Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pixium macht Blinde wieder sehend

14.05.2014

Das Startup Pixium in Paris will erblindete Augen mit einem Hightech-Implantat “reparieren”. Das Unternehmen wurde 2011 von Dr. Bernard Gilly und Prof. José-Alain Sahel, Leiter des Instituts für Augenheilkunde, gegründet.

“Die auf der Oberfläche der Netzhaut platzierten Elektroden erhalten Informationen, die von einer in die Brille integrierten Kamera übertragen und durch eine Software bearbeitet werden. Diese Signale werden anschließend über den Sehnerv ins Gehirn weitergeleitet, dort entschlüsselt und in schwarze und weiße Bilder umgewandelt”, erklären die Gründer.

Pixium will nun sowohl die Kamera als auch den hochkomplexen Algorithmus perfektionieren, der die Informationen in für das Gehirn nutzbare Daten umwandelt. Die Idee scheint einfach, aber der Patient braucht mehrere Monate Training, um die Wahrnehmungen richtig interpretieren zu können.

Diese Technologie mit dem Namen “Iris” wurde Anfang Mai beim ARVO, dem größten Kongress für Augenheilkunde, in Orlanda vorgestellt. Weltweit wurden bereits fünf Patienten im Rahmen einer klinischen Studie operiert. Alle konnten zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal sehen – dies ist die unabdingliche Voraussetzung zur Wiederherstellung des Sehvermögens -, bevor sie aufgrund einer Erbkrankheit erblindeten.

Die Patienten sollen nach und nach in der Lage sein, alltägliche Objekte zu erkennen, um eine gewisse Autonomie zurückzugewinnen. Während “Iris” in diesem Jahr auf dem Markt Einzug hielt, arbeitet Pixium bereits an einem noch anspruchsvolleren Modell – “Prima” -, das 2018 vermarktet werden könnte.

Dieses Implantat soll unter der Netzhaut eingesetzt werden und mit mehreren Tausend Elektroden (die Pixeln gleichkommen) ausgestattet sein (gegenüber 50 bis 150 bei der aktuellen Version). Durch die höhere Bildauflösung sollen die Patienten Gesichter unterscheiden können. Als Vergleich: das menschliche Auge besteht aus mehreren hundert Millionen Pixeln, das mit einem Smartphone aufgenommene Foto aus mindestens 8 Millionen.

Als nächstes will das Start-up an die Börse gehen. Mit diesem Schritt will das Unternehmen die erforderlichen finanziellen Mittel einbringen, die für klinische Studien und die Markteinführung notwendig sind. Der potenzielle Markt ist riesig. Weltweit sind etwa 285 Millionen Menschen sehbehindert und 45 Millionen aus den unterschiedlichsten Gründen blind.

In der Zukunft könnte die bildverarbeitende Software in ein Smartphone oder in Brillen integriert werden. Die Stromversorgung der Elektroden könnte über Infrarot erfolgen, um so die Risiken und Nachteile zu begrenzen, die mit einer kabelgebundenen Übertragung einhergehen. Es gibt also noch viel Potential für vielversprechende und gewinnbringende Projekte.

Weitere Informationen: Webseite des Startup Pixium: http://www.pixium-vision.com/

Quelle: “Pixium redonne la vue aux aveugles”, Artikel aus Le Monde – 02.05.2014 – http://abonnes.lemonde.fr/economie/article/2014/05/02/pixium-redonne-la-vue-aux-...


Redakteur: Aurélien Filiali, aurelien.filiali@diplomatie.gouv.fr

Marie de Chalup | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Berichte zu: Algorithmus Blinde Brille Elektroden Gehirn Implantat Kamera Netzhaut Signale Smartphone Software Stromversorgung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neues DaVinci-OP-System: Universitätsmedizin Mainz erweitert Spektrum an robotergestützten OP´s
03.02.2017 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Deutschlandweit erste Installation: Kompakter Roboter assistiert bei MRT-geführter Prostatabiopsie
02.02.2017 | Universitätsklinikum Leipzig AöR

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie