Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rostocker Forscher entwickeln OP-Saal der Zukunft

14.07.2016

Leuchtturm-Projekt mit Industriepartnern bringt mehr Sicherheit für Patienten

Wie sieht der OP-Saal der Zukunft aus? Computer statt Skalpell? Dr. Frank Golatowski vom Institut für Angewandte Mikroelektronik und Datentechnik der Universität Rostock korrigiert: „Wer das denkt, liegt kurz-und mittelfristig falsch. Auch hochmodernste Geräte ersetzen künftig nicht den Arzt“, ist der Wissenschaftler sicher.


Foto1: Martin Kasparick demonstriert neue Funktionen eines vernetzten Endoskops.


Foto2: So könnte der OP-Saal der Zukunft aussehen: All diese Geräte sind herstellerübergreifend und interoperabel miteinander vernetzt. (Fotos: ICCAS, Uni Leipzig, Norbert Hordan)

Der 52-Jährige und sein 30-jähriger Forscherkollege Martin Kasparick sind allerdings fest davon überzeugt, dass durch die intelligente Vernetzung medizintechnischer Geräte die Patientensicherheit im OP weiter erheblich erhöht werden könne - gerade älterer Menschen.

Die Experten müssen es wissen, denn sie haben maßgeblich an dem bundesweiten vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Leuchtturm-Projekt OR.NET mit Industriepartnern gewirkt, das den Grundstein für den vernetzten OP-Saal der Zukunft gelegt hat. Was so viel heißt, dass die medizinischen Geräte künftig eine „gemeinsame Sprache“ sprechen müssen. Der heutige OP besteht aus Insellösungen einzelner Hersteller. Ein Datenaustausch zwischen der Technik ist nicht oder nur schwer möglich. Daher: herstellerunabhängige Vernetzung.

Golatowski erklärt: „Der Datenaustausch zwischen Medizingeräten untereinander und mit den vielfältigen Krankhausinformationssystemen muss weiter standardisiert und umgesetzt werden.“ Der Gesetzgeber solle die Verwendung dieser Standards innerhalb einer Einrichtung und damit auch für alle Fachabteilungen in der Klinik fördern und fordern. Martin Kasparick macht deutlich, dass die Geräte kommunizieren müssten, sich selbst beschreiben können und ihren Zustand mitteilen.

Um diesem Ziel näher zu kommen , haben Wissenschaftler und Praktiker aus der Industrie in diesem Forschungsprojekt neue Konzepte für die herstellerübergreifende Kommunikation von Medizingeräten entwickelt, implementiert und vielversprechende Standards verfasst. Diese Standards werden jetzt international bewertet und verabschiedet. Doch bereits jetzt halten die Rostocker Wissenschaftler ihre Vision für das Modell der Zukunft.

Ihr Argument: Der Arzt werde im vernetzten OP der Zukunft nicht mehr durch die Technik mit ihren verschiedenen Systemen abgelenkt. So wird auch der Stresspegel im OP-Ablauf sinken, wird der Operateur die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt erhalten und kann unkompliziert dort eingreifen, wo es gerade nötig ist, beispielsweise am Handgriff eines Endoskops oder auch einem zentralen Bedienmonitor.

Die Vernetzung medizintechnischer Geräte in Klinik und Operationssaal könne einerseits die Patientensicherheit erheblich erhöhen und andererseits zu einer Marktöffnung führen, die es den Anwendern gestatte, unter den verfügbaren Komponenten und Systemen frei zu wählen. Doch Voraussetzung dafür ist, dass die vernetzten Geräte über sichere offene Standards verfügen, um miteinander zu kommu­nizieren. So könnten auch Alarme im OP übersichtlicher bewertet werden.

Prof. Dr. Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand der Unimedizin Rostock, verfolgt als externer Fachmann die Entwicklung zum OP-Saal der Zukunft mit größtem Interesse. Auch der Mediziner ist sich darüber bewusst, dass hier einheitliche Schnittstellen zwischen den Medizingeräten untereinander und der Krankhaus-IT geschaffen werden müssen: „Die Prozesse werden beschleunigt, Ressourcen lassen sich besser planen, Wechselzeiten werden kürzer – und die Patientensicherheit verbessert sich“, so Schmidt. Zurzeit fragen viele Beteiligte an verschiedenen Stellen häufig gleiche Daten vom Patienten ab – die Pflege, die Anästhesie, der Arzt, die Diätassistentin.

Die Rostocker Wissenschaftler forschen weiter am OP-Saal der Zukunft und wollen durch zusätzliche Assistenzfunktionen das OP-Personal unterstützen und die Patientensicherheit erhöhen. Das große Forschungsprojekt OR.NET ist nach über drei Jahren abgeschlossen, Folgeprojekte sind angedacht. Text: WOLFGANG THIEL

Kontakt:
Universität Rostock
Institut für Angewandte Mikroelektronik und Datentechnik

Dr. Frank Golatowski

Dipl.-Inf. Martin Kasparick

Tel.: +49 381 498-7274

Tel.: +49 381 498-7273

E-Mail: frank.golatowski@uni-rostock.de

martin.kasparick@uni-rostock.de

Presse- und Kommunikationsstelle
Tel.: 0381 / 498-1012
pressestelle@uni-rostock.de
www.uni-rostock.de

Presse- und Kommunikationsstelle | Universität Rostock

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Designte Proteine gegen Muskelschwund

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Benzin und Chemikalien aus Pflanzenresten

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hochleitfähige Folien ermöglichen großflächige OLED-Beleuchtung

29.06.2017 | Energie und Elektrotechnik