Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Radioembolisation: Beim Leberkrebs mehr als nur eine Alternative!

22.05.2017

Bei Patienten mit nicht operierbarem Leberzellkrebs steht mit der Radioembolisation eine radiologisch-nuklearmedizinische Therapie zur Verfügung, die auch im fortgeschrittenen Stadium sicher und effektiv ist. Im Vergleich zu anderen Therapien wird die Behandlung von den Patienten gut vertragen und sollte deswegen bei dafür geeigneten Patienten in der Behandlungsplanung möglichst mit erwogen werden.

Patienten mit primärem Leberzellkrebs (HCC) werden gemäß internationaler Übereinkunft anhand der Barcelona-Kriterien in die Stadien A bis C eingeteilt. Während im Stadium A, wenn möglich, operiert werden oder eine Radiofrequenzablation mit dem Ziel erfolgen sollte, die Patienten dauerhaft zu heilen, geht es ab dem Stadium B darum, den Patienten bei guter Lebensqualität ein möglichst langes Leben zu ermöglichen.


Radioembolisation wird bei nicht operierbarem Leberzellkrebs im Vergleich zu anderen Therapien gut vertragen.

Dr. Claus Christian Pieper


Dr. Claus Christian Pieper

Deutsche Röntgengeselleschaft e. V.

Im Stadium B kommt dabei als Lokaltherapie oft ein TACE genanntes Verfahren zum Einsatz, bei dem Chemotherapeutika mit einem Katheter vor Ort in die Lebergefäße injiziert werden, die den Tumor versorgen. Im Stadium C erhalten Patienten oft eine, allerdings schlecht verträgliche, systemische Chemotherapie mit Sorafenib.

Radioembolisation beim HCC: Auch Mehrfachtherapien sind möglich

Dr. Claus Christian Pieper vom Universitätsklinikum Bonn berichtet beim 98. Deutschen Röntgenkongress / 8. Gemeinsamer Kongress der DRG und ÖRG (24.-27. Mai 2017, Leipzig), von Erfahrungen mit insgesamt 115 Patienten mit fortgeschrittenem Leberkrebs in den Stadien B und C, die er mit der Methode der Radioembolisation behandelt hat.

Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Strahlentherapie. Mit Strahlenquellen beladene Teilchen, so genannte Mikrosphären, werden per Katheter in die Leber eingebracht. Sie verlegen die Blutgefäße, die den Tumor versorgen und setzen vor Ort ionisierende Strahlung frei, die den Tumor zusätzlich schädigt.

Die Radioembolisation ist bei Patienten mit Lebertumoren ein mittlerweile etabliertes Verfahren, das von den Patienten sehr gut toleriert wird. Beim primären Leberkrebs gibt es zwar zunehmende Erfahrungen, große Patientenserien, wie die von Dr. Pieper sind aber selten. Bei 115 Patienten wurden insgesamt 158 Radioembolisationen durchgeführt.

„Das zeigt bereits, dass es sich um ein Verfahren handelt, das auch mehrfach angewandt werden kann“, so Pieper. Die Wirksamkeit der Behandlung bewertet der Radiologe als gut: Der Anteil der Patienten, bei denen der Tumor zeitweise unter Kontrolle gebracht werden konnte, betrug 76,7 Prozent. Etwas mehr als jeder dritte Patient sprach auf die Behandlung objektiv an, das heißt der Tumor wurde kleiner.

„Vor allem wenn man berücksichtigt, dass wir auch Patienten im Stadium C therapiert haben, sind das gute Quoten. Die Radioembolisation muss sich nicht verstecken.“ Die Patienten im Stadium B überlebten nach der Therapie im Median 373 Tage, bei Patienten im Stadium C waren es 183 Tage.

Verträglichkeit ist deutlich besser als bei Chemotherapie

Als großen Vorteil der Radioembolisation beim HCC betrachtet Pieper die vergleichsweise gute Verträglichkeit der Methode: „Bei der TACE treten beispielsweise häufig Schmerzen oder Übelkeit auf. Das gibt es bei der Radioembolisation seltener.“

Auch im Vergleich zur systemischen Chemotherapie mit Sorafenib sieht Pieper klare Vorteile: „Sorafenib ist im Stadium C der Leitlinienstandard. Aber es ist kein guter Standard. Das Überleben der Patienten wird nur marginal verbessert, und der Preis, den die Patienten dafür bezahlen, ist hoch.“

Die schlechte Verträglichkeit der Chemotherapie führt unter anderem dazu, dass nur selten mit jenen Dosierungen behandelt wird, die in den Zulassungsstudien eingesetzt wurden. „Der Nutzen ist deswegen in Wirklichkeit wahrscheinlich sogar geringer als in den Studien“, so Pieper.

Auch vor diesem Hintergrund sollte die Radioembolisation nicht nur im Stadium B, sondern auch im Stadium C als legitime Therapieoption betrachtet werden. „Entscheidend ist, dass die Patienten gut ausgewählt werden“, betont der Experte. Am besten geeignet seien Patienten, die noch eine ausreichende Leberfunktion haben und die ihre Erkrankung noch nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen hat.

PRESSEKONTAKT
Deutsche Röntgengesellschaft e.V.
Pressestelle, Anne-Katrin Hennig
Ernst-Reuter-Platz 10 / D-10587 Berlin
Fon: +49 (0)30 916 070 -26 / Fax: -22
Mail: hennig@drg.de

Weitere Informationen:

http://www.roentgenkongress.de

Anne-Katrin Hennig | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Wirkt die Biomechanische Stimulation?
21.02.2018 | Hochschule Offenburg, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien

nachricht Gefäßprothesen aus dem Bioreaktor
19.02.2018 | Leibniz Universität Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste Verteidigungslinie gegen Grippe weiter entschlüsselt

21.02.2018 | Medizin Gesundheit

Der „heilige Gral“ der Peptidchemie: Neue Strategie macht Peptid-Wirkstoffe oral verfügbar

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Designvielfalt für OLED-Beleuchtung leicht gemacht

21.02.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics