Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spezialkatheter fängt Blutgerinnsel ein

21.04.2015

Viele Patienten, die einen akuten Schlaganfall erleiden, können bislang nicht therapiert werden. Denn das Blutgerinnsel, das ihn verursacht, lässt sich medikamentös nicht auflösen. Für sie gibt es nun Hoffnung.

Im Rahmen einer europäisch-amerikanischen Studie stellte sich ein neues Verfahren als wirksam heraus: Über einen Spezialkatheter wird das Gerinnsel im verschlossenen Hirngefäß eingefangen und aus der Arterie herausgezogen.

Prof. Dr. Hans-Christoph Diener von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) und Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) hat die Studie für Europa geleitet.

Er stellte sie jetzt auf dem Europäischen Schlaganfallkongress in Glasgow erstmals der Fachwelt vor. Auch das renommierte Fachmagazin New England Journal of Medicine berichtet in seiner aktuellen Ausgabe.

In Deutschland ereignen sich etwa 200.000 Schlaganfälle pro Jahr. Etwa 85 Prozent der Betroffenen erleiden einen so genannten ischämischen Schlaganfall: Blutgerinnsel verstopfen eines der Gefäße, die das Gehirn mit Blut versorgen, und das dahinter liegende Hirngewebe stirbt ab. Bei einem Schlaganfall kommt es darum zunächst vor allem auf Schnelligkeit an. Patienten sollten innerhalb von maximal viereinhalb Stunden behandelt werden.

Bislang gab es nur zwei Behandlungsoptionen, die nachweislich wirksam sind: die Therapie in einer Spezialstation für Schlaganfälle (Stroke Unit). 1994 wurde die erste am UK Essen eröffnet, heute gibt es deutschlandweit 270. Die zweite Möglichkeit ist die so genannte systemische Thrombolyse.

Hier wird Patienten eine Substanz in die Vene injiziert, die das Blutgerinnsel im Gehirn auflöst. Das schlägt aber nur bei der Hälfte der Fälle an. Jetzt steht erstmals auch für die anderen 50 Prozent eine Therapie zur Verfügung. Ihre Wirksamkeit konnte im Rahmen der SWIFT PRIME-Studie nachgewiesen werden.

An der groß angelegten Studie nahmen 200 betroffene Männer und Frauen teil. Bei der Hälfte wurde zusätzlich zur intravenösen Thrombolyse ein Spezialkatheter eingesetzt, über den das Blutgerinnsel im Hirngefäß manuell eingefangen und aus der Vene herausgezogen werden konnte.

„Mit dieser Methode gelang es, über 90 Prozent der verschlossenen Hirngefäße wieder zu öffnen. Mit dramatischen Auswirkungen auf das Schicksal der Menschen: Die Sterblichkeit ging deutlich zurück, und doppelt so viele Patienten waren nach dem Katheter-Eingriff nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen“, erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener.

Voraussetzung ist allerdings weiterhin, dass die Betroffenen innerhalb von viereinhalb Stunden ein Krankenhaus mit einer Neuroradiologie erreichen. In Essen verfügen die Klinik für Neurologie und das Institut für Radiologie und Interventionelle Neuroradiologie am UK Essen sowie die Neurologie und Radiologie im Alfried Krupp-Krankenhaus eine entsprechende Ausstattung und Kompetenz.

Die Studie reiht sich in eine Serie von weiteren Untersuchungen ein, die alle zeigten, dass das Entfernen eines Blutgerinnsels – die so genannte Thrombektomie - bei Patienten mit akutem Schlaganfall hoch wirksam ist.

Weitere Informationen:
Prof. Dr Hans-Christoph Diener, Tel. 0201/723-2461, Hans.Diener@uk-essen.de
Prof. Dr. Michael Forsting, Tel. 0201/723-1539, Michael.Forsting@uk-essen.de

Redaktion: Christine Harrell, Tel. 0201/723-1615, christine.harrell@uk-essen.de

Beate Kostka | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uk-essen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Virtual Reality in der Medizin: Neue Chancen für Diagnostik und Operationsplanung
07.12.2016 | Universität Basel

nachricht Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten
06.12.2016 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie