nahtverfahren können wir ohne Schnitte und damit ohne neue Narben den Durchgang vernähen“, erklärt Prof. Albrecht Hoffmeister, Leiter der interdisziplinären Endoskopie am Universitätsklinikum Leipzig. Der Eingriff dauert maximal eine Stunde, nach drei Tagen verlassen die Patienten das Krankenhaus mit unverletzter Bauchdecke und ohne Schmerzen. Denn das Instrument wird über eine Magenspiegelung eingeführt.

„Für uns in der Endoskopie kommt diese Technik einer kleinen Revolution gleich“, erklärt Prof. Hoffmeister. „Dadurch können wir eine Spiegelung direkt mit einer chirurgischen Therapie verbinden“. Dass dabei die Grenzen zwischen Chirurgie und Innerer Medizin verschwimmen, sei ganz im Interesse der Patienten. „Unser Ziel ist es, fächerübergreifend so schonend wie nur möglich bei maximaler Wirksamkeit zu behandeln - das gelingt mit dieser Technik auf sehr elegante Art“, so Hoffmeister.

Bereits 15 Patienten wurden auf diese Weise in den letzten Monaten erfolgreich behandelt, in enger interdisziplinärer Kooperation mit den bariatrischen Chirurgen und den Adipositas-Experten in der Endokrinologie. „Als Adipositas-Zentrum möchten wir unseren Patienten die bestmögliche Therapie anbieten, auch und gerade im Bereich der Chirurgie“, erklärt Prof. Arne Dietrich, Leiter des Bereichs bariatrische Chirurgie.

„Diese neue endoskopische Technik ergänzt sehr gut unsere bisherigen Operationsmöglichkeiten.“ Prof. Matthias Blüher, der in der Adipositas-Ambulanz die Behandlung koordiniert, ist ebenfalls angetan von den erweiterten Behandlungsoptionen. „Ein chirurgischer Eingriff zur Behandlung des Übergewichts oder metabolischer Erkrankungen ist eine häufig zu empfehlende Therapieoption, wenn konservative Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft oder aussichtslos sind“, erklärt Blüher. „Es ist erfreulich, dass wir jetzt auch diese nichtoperative Therapieoption haben.“


Prof. Albrecht Hoffmeister sieht neben der Adipositas-Therapie noch weitere Einsatzgebiete für das neue Verfahren - gerade im sehr empfindlichen Magen- und Darmbereich könnten so beispielweise nach großen Operationen auftretende undichte Darm-Nähte schnell und schonend verschlossen werden.

Helena Reinhardt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Chirurgie Darmspiegelung Endoskop Endoskopie Therapieoption

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Premiere einer verblüffenden Technik
23.05.2017 | Deutsches Herzzentrum Berlin

nachricht Radioembolisation: Beim Leberkrebs mehr als nur eine Alternative!
22.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie