Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Forschungs-MRT für frühe klinische Studien am CRC Hannover

05.05.2014

Im Clinical Research Center Hannover steht ein Magnetresonanztomograph ausschließlich für Forschungszwecke zur Verfügung

Im Erdgeschoss des Clinical Research Center Hannover steht seit Kurzem ein Magnetresonanztomograph (MRT) ausschließlich für Forschungszwecke – eine Seltenheit in der deutschen Forschungslandschaft, denn üblicherweise sind MRTs in Kliniken eingebunden und dienen vor allem der Diagnostik unterschiedlichster Krankheiten.


MRT-Aufnahme einer Lunge.

Foto: Dr. Jens Vogel-Claussen, MHH-Institut für Diagnostische u. Interventionelle Radiologie

Mit diesem Gerät der Firma Siemens werden Wissenschaftler des Fraunhofer ITEM und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in Zukunft frühe klinische Studien für neue Arzneimittel begleiten. Damit steht ihnen eine in Deutschland einmalige Technologie zur Verfügung, die nicht nur schnellere und präzisere Untersuchungsergebnisse liefert als traditionelle Untersuchungen, sondern auch besonders schonend für die Studienteilnehmer ist.

Ein Konsortium aus Wissenschaftlern der MHH und des Fraunhofer ITEM hat die Eignung einer besonderen Auswertungsmethode von MRT-Daten kürzlich an elf Asthmapatienten und fünf gesunden Studienteilnehmern untersucht. „Mit dieser Asthmastudie, die wir noch an einem Gerät an der MHH durchgeführt haben, konnten wir zeigen, dass die Methode hervorragend als Biomarker für Entzündungen geeignet ist, die bei allergischem Asthma in der Lunge entstehen“, sagt Professor Dr. Norbert Krug, Medizinischer Direktor des Fraunhofer ITEM.

Auf den Schnittbildern, die das MRT scheibchenweise von den Probandenlungen erzeugt, sind schon kleinste Veränderungen im Lungengewebe sichtbar – und zwar ohne dass Kontrastmittel inhaliert oder injiziert werden müssen. Diese Ergebnisse hat kürzlich das renommierte „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ veröffentlicht (2014 Mar 15; 189(6):650-7).

„Das ist ein Meilenstein für die Lungen-MRT und öffnet ganz neue Perspektiven für die Entwicklung von MRT Biomarkern für das Entzündungsmonitoring – sowohl für den großen Bereich der Lungenerkrankungen als auch für andere Krankheiten“, sagt Professor Dr. Frank Wacker, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der MHH.

Auf diesem Erfolg aufbauend planen die Wissenschaftler derzeit eine MRT-Studie am CRC Hannover zur Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), einer weiteren Volkskrankheit, die sich durch Atemnot und starken Husten bemerkbar macht. Auch diese Studie findet – wie die Asthmastudie – mit Unterstützung des Deutschen Zentrum für Lungenforschung statt.

Somit steht den Wissenschaftlern des CRC Hannover jetzt eine sehr schonende und hochempfindliche Methode zur Verfügung. Mit ihr können sie alle Regionen der Lunge beurteilen, um einerseits Entzündungsreaktionen auf den Grund zu gehen und andererseits neue Wirkstoffe für Lungenkranke zu testen. „Durch die quantitative MRT Bildgebung gelingt es uns, zuverlässige und reproduzierbare Aussagen zu Veränderungen der Lunge zu machen. Da sie die Probanden nicht belastet, können wir sie in kontrollierten Therapiestudien in kurzen Intervallen untersuchen. Das ist gerade für die Beurteilung von Medikamenten wichtig“, erklärt Privatdozent Dr. Jens Vogel-Claussen, Leiter der Forschergruppe Lungen MRT im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie.

Lungenerkrankungen sind jedoch nur der Anfang. Auch für die berührungsfreie Untersuchung anderer innerer Organe wie beispielsweise Niere, Leber oder Herz ist das MRT im CRC Hannover geeignet. „Wir haben damit ein Gerät in unserem Studienzentrum, das uns ganz neue Studienkonzepte ermöglicht“, ist Norbert Krug überzeugt. „Zumal wir durch unsere Partnerschaft im CRC Hannover das Knowhow der Spezialisten aus MHH und Fraunhofer ITEM für die Entwicklung neuer Studienkonzepte mit dem MRT vereinen.“

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Frank Wacker, Direktor des MHH-Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Telefon (0511) 532-3422, wacker.frank@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Virtual Reality in der Medizin: Neue Chancen für Diagnostik und Operationsplanung
07.12.2016 | Universität Basel

nachricht Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten
06.12.2016 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rückgang großer fruchtfressender Vögel bedroht Tropenwälder

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wenn das Handy heimlich zuhört: Abwehr ungewollten Audiotrackings durch akustische Cookies

07.12.2016 | Informationstechnologie

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops