Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selten auftretende Herzrhythmusstörungen: Herzstiftung rät zu Ereignisrekordern

30.11.2010
Wenn Herzrhythmusstörungen nicht andauernd, sondern nur von Zeit zu Zeit oder selten auftreten, gibt es ein Problem: Der Arzt kann die Herzrhythmusstörung im EKG nur erkennen, wenn sie zufällig gerade beim Arztbesuch auftritt.

Auch 24-Stunden- oder 7-Tage-EKGs bringen oft kein Ergebnis. Trotzdem tritt die Herzrhythmusstörung wieder auf. Da sie nicht diagnostiziert ist, kann sie auch nicht behandelt werden: eine beunruhigende Situation für den Patienten. Für dieses Problem gibt es jetzt eine Lösung: Ereignisrekorder.

„Es kann vorkommen, dass Patienten mit seltenen schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen mehrmals zum Arzt gehen, ihr Herzrhythmus mit einem 12-Kanal-Ruhe- und einem Langzeit-EKG von 24 oder 48 Stunden Dauer aufgezeichnet wird, es aber zu keinem auffälligen Befund kommt. Diese Patienten gehen unbehandelt wieder nach Hause – und die Beschwerden bleiben“, berichtet Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Bei der Klärung selten auftretender Herzrhythmusstörungen spielen Ereignisrekorder eine immer größere Rolle, weil sie eine Ereigniserfassung über längere Zeiträume von Wochen oder Monaten erlauben“, erklärt der Herzspezialist.

Wann die externe, wann die implantierte Variante?
Externe Ereignisrekorder werden bei zeitweiliger Überwachung des Herzrhythmus auf den Brustkorb (scheckkartengroß) aufgelegt. Bei der kontinuierlichen Überwachung werden sie auf die Haut geklebt und zeichnen so den Herzrhythmus auf. Die implantierbare Variante ermöglicht bei sehr seltenen Herzrhythmusstörungen eine kontinuierliche EKG-Erfassung über einen längeren Zeitraum. Das winzige Gerät wird unter die Haut über dem Herzen eingebracht. Die Ereignisrekorder zeichnen das EKG fortlaufend auf. Tritt ein Arrhythmieereignis auf, kann dieses im Nachhinein festgehalten und dokumentiert werden. Bei den meisten Ereignisrekordern können die aufgezeichneten Daten per Telefon übertragen werden.

Externe Ereignisrekorder mit zeitweiliger Überwachung – Bei diesen Geräten wird der Patient aufgefordert, den Ereignisrekorder bei Beschwerden durch Herzrhythmusstörungen wie z. B. Vorhofflimmern auf die Haut im Brustbereich zu drücken. Ein EKG wird über einen Zeitraum von 30 Sekunden bis wenigen Minuten aufgezeichnet. Jedoch muss der Patient seine Herzrhythmusstörung spüren und genug Zeit haben, das Gerät ordnungsgemäß anzuwenden. Der Vorteil der zeitweiligen Überwachung: Zur EKG-Registrierung müssen keine Elektroden geklebt werden und der Patient kann den Rekorder über Monate behalten und überall mitführen.

Externe Ereignisrekorder mit kontinuierlicher Überwachung – Ihr Vorteil gegenüber der kurzzeitigen Erfassung liegt darin, dass sie auch Herzrhythmusstörungen registrieren, die nur sehr kurz andauern oder die der Patient nicht spürt. Diese Rekorder können permanent den Herzrhythmus mit Hilfe von Klebeelektroden auf der Haut erfassen. Manche Geräte mit kontinuierlicher Überwachung können bei bestimmten vorher definierten Herzrhythmusstörungen (z. B. Vorhofflimmern) automatisch aktiviert werden.

Implantierbare Ereignisrekorder – Sie werden bei Patienten eingesetzt, bei denen man schwerwiegende, bisher nicht erfasste langsame oder schnelle Herzrhythmusstörungen als Ursache von Beschwerden oder Ereignissen (Stürze) vermutet. Dies ist insbesondere bei Patienten gegeben, die infolge vermuteter langsamer oder schneller Herzrhythmusstörungen einen Bewusstseinsverlust (Synkope) erlitten und sich dabei verletzt haben. Das implantierbare Gerät kann automatisch Vorhofflimmern ebenso wie schwerwiegende Herzrhythmusstörungen erkennen. Auch ist es möglich, dass der Patient selbst die EKG-Aufzeichnung startet. Die Implantation (ambulant unter örtlicher Betäubung) ist wesentlich unkomplizierter und mit weniger Komplikationen verbunden als die eines Herzschrittmachers.

Eine neue Broschüre „Herzrhythmusstörungen heute“, die die Deutsche Herzstiftung zu den Herzwochen 2010 (1.11. - 30.11.) herausgebracht hat, informiert auf 132 Seiten über den aktuellen Stand von Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der verschiedenen Herzrhythmusstörungen. Darin erhalten Patienten wertvolle Ratschläge und Tipps für den Umgang mit Herzrhythmusstörungen. Alle Beiträge sind von namhaften Herzspezialisten laienverständlich geschrieben. Der Band ist gegen 3 EUR in Briefmarken erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e.V., Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt.

37/2010
Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle: Michael Wichert / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-114/-140
Fax: 069/95 51 28-345
wichert@herzstiftung.de
koenig@herzstiftung.de

Pierre König | idw
Weitere Informationen:
http://www.herzstiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Schlaganfalltherapie: Neues Stimulationsgerät synchronisiert Zeitpunkt der Reize mit aktuellen Hirnsignalen
23.10.2017 | Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

nachricht Smartphones im Kampf gegen die Blindheit
18.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie