Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seide macht Gehirn-Implantate verträglicher

19.04.2010
Ansatz bietet gute Passform bei geringer Gewebereizung

Ein US-Forscherteam hat Gehirnimplantate entwickelt, die sich passgenau an die Oberfläche des Gehirns anlegen. "Diese Implantate haben das Potenzial, möglichst guten Kontakt zwischen Elektroden und Gewebe zu sichern und gleichzeitig Schäden am Gehirn zu minimieren", sagt Walter Koroshetz, stellvertretender Leiter des National Institute of Neurological Disorders and Stroke.

Dazu setzen die Wissenschaftler auf eine biokompatible Seide als Trägermaterial für die Elektronik. Die Technologie könnte unter anderem die Überwachung und Behandlung epileptischer Anfälle verbessern oder dazu dienen, eine Reizleitung bei Rückenmarksverletzungen zu ermöglichen.

Dünn und flexibel

Ziel der Forscher war es, eine möglichst gute Passform der elektronischen Implantate zu erreichen, aber gleichzeitig ein Minimum an Gewebeschäden zu sichern. Letzteres wird unter anderem dadurch erreicht, dass die 500 Mikrometer dicken Metallelektroden keine scharfen Kanten aufweisen und die Implantate keine steifen Oberflächen haben. Durch die genutzte Seide werden zudem Entzündungen vermieden und das Trägermaterial kann so gestaltet werden, dass es sich praktisch unmittelbar nach der Einpflanzung auflöst.

Außerdem ist die Seide so flexibel, dass sie das passgenaue Anlegen der Elektronik an die Gehirnoberfläche unterstützt. Davon verspricht sich das Team nicht nur einen besseren elektrischen Kontakt, sondern auch eine größere Beständigkeit der Implantate, wenn sich das Gehirn im Schädel verlagert. Außerdem böten die Seiden-Implantate das Potenzial, die Aktivität großer Netzwerke von Hirnzellen zu erfassen, so der Neurologe Brian Litt von der medizinischen Fakultät der University of Pennsylvania http://www.med.upenn.edu .

Großes Potenzial

Ein Anwendungsbereich für die Implantate wäre beispielsweise in der Behandlung von Epilepsiepatienten. Die Elektronik könnte messen, wann sich Anfälle ankündigen und diese durch elektrische Impulse unterdrücken. Bei Rückenmarksverletzungen wäre es den Forschern zufolge denkbar, die für Bewegungen verantwortlichen Signale des Gehirns zu lesen und an gesunde Muskel oder Prothesen weiterzuleiten.

"Es könnte auch möglich werden, die Seide-basierten Implantate zu komprimieren und durch einen Katheter ins Gehirn einzubringen", sagt indes John Rogers, Professor für Materialwissenschaften und Ingenieurwesen an der University of Illinois in Urbana-Champaign. Er arbeitet seit Jahren an implantierbarer Elektronik und hat unter anderem schon eine Kamera nach Vorbild des menschlichen Auges entwickelt (pressetext berichtete: http://www.pressetext.com/news/080807021/)

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ninds.nih.gov

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie