Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TGM-Schüler erfinden Bioreaktor

10.10.2013
Schüler des Wiener TGM entwickeln einen neuen Bioreaktor, mit dem man Bänder für beschädigte Gelenke züchten kann. Wissenschaftler testen zurzeit, ob sich der Prototyp der jungen Kollegen in der Praxis bewährt.

Bioreaktoren dienen dazu, Zellen zu vermehren. In der Medizin will man sie in einigen Jahren dafür verwenden, um aus Stammzellen neue Bänder, Knorpel oder Muskeln wachsen zu lassen. Dazu muss der Bioreaktor das Zellgewebe auf eine ganz bestimmte Art bewegen. Zieht man etwa rhythmisch am Gewebe, dann wird es zu einem Band oder einer Sehne.


Schüler des Wiener TGM

Schülerinnen und Schüler des TGM, Wiens größter HTL, erfanden dafür eine neue Methode. Bisherige Versuchsreaktoren ziehen durch kleine Kolben oder Stangen am Stammzellen-Gewebe. Dadurch können sich jedoch Verunreinigungen einschleichen, weil sich mechanische Teile nicht luftdicht versiegeln lassen. Nach einer Idee des Boltzmann-Instituts bauten die Schüler ein Modell, das stattdessen mit Magneten arbeitet. Gewebe und Magnet werden gemeinsam in einen Glasbehälter eingeschlossen und durch Magnetkraft von außen bewegt. Der Behälter bleibt dicht, das Gewebe bleibt steril.

Stammzellen und Lego

"Der Erfindergeist der jungen Leute könnte zu einem medizinischen Gerät führen, mit dem man beschädigte Sehnen und Bänder nachzüchten kann", erklärt TGM-Direktor Karl Reischer. "Derzeit ist das noch Zukunftsmusik, aber in einigen Jahren wird man für einen Patienten gezielt neues Gewebe erzeugen können - vielleicht mit der Technologie unserer Schüler."

Die Schüler fertigten das Modell aus Lego-Bausteinen und Metall-Profilen an. Der erste Entwurf war eine Diplomarbeit in der Richtung Biomedizin- und Gesundheitstechnik. Der Ansatz wirkte so überzeugend, dass Wissenschaftler der Fachhochschule Technikum Wien die Erfindung ausführlich testeten.

Ihr Feedback übermittelten sie wieder ans TGM zurück, wo der nächste Jahrgang das Projekt neu aufgriff und weiterentwickelte. "Durch die enge Zusammenarbeit mit der FH Technikum Wien können wir das Modell immer wieder verbessern, neuerlich testen und weiter verbessern. So viele Testläufe sind in einem kommerziellen Umfeld gar nicht möglich", meint Josef Kollmitzer, Leiter des biomedizinischen Labors am TGM.

Richtung Serienreife

Inzwischen ist bereits die nächste Schülergeneration an der Arbeit und hat den Bioreaktor "parallelisiert": Er kann nun 24 Gewebeteile gleichzeitig wachsen lassen, das bringt große Vorteile in der Forschung, weil man dadurch verschiedene Varianten perfekt vergleichen kann. Dann ist wieder die Fachhochschule an der Reihe, sie nimmt Tests vor und treibt den Prototyp zur Serienreife voran. Letztendlich soll aus dem Lego-Modell ein echtes medizinisches Produkt werden.

An der FH Technikum Wien beschäftigen sich das Institut für Biochemical Engineering und das "Stadt Wien Kompetenzteam Tissue Engineering Bioreaktoren" mit dem neuen Prototyp. Wichtige wissenschaftliche Unterstützung kommt vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Traumatologie in Wien, speziell von seinem Leiter Heinz Redl, von dem die Idee mit den Magneten stammt. Aber auch außerhalb Österreichs stieß die Innovation auf Aufmerksamkeit, eine englische Forschungseinrichtung zeigt bereits Interesse.

TGM - Die Schule der Technik - ist mit rund 2.500 Schülern und 310 Lehrern die größte HTL Wiens und eine der ältesten Österreichs. Die Versuchsanstalt des TGM übernimmt Forschungsprojekte und Prüfaufgaben im Auftrag der Wirtschaft und arbeitet an innovativen Entwicklungen mit. Die Ausbildungen umfassen Elektronik und Technische Informatik, Elektrotechnik, IT, Maschinenbau, Wirtschaftsingenieur und Kunststofftechnik sowie - seit 2010 - die neue Richtung Biomedizin- und Gesundheitstechnik. Absolventen sind im Verband der Technologinnen und Technologen weltweit vernetzt.

Aussender: TGM
Ansprechpartner: WIDTER PR, Michael Widter
E-Mail: mwidter@widter.com
Tel.: +43 1 332 63 38-11

Michael Widter | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.tgm.ac.at

Weitere Berichte zu: Bioreaktor Gesundheitstechnik Gewebe TGM TGM-Schüler Tissue Engineering

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Einfacher Schieltest mit neu entwickelter Strabismus-Video-Brille
19.07.2017 | UniversitätsSpital Zürich

nachricht Kunstherz auf dem Prüfstand
13.07.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Assistenzsysteme für die Blechumformung

28.07.2017 | Maschinenbau

Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

28.07.2017 | Physik Astronomie

Satellitendaten für die Landwirtschaft

28.07.2017 | Informationstechnologie