Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlaganfälle vermeiden

11.12.2008
Dr. Nicole Kikillus vom Institut für Biomedizinische Technik des KIT hat eine Software zur zuverlässigen Erkennung von Vorhofflimmern und zum schnellen und einfachen Screening von Risiko-Patienten entwickelt.

Vorhofflimmern bedeutet für die Patienten ein bis zu siebenfach erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Dieses Risiko kann durch Gabe von Medikamenten um bis zu 70 Prozent gesenkt werden, wenn die Vorhofflimmer-Diagnose rechtzeitig gestellt wird.

Die Diagnose war bislang meist schwierig, weil Vorhofflimmern häufig keine Symptome verursacht oder anfallsartig (paroxysmal) auftritt. Diese klinisch bedeutsamste Herzrhythmusstörung konnte bislang nur dann diagnostiziert werden, wenn Vorhofflimmern auch tatsächlich im Untersuchungszeitraum - also während der Aufzeichnung des EKGs - auftrat.

Allein in Deutschland leiden rund 800 000 Menschen an dieser Volkskrankheit. Durch die demografische Entwicklung rechnen Experten in den nächsten 30 Jahren mit einer Verdoppelung der Zahl der Patienten mit Vorhoffflimmern.

Nun hat die Ingenieurin Dr. Nicole Kikillus vom Institut für Biomedizinische Technik des KIT eine Untersuchungsmethode entwickelt, mit der sich Vorhofflimmer-Patienten zuverlässig erkennen lassen. Und zwar auch dann, wenn während der Untersuchung kein Vorhofflimmern auftritt. Dazu analysiert die von Kikillus entwickelte "evidensa"-Software am PC ein etwa 45-minütiges Einkanal-EKG (Elektrokardiogramm). Grundlage ist ein neuartiger Algorithmus, der auf Parametern der Herzfrequenzvariabilität basiert. Aus diesem Einkanal-EKG lassen sich insgesamt 25 Merkmale aus dem Zeit-, Frequenzbereich und nichtlinearen Zeitbereich bestimmen, die anschließend klassifiziert werden. Das Ergebnis lautet dann entweder "Vorhofflimmerpatient Ja" oder "Vorhofflimmerpatient Nein".

"Eine frühzeitige Diagnose von Vorhofflimmer-Patienten ermöglicht eine Therapie und damit eine bis zu 70-prozentige Reduzierung des Schlaganfallrisikos", erläutert die Wissenschaftlerin. "Die Methode lässt sich schnell und einfach anwenden, so dass sie sich auch für breit angelegte Reihenuntersuchungen (Screening) gut eignet."

Bis zur Marktreife rechnet Kikillus noch maximal zwei Jahre. Bis dahin gilt es, die Ergebnisse mit Hilfe weiterer Datensätze zu verfeinern und zu verbessern. Sie führt bereits erste Gespräche mit Kooperationspartnern. Ziel ist, Kliniken sowie Hausarztpraxen mit der "evidensa" Software auszustattten. Dr. Nicole Kikillus: "Sofort nach Analyse des EKGs trifft die Software mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 96 Prozent die Entscheidung: "Vorhofflimmerpatient Ja" oder "Vorhofflimmerpatient Nein".

Kikillus hat mit dieser Erfindung - die in ihrer Dissertation dokumentiert ist - auch Jurys überzeugt. So wurde ihre Arbeit erst jüngst mit dem "Südwestmetall-Förderpreis 2008" des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg gewürdigt. Kurze Zeit später erhielt sie auf der Messe Medica in Düsseldorf den "Fresenius Erfinderpreis 2008".

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut. Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovati-onspartner für die Wirtschaft.

Weiterer Kontakt:

Monika Landgraf
Pressestelle
Tel.: +49 721 8126
Fax: +49 721 3658
E-Mail: Monika.Landgraf@
verwaltung.uni-karlsruhe.de

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Einfacher Schieltest mit neu entwickelter Strabismus-Video-Brille
19.07.2017 | UniversitätsSpital Zürich

nachricht Kunstherz auf dem Prüfstand
13.07.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten