Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit dem Strahlenskalpell gegen Knochen-Metastasen

23.08.2011
Gerade im Knochenbau des menschlichen Körpers sind Metastasen oft nur schwer operativ zu entfernen. Alternativen sind Chemo- oder Strahlentherapie. Eine besondere Form der Bestrahlung stellt die Cyberknife-Methode dar.

Mit so genannten Photonen, also Lichtteilchen, die in einem Linearbeschleuniger erzeugt werden, werden die Krebszellen beschossen. Die Dosis der Strahlung wird dabei so eingestellt, dass umliegendes Gewebe geschont und die volle Wirkung der Strahlung nur in den Krebszellen entfaltet wird. Die Photonen schädigen das Erbgut der Tumorzellen, die daraufhin absterben und über mehrere Wochen vom Körper abgebaut werden. Damit lassen sich selbst Metastasen behandeln, die an schwer zugänglichen Stellen im Skelettbau sitzen. Bei den nachfolgenden Kontrolluntersuchungen ist der Rückgang der Tumoren auf Computertomographie-Bildern deutlich sichtbar.


Patienten mit einem Prostatakarzinom haben ein hohes Risiko (65 %), dass sich Metastasen im Knochen entwickeln. Eine jüngst im Fachmagazin Urologic Oncology (doi:10.1016/j.urolonc.2011.02.023) veröffentlichte Studie des Europäischen Cyberknife-Zentrums in München-Großhadern gemeinsam mit Medizinern des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zeigt, dass Cyberknife eine geeignete Methode ist, Knochenmetastasen bei Prostatakrebs zu behandeln. Insbesondere dann, wenn nur wenige Absiedlungen des Haupttumors im Körper auftreten und diese nicht mehr als drei bis vier Zentimeter im Durchmesser aufweisen. Die im Rahmen der Studie behandelten Metastasen lagen im Kopfbereich, an der Wirbelsäule, im Becken und an den Rippenknochen.

Die Behandlung im Europäischen Cyberknife-Zentrum in München-Großhadern bietet durch die enge Kooperation mit dem LMU-Universitätsklinikum den Vorteil, dass Experten vieler Fachrichtungen an Diagnose und Therapie beteiligt werden. Auf diese Weise ist es möglich, auf die jeweils individuellen Besonderheiten eines Patienten einzugehen und daraufhin die geeignete Behandlung festzulegen. Hinzu kommt, dass durch vielfältige wissenschaftliche Studien am ECZM die Methodik laufend verbessert und verfeinert wird.

Mittlerweile sind im ECZM in München-Großhadern über 3.000 Patienten behandelt worden. Das Behandlungsspektrum erstreckt vom Akustikusneurinom, über Tumoren im Gehirn, an der Wirbelsäule, in Lunge, Leber und Niere sowie in den Knochenstrukturen. In der Regel findet eine einzelne, ambulante Behandlung statt, die rund eine Stunde beansprucht. Die Therapie ist schmerzfrei und eine Fixierung oder Narkose ist nicht notwendig, denn die Cyberknife-Technologie kann Bewegungen des Körpers, die zum Beispiel beim Atmen auftreten, durch entsprechende Rückkoppelung ausgleichen. Einen weiteren Schub erwarten sich die ärztlichen Leiter des ECZM, Prof. Berndt Wowra und Privatdozent Dr. Alexander Muacevic, von der Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten Cyberknife-Zentrum an der Charitè in Berlin.

Ansprechpartner:
PD Dr. Alexander Muacevic, Prof. Dr. Berndt Wowra
Europäisches Cyberknife Zentrum München-Großhadern
Max-Lebsche-Platz 31
81377 München
Tel: +49 (0)89 4523360
Fax: +49 (0)89 45233616
E-Mail: info@cyber-knife.net
Über das Europäische Cyberknife Zentrum München-Großhadern
Dieses erste Cyberknife Zentrum in Deutschland wurde am 1. Juli 2005 in Kooperation mit dem Klinikum der Universität München (LMU) eröffnet. Mit Hilfe einer bildgeführten Robotersteuerung kann hochpräzise eine Tumor zerstörende Strahlendosis auf ein genau definiertes Zielvolumen gerichtet werden, wobei die umliegenden, gesunden Strukturen geschont werden. Bei der Behandlung überschneiden sich schwache Strahlenbündel aus vielen verschiedenen Richtungen im Tumor, wo sie sich zur Gesamtdosis aufsummieren. Durch die Entwicklung der Cyberknife Technologie mit einer Kombination aus integrierter Bildführung und Robotersteuerung ist eine völlig neue, nicht-invasive Behandlungsmöglichkeit entstanden. Mittlerweile sind in München über 3.000 Patienten mit dieser schmerzfreien, ambulanten und in der Regel einmal anzuwendenden Methode behandelt worden. Im Bereich der Behandlungen von Patienten mit Erkrankungen des Gehirns liegen die Münchner Radiochirurgen weltweit an erster Stelle. Über alle Erkrankungsbereiche hinweg nehmen sie Rang 3 ein, bei insgesamt weltweit über 200 Cyberknife-Zentren.

Philipp Kressirer | Med. Universität München
Weitere Informationen:
http://www.cyber-knife.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Präzisionsbestrahlung bei Prostatakrebs: HYPOSTAT-Studie wird ausgeweitet
11.12.2017 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Neues Verfahren für die Erkennung von Brustkrebs etabliert
06.12.2017 | Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten