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Starker Kernspintomograph erstmals für Patienten genutzt

10.12.2012
Am Magnetresonanzzentrum entstehen hochaufgelöste Bilder aus dem Körperinneren für die Diagnose

Am Hochfeld-Magnetresonanzzentrum des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik wurden in Kooperation mit der Abteilung Neuroradiologie und dem Zentrum für Neuroonkologie des Universitätsklinikums Tübingen erstmals Patienten mit einem Gehirntumor am 9,4 Tesla-Kernspintomographen untersucht.


Die Abbildung zeigt das Hochfeld-MRT-Gerät des MPI für biologische Kybernetik, das dort zur Forschung zur Verfügung steht und mit dem jetzt die ersten Patienten, die an Hirntumoren erkrankt sind, untersucht wurden.

Bild: Stephan Müller-Naumann / Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik Tübingen

Derzeit sind weltweit nur drei Magnetresonanzsysteme mit einer Magnetfeldstärke von 9,4 Tesla installiert. Tübingen ist das erste Zentrum, in dem es auch für Patienten eingesetzt wird.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist heute aus der medizinischen Diagnostik nicht mehr weg zu denken. Der besondere Vorteil der MRT ist, dass die Untersuchungen – im Gegensatz zur Röntgendiagnostik oder Computertomografie (CT) – ohne Strahlenbelastung für den Patienten durchgeführt werden können. Mit der MRT sind insbesondere hochaufgelöste Untersuchungen von Weichteilstrukturen möglich, wodurch exzellente Darstellungen des Gehirns, aber auch von Knorpel, Herz oder anderen Organen, mit guter räumlicher Auflösung, möglich sind.

Weltweit gibt es nur drei Magnetresonanztomografen mit 9,4 Tesla. Tesla(T) ist die Einheit, in der die magnetische Flussdichte gemessen wird. Klinische Kernspintomografen, wie sie auch in vielen Arztpraxen zu finden sind, haben klassischerweise 1,5T bis 3T Magnetfeldstärke. Das MRT-System, wie es in Tübingen am MPI zu finden ist, bietet die Möglichkeit, sehr hoch aufgelöste Bilder aufzunehmen, die noch Unterschiede in Gewebsstrukturen unterhalb eines Millimeters zeigen. Von dieser Technik sollen nun auch Patienten profitieren. Die Tübinger Wissenschaftler sind unter der Anleitung von Klaus Scheffler vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik und Direktor am Tübinger Universitätsklinikum sowie Ulrike Ernemann, ärztliche Direktorin am Tübinger Universitätsklinikum die ersten, die diese Methode zur Diagnostik auch bei Patienten und nicht nur bei gesunden Probanden einsetzten.

Die MRT-Untersuchungen der Patienten wurden mit einer speziell für das 9,4 Tesla-Gerät entwickelten Technik aufgenommen – der SAR-optimierten Turbo-Spin-Echo-(TSE)Technik.

SAR ist die „spezifische Absorptionsrate“ für den betreffenden Patienten. Sie ist das Maß für die Absorption von elektromagnetischen Feldern in biologischem Gewebe. Die TSE-Technik ist eine in der MRT verwendete Messsequenz, bei welcher mit Hilfe von Echos die unterschiedlichen Gewebearten von einander unterschieden werden können.

Neben hochauflösenden Bildern ist die Darstellung der Stoffwechselprodukte innerhalb des Gehirntumors ein weiteres Ziel der Wissenschaftler. Diese können entsprechend ihrer charakteristischen Verteilung Aufschluss über den vorliegenden Tumortyp geben. Die mit 9,4T aufgenommenen Magnetresonanzprotonenspektren im Tumor und in den gesunden Gehirnregionen zeigen eine Vielfalt von physiologischen und tumorspezifischen Stoffwechselprodukten, welche bei niedrigeren Feldstärken nicht eindeutig getrennt werden könnten. Hochgenaue Bilder des Tumors ermöglichen in vielen Fällen auch eine gezieltere Behandlung der Patienten im Rahmen der medikamentösen Therapie und Nachsorge. Mit Hilfe der MRT kann der Tumor auch längerfristig beobachtet werden um zu überprüfen, wie dieser auf die Behandlung reagiert.

Bisher ist die Hochfeld-Magnetresonanztomografie eine ergänzende Methode und kann die klassischen Untersuchungen nicht ablösen. Doch besteht die Hoffnung, dass mit ihr Krankheiten besser diagnostiziert werden können und Tumore besser behandelbar werden. Die Tübinger Forscher arbeiten derzeit an der Weiterentwicklung ihrer Methoden, um sie auch bei anderen Fragestellungen, beispielsweise bei der Untersuchung neurodegenerativer Erkrankungen, einsetzen zu können.

Weitere Informationen über die Forschung im Magnetresonanzzentrum:
http://www.kyb.mpg.de/de/forschung/abt/ks.html

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Klaus Scheffler
Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik und Universitätsklinikum Tübingen
Tel.: 07071 601-701
E-Mail: klaus.scheffler@tuebingen.mpg.de

Prof. Dr. med. Ulrike Ernemann
Universitätsklinikum Tübingen
Tel.: 07071 29-86024
E-Mail: ulrike.ernemann@med.uni-tuebingen.de
Stephanie Bertenbreiter (Presse- & Öffentlichkeitsarbeit)
Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik
Tel.: 07071 601-1792
E-Mail: presse-kyb@tuebingen.mpg.de
Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik forscht an der Aufklärung von kognitiven Prozessen auf experimentellem, theoretischem und methodischem Gebiet. Es beschäftigt rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 40 Ländern und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für biologische Kybernetik ist eines der 80 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Das 1805 gegründete Tübinger Universitätsklinikum gehört zu den führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin und trägt als eines der 32 Universitätsklinika in Deutschland zum erfolgreichen Verbund von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei. Von der einzigartigen Verbindung aus Wissenschaft und Praxis profitieren in Tübingen jährlich etwa 67 000 stationäre und 330 000 ambulante Patienten. Sie erhalten am Universitätsklinikum eine medizinische Maximalversorgung nach neuesten Erkenntnissen. Das Einzugsgebiet erstreckt sich vom Ballungsraum Mittlerer Neckar bis an den Bodensee. Als größter Arbeitgeber der Region beschäftigt das Universitätsklinikum 8 700 Voll- und Teilzeitkräfte in 17 Kliniken, 8 Instituten und 12 Zentren. (http://www.medizin.uni.tuebingen.de)

Stephanie Bertenbreiter | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni.tuebingen.de
http://www.kyb.tuebingen.mpg.de/de/forschung/abt/ks.html

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