Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Technik trifft Medizin: Wissenschafter der TU Graz entwickeln Simulationswerkzeug für Arterienerkrankungen

11.03.2009
Die Gesetze der Mechanik gelten auch im menschlichen Körper: Mit der Erforschung von Arterienaneurysmen, also krankhaften Erweiterungen von Blutgefäßen, beschäftigt sich ein Projekt des amerikanischen National Institute of Health (NIH), in dem die TU Graz eine entscheidende Rolle spielt.

Gemeinsam mit den Top-Universitäten Stanford, Pittsburgh und Texas A&M fiel Anfang März der Startschuss für das Forscherteam rund um Universitätsprofessor Gerhard A. Holzapfel vom Institut für Biomechanik.

Das Ziel: Die Entwicklung eines Simulationswerkzeugs für Arterien, das die Entstehung von Aneurysmen analysiert und möglichst genaue Vorhersagen für den Krankheitsverlauf ermöglicht.

Ein Ballon wird so lange mit Luft gefüllt, bis er platzt: So kann man sich die Gefahr eines Arterienaneurysmas vorstellen. "Weitet sich die Gefäßwand einer Arterie aus, kann sie ab einer gewissen Dehnung dem Druck des Blutes nicht mehr standhalten und reisst. Die Folge ist akute Lebensgefahr durch innere Verblutung", erklärt Holzapfel. Das auf vier Jahre angelegte, amerikanisch-österreichische Forschungsprojekt soll das erste Simulationswerkzeug für Arterien hervorbringen, das sowohl die Beschaffenheit der Gefäßwand, die Blutströmung, das Wachstum von Aneurysmen als auch die Remodellierung mit anatomisch realistischen Modellen integriert.

Simulationstool berücksichtigt alle Aspekte

Für die Behandlung von Arterienaneurysmen gilt bislang in der Regel die Faustregel, operative Eingriffe erst ab einem Arteriendurchmesser von etwa 5,5 Zentimetern durchzuführen. "Die Gefahr von solchen Gefäßweitungen hängt aber natürlich von vielen verschiedenen Faktoren ab", unterstreicht Holzapfel. Das Simulationstool soll unter Berücksichtigung aller biologischen, mechanischen und chemischen Faktoren patientenspezifisch feststellen, ob ein Versagen des Aneurysmas droht und ein operativer Eingriff notwendig ist. Die Forscher der TU Graz konzentrieren sich besonders auf die mechanische Belastbarkeit von gesunden und erkrankten Arterienwänden.

Open Source zur kostenlosen Verfügung

Der Clou an dem Simulationswerkzeug: Die Forscher bieten ihr "Endprodukt" kostenlos zur weltweiten Verwendung an. "Damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss, wollen wir eine Plattform schaffen, auf die jeder zugreifen und aufbauen kann", so Holzapfel. Das Open Source-Tool soll zum besseren Verständnis von Erkrankungen der Bauchaorta beitragen, in der Ausbildung von Medizinern eingesetzt werden und chirurgische Eingriffe virtuell simulierbar machen. Das gesamte Projekt wird über die vierjährige Laufzeit mit zwei Millionen US-Dollar unterstützt.

Rückfragen:
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Gerhard A. Holzapfel
Institut für Biomechanik
Email: holzapfel@tugraz.at
Tel: +43 (316) 873 - 1625

Alice Senarclens de Grancy | idw
Weitere Informationen:
http://www.tugraz.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neues DaVinci-OP-System: Universitätsmedizin Mainz erweitert Spektrum an robotergestützten OP´s
03.02.2017 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Deutschlandweit erste Installation: Kompakter Roboter assistiert bei MRT-geführter Prostatabiopsie
02.02.2017 | Universitätsklinikum Leipzig AöR

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie