Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein "Stöpsel" im Herzohr beugt Schlaganfällen vor

17.03.2011
Kardiologen des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen arbeiten mit neuartigem Verschlusssystem im Herzen, um Schlaganfällen bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen vorzubeugen.

Vorhofflimmern ist die am häufigsten auftretende Herzrhythmusstörung. Allein in Deutschland sind rund 340.000 Menschen betroffen. Durch das Flimmern der Vorhöfe kommt der Blutfluss im Herzen teilweise zum Erliegen.


Der „Stöpsel“ verschließt den Übergang von Herzohr und linken Vorhof des Herzens. Blutgerinnsel können so nicht in den Blutkreislauf eindringen. Foto: AGA Medical

Die Folge: Es besteht die Gefahr von Blutgerinnsel vor allem im Herzohr, die zu einem Schlaganfall führen können. Das Risiko einen Schlaganfall zu bekommen, ist bei Patienten mit Vorhofflimmern fünffach höher. Um dem vorzubeugen, werden meist starke Blutverdünnungsmittel eingesetzt. Bei einigen Patienten kommt es jedoch zu unkontrollierbaren Blutungen, wenn sie diese Medikamente nicht gut vertragen.

Die Kardiologen des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen arbeiten seit über einem Jahr mit einem neuen Operationsverfahren, das das Schlaganfallrisiko in gleichem Maße senkt wie die Gabe von Blutverdünnern. Mit einer Art "Stöpsel" wird das Herzohr verschlossen, in dem sich die lebensbedrohlichen Blutgerinnsel meistens bilden. 20 Patienten wurden bisher mit diesem neuen Katheterverfahren am Herzzentrum Göttingen behandelt.

Herzohr verschließen
Das Herzohr ist eine sackartige Ausstülpung des linken Herzvorhofes. Ein Stöpsel verschließt den Übergang vom Herzohr zum linken Vorhof des Herzens. Dies verhindert, dass Blutgerinnsel in den Blutkreislauf gelangen und schlimmstenfalls im Gehirn zu einem Schlaganfall führen. Das Implantat besteht aus einem Netzwerk flexibler, aber formstabiler Nitinol-Drähte. Mit einem Herzkatheter wird das Implantat zusammengefalt über die Venen bis zur Mündung des Herzohres vorgeschoben. Tritt das Drahtgeflecht aus dem Katheter aus, öffnet es sich selbstständig. Wenn der "Stöpsel" sicher in der Herzohrwand verankert ist, verschließt es übergangslos die Öffnung des Herzohres zum linken Vorhof. "Das Implantat ist sehr beweglich und kann solange positioniert werden, bis es den besten Sitz hat. Die Einnahme von starken Blutverdünnern ist anschließend überflüssig", sagt Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Schillinger, leitender Oberarzt der Abteilung Kardiologie und Pneumologie und Leiter des Herzkatheterlabors der Universitätsmedizin Göttingen.

Der Eingriff mittels Herzkatheter ist minimal invasiv und dadurch schonend für die Patienten. Die Methode findet ohne Narkose am schlagenden Herzen statt. Nach meist nur ein bis zwei Tagen kann der Patient nach Hause entlassen werden. Der Eingriff wird seit August 2009 am Herzzentrum Göttingen durchgeführt. Seit Anfang des Jahres 2011 übernehmen die Krankenkassen die Kosten für diese Behandlung. "Für unsere Patienten, die keine Blutverdünner vertragen, bedeutet diese Methode eine echte Alternative und eine wertvolle Erweiterung unserer Behandlungsmöglichkeiten", sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender des Herzzentrums und Direktor der Abteilung Kardiologie und Pneumologie. "Es ist uns wichtig, für unsere Patienten stets die Behandlung mit dem geringsten Risiko und dem größten Nutzen auswählen zu können."

VORHOFFLIMMERN DES HERZENS
Vorhofflimmern kann sich durch Herzklopfen, Abgeschlagenheit oder Atemnot bemerkbar machen. Viele Patienten erfahren erst durch einen Routine-Check bei ihrem Herzspezialisten von der Diagnose. In besonders tragischen Fällen ist ein Schlaganfall das erste Zeichen für die Herzrhythmusstörung. Von der Krankheit sind hauptsächlich ältere Menschen betroffen. Das bedeutet: Die Zahl der Patienten wird in den kommenden Jahrzehnten aufgrund der zunehmenden älteren Bevölkerung weiter ansteigen. Die häufigsten Auslöser für Vorhofflimmern sind Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche, koronare Herzerkrankung und Diabetes mellitus. Auch Übergewicht und übermäßiger Alkoholkonsum begünstigen die Entstehung von Vorhofflimmern.
WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Kardiologie und Pneumologie - Herzzentrum Göttingen
Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Schillinger
Telefon 0551 / 39-6372, schiwolf@med.uni-goettingen.de
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Kardiologie und Pneumologie - Herzzentrum Göttingen
Prof. Dr. Gerd Hasenfuß
Telefon 0551 / 39-6351, rfaber@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Fraunhofer IGB wirkt bei Gestaltung des europäischen Fahrplans für Organ-on-a-Chip-Technologie mit
14.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

nachricht Entwicklung modernster Navigationssysteme für die Gefäßchirurgie
06.11.2017 | Universität zu Lübeck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften