Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schnellere und leisere MRT-Untersuchungen

14.10.2011
Das Freiburger Forschungsprojekt "RANGEmri" verbessert die Technik von Magnetresonanz-Tomographien und verspricht damit deutliche Verbesserungen für MRT-Patienten. Dafür gibt es jetzt Fördergelder der EU.

Während des Betriebs kann eine MRT-Röhre so laut wie ein Presslufthammer werden. Für den Patienten kann das trotz Ohrstöpsel oft sehr unangenehm sein. Auch für Menschen mit Platzangst sind MRT-Untersuchungen wegen der engen Röhre untersagt.

Ein Freiburger Forschungsteam arbeitet an der Entwicklung neuer, ultraschneller Verfahren. Damit können MRT-Aufnahmen in Zukunft nicht nur schneller und genauer, sondern gleichzeitig auch leiser und damit angenehmer für den Patienten werden.

Unter der Leitung von Dr. Maxim Zaitsev, Wissenschaftler aus der Radiologischen Klinik, wird am Universitätsklinikum Freiburg die Entwicklung ultraschneller adaptiver Magnetresonanz-Tomographie (MRT, engl. MRI) für Anwendungen in der Neurologie, Neurowissenschaft und Onkologie verfolgt.

Für diese Arbeit erhält Dr. Zaitsev jetzt Fördergelder der EU. Dabei handelt es sich um so genannte Starting Independent Researcher Grants in Höhe von jeweils bis zu 1,5 Millionen Euro, die der Europäische Forschungsrat (ERC) für Vorhaben der Grundlagenforschung an ausgezeichnete junge Forscher aller Disziplinen vergibt. In Freiburg werden insgesamt fünf Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen gefördert.

Die MRT ist ein nichtinvasives medizinisches Bildgebungsverfahren, das zu den wichtigsten Diagnoseverfahren in der klinischen Routine gehört. Es gewinnt kontinuierlich an Bedeutung, zum einen wegen des exzellenten Weichgewebekontrasts, zum anderen, weil die MRT-Patienten bzw. Probanden nicht zusätzlichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt werden. Dennoch, ein Nachteil der MRT seit ihrer Einführung ist immer noch, dass die herkömmlichen Aufnahmemethoden mehrere Minuten benötigen, um ein Organ oder ein Körperteil dreidimensional abzubilden. Dies liegt daran, dass einerseits während der Bildaufnahme die räumliche Kodierung des abzubildenden Objekts mit ortsabhängigen, linear-variierenden Magnetfeldern, so genannten Gradienten, sequenziell erfolgen muss. Andererseits reicht es nicht aus, diese Abtastung nur innerhalb des abzubildenden Organs vorzunehmen, sondern es muss das gesamte Sichtfeld kodiert werden, um eine eindeutige artefaktfreie Signalzuordnung zu erreichen.

Das Projekt von Dr. Zaitsev setzt sich zum Ziel, neuartige Ansätze zur flexiblen Signal-Lokalisierung und räumlichen Kodierung in der MRT zu entwickeln: „Damit werden wir die MR-Bildgebung u.a. für neurowissenschafliche, neurologische und onkologische Fragestellungen verbessern“, kündigt Dr. Zaitsev an. Das von ihm konzipierte Prinzip von „Rapid Adaptive Nonlinear Gradient Encoding for Magnetic Resonance Imaging“ (RANGE = beschleunigte adaptive nichtlineare Gradienten-Kodierung) erlaubt es, die räumliche Kodierung lokal unter Berücksichtigung der abzubildenden Anatomie anzuwenden: „Dabei kann die relevante diagnostische bzw. funktionelle Information effizienter gewonnen werden“, betont Zaitsev, „die klinischen Schnittbildaufnahmen werden dadurch nicht nur beschleunigt, sondern auch besser an der Geometrie des abzubildenden Organs ausgerichtet, um dessen Struktur bzw. pathologische Veränderungen genauer abzubilden.“

Im Bereich der Neurowissenschaften erwarten die Freiburger Forscher für die funktionelle MR-Tomographie (fMRT, engl. fMRI) weitere Vorteile, so etwa die Möglichkeit, mittels variabel gekrümmter Schnittaufnahmen die Aktivität von verschiedenen, räumlich getrennten Gehirnarealen zeitsynchron abzubilden. „Das Verfahren lässt sich auch für zahlreiche weitere Anwendungen in anderen Körperregionen, wie etwa für die kardiovaskulare Bildgebung, anpassen“, sagt Dr. Zaitsev: „Ganz sicher ist aber, dass durch die Entwicklungen im Rahmen des RANGEmri-Projektes MRT-Aufnahmen nicht nur schneller und genauer, sondern gleichzeitig auch leiser und damit angenehmer für den Patienten werden.“

Patrick Kunkel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-freiburg.de/presse/live/Pressemitteilungen/aktuell/PM_RANGEmri.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung
27.02.2017 | Universität Ulm

nachricht Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger
27.02.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

New pop-up strategy inspired by cuts, not folds

27.02.2017 | Materials Sciences

Sandia uses confined nanoparticles to improve hydrogen storage materials performance

27.02.2017 | Interdisciplinary Research

Decoding the genome's cryptic language

27.02.2017 | Life Sciences