Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Tumor zerstören, gesunde Organe schonen

17.03.2010
Neue Technologie ermöglicht eine hochpräzise und schnellere Bestrahlung: Die Ulmer Universitätsklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie stellte heute (17. März 2010) ein Bestrahlungsverfahren vor, das ermöglicht, bestimmte Tumorarten hochpräzise dreidimensional mit hohen Dosen zu bestrahlen und gleichzeitig umgebende Organe zu schonen. Die RapidArc-Technologie verkürzt zudem die Bestrahlungszeit, wodurch die Präzision der Behandlung noch weiter erhöht und der Patient zugleich entlastet werden. In der Region Ulm ist diese neue Technologie bisher einzigartig.

Der Strahlerkopf des Linearbeschleunigers rotiert in genau definierten Geschwindigkeiten um den liegenden Patienten, innerhalb von zwei Minuten bestrahlt er z. B. die an Krebs erkrankte Prostata aus 360 Grad mit Dosierungen, die sich an der Form des Organs orientieren.

"Unser Ziel ist, den Tumor zu zerstören, umgebende Organe aber zu schonen. Bei Patienten mit Prostatakrebs haben wir durch das neue Verfahren zum Beispiel bessere Chancen, die Blase und den Enddarm zu schonen", erläutert Prof. Dr. Thomas Wiegel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, die Vorteile.

Ermöglicht wird dies durch ein hochkomplexes dreidimensionales System, das die sogenannte Intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) mit der Schnelligkeit eines rotierenden Bogens, des "RapidArc", kombiniert. Integriert ist zudem ein Computertomograph (CT), der die genaue Lage des Tumors ermittelt. Medizinphysikerin Dr. Katharina Mair hat die Einführung des Gerätes technisch koordiniert: "Während der Bestrahlung rotiert der Strahlerkopf um den Patienten, zugleich bewegen sich die im Strahlerkopf angeordneten Lamellen. Zusätzlich wird die Dosisleistung der Strahlung während der Therapie verändert. Diese Faktoren werden genau an Lage und Beschaffenheit des Tumors ausgerichtet und ermöglichen so die präzise Bestrahlung." Zudem kann man durch die Ausnutzung der vollen Umdrehung um den Patienten die Strahlung noch besser als bisher der genauen Form des Tumors anpassen. "Besonders geeignet ist das Verfahren für irregulär geformte Tumoren wie beispielsweise bei Prostatakrebs, hier wird es auch zunächst eingesetzt. Folgen soll die Behandlung von Kopf- und Halstumoren sowie von Hirntumoren", erklärt Professor Wiegel. Die kurze Bestrahlungszeit von rund zwei bis vier statt der bisher erforderlichen 10 bis 20 Minuten senkt die Gefahr, dass sich der Patient selbst oder das betroffene Organ während der Bestrahlung bewegt.

Für die Patienten bietet die geringere Bestrahlungsdauer Entlastung: "Die Bestrahlung beim Prostatakarzinom muss mit voller Blase erfolgen, die kürzere Bestrahlungszeit ist für unsere Patienten daher eine große Erleichterung", berichtet Stefanie Ziese, die stellvertretende Leitende MTRA (Medizinisch-technische Radiologieassistentin) aus ihrer Erfahrung. "Dass die bei anderen Verfahren notwendigen Pausen entfallen, bei denen der Strahlerkopf in die nächste Position fährt, macht für die Patienten zudem klar erkennbar, wann genau bestrahlt wird - bei vielen sinkt daher die Anspannung."

Ob das RapidArc-Verfahren für einen Patienten jeweils geeignet ist, entscheiden Ärzte im Gespräch mit den Patienten nach ausführlicher Diagnostik. In der Region Ulm ist die neue Technologie, in die das Klinikum rund 300.000 Euro investierte, bisher einzigartig.

Für Rückfragen steht ihnen gerne Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Universitätsklinikum Ulm, unter der Rufnummer 0731 500-43043 zur Verfügung.

Jörg Portius | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Gefäßprothesen aus dem Bioreaktor
19.02.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Neue Studienergebnisse zur Tiefenhyperthermie-Behandlung
15.02.2018 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Stahl ist nicht gleich Stahl: Informatiker und Materialforscher optimieren Werkstoffklassifizierung

19.02.2018 | Materialwissenschaften

Wenn Eiweiße einander die Hand geben

19.02.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics