Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schonender und schneller: Modernste Präzisionsbestrahlung an der Universitätsmedizin Göttingen

29.05.2009
Neuartige Bestrahlungstechnik "RapidArc" in der Strahlentherapie und Radiologie an der UMG zur Behandlung von Prostatakarzinom und Hirntumoren bereits klinische Routine.

"RapidArc" - so heißt die modernste, extrem schnelle und hochpräzise Bestrahlungstechnik. Sie bringt für Patienten entscheidende Vorteile gegenüber bisherigen Bestrahlungsszenarien bei der Behandlung von Tumoren.

Die Bestrahlung lässt sich jetzt noch genauer verorten, die Bestrahlungszeiten sind kürzer. Die Belastung verringert sich und gesundes Gewebe wird optimal geschont. Die Abteilung Strahlentherapie und Radioonkologie der Universitätsmedizin Göttingen (Direktor: Prof. Dr. Dr. Clemens F. Hess) setzt die moderne Bestrahlungstechnologie bereits in der klinischen Routine für die Behandlung von Krebspatienten ein.

Mehr als 20 Patienten mit Prostatakarzinom oder Kopftumoren wurden inzwischen an der Universitätsmedizin Göttingen mit der neuen Technik bestrahlt. Die Universitätsmedizin Göttingen ist zur Zeit das einzige Universitätsklinikum in Deutschland, das Patienten mit "Rapid Arc"-Bestrahlun¬gen behandeln kann. Weltweit steht die neuartige Bestrahlungstechnologie bisher erst an wenigen Zentren zur Verfügung.

"Als erste Universitätsklinik in Deutschland setzen wir nun mit Linearbeschleunigern passgenau alle derzeit verfügbaren Methoden der Präzisionsbestrahlung klinisch ein", sagt Prof. Dr. Dr. Hess. "Alle Patientinnen und Patienten mit Tumorerkrankungen können von der neuen Bestrahlungstechnologie profitieren."

Zum Einsatz kommt die neue Bestrahlungstechnologie an der Universitätsmedizin Göttingen bislang besonders bei Männern mit einem begrenzten Prostatakarzinom. Sie brauchen jetzt weniger lang bestrahlt werden und müssen mit weniger Nebenwirkungen rechnen. Diese machen sich sonst vor allem als Beschwerden der Blase und im Enddarm bemerkbar.

Auch die ersten Patienten mit Kopftumoren haben die Strahlentherapeuten der UMG seit Anfang des Jahres mit "RapidArc" bestrahlt. Schon bald soll die modernste Bestrahlungstechnologie Patienten mit Tumoren im Hals-Nasen-Ohren-Bereich zur Verfügung stehen. "Patienten mit Tumoren im HNO-Bereich müssen bisher sieben Wochen lang jeden Tag mindestens 20 Minuten für die direkte Bestrahlung auf dem Bestrahlungstisch liegen. Mit "RapidArc" lässt sich die Bestrahlungszeit auf etwa zwei Minuten senken", sagt Dr. Hilke Vorwerk, Oberärztin und Medizinphysikerin in der Abteilung Strahlentherapie und Radioonkologie.

Die neue Bestrahlungsmethode "RapidArc" verkürzt durch eine Pendelung des Bestrahlungsfeldes die Bestrahlungsdauer der bisher eingesetzten Hochpräzisionstherapie IMRT (intensitätsmodulierte Strahlentherapie) um ein zehnfaches. Statt bisher zehn bis 20 Minuten sind jetzt ein bis zwei Minuten pro Bestrahlungssitzung ausreichend. "Mit "RapidArc" dreht sich der Strahlenkopf punktgenau kontinuierlich um den Patienten. Dabei werden Ein- und Ausblendungen der Strahlenfelder ständig so verändert, dass die Tumorregion exakt erfasst wird," erläutert Frau Dr. Vorwerk.

Grundlagen für die neue Methode sind eine hochkomplexe Computertechnologie und Bestrahlungsgeräte der neuesten Generation. Diese ermöglichen die ständige Kontrolle aller Einstellungen durch spezielle Verfahren der dreidimensionalen Bildgebung. So gelingt es erstmals, das aus der Röntgendiagnostik bekannte Verfahren der Computertomographie auf die Strahlenbehandlung mit modernen Linearbeschleunigern zu übertragen.

Betreut werden diese neuen Verfahren in der Abteilung Strahlentherapie und Radioonkologie an der Universitätsmedizin Göttingen von einem Forscherteam aus hochqualifizierten Ingenieuren, Physikern, technischen Assistent/Innen und Ärzten. Das technische Team im Hintergrund der Abteilung Strahlentherapie und Radioonkologie koordiniert Frau Dr. Vorwerk.

Bildunterschrift: RapidArc – modernste hochpräzise Bestrahlungstechnik an der UMG, von links: Dr. Hilke Vorwerk (Oberärztin Abt. Strahlentherapie und Radioonkologie), Daniela Wagner (Leitende Physikerin Abt. Strahlentherapie und Radioonkologie), Prof. Dr. Dr. Clemens F. Hess (Direktor Abt. Strahlentherapie und Radioonkologie), Klaus Steenken (Leitender MTRA der Bestrahlungsplanung, Abt. Strahlentherapie und Radioonkologie). Foto: umg

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Direktor der Abteilung Strahlentherapie und Radioonkologie
Prof. Dr. Dr. Clemens F. Hess
Telefon 0551 / 39-6182
cfhess@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Universitätsmedizin Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de
http://www.strahlentherapie-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Wachkoma: System soll Patienten helfen, sich zu verständigen
24.05.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Premiere einer verblüffenden Technik
23.05.2017 | Deutsches Herzzentrum Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften