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Neue Ultraschalltechnik erspart überflüssige Gewebeproben

02.04.2014

Die computergestützte Ultraschallanalyse ANNA/C-TRUS kann Männern mit Verdacht auf Prostatakrebs viele schmerzhafte Gewebeentnahmen aus der Prostata ersparen. Das in Deutschland entwickelte System findet zunehmend auch im Ausland Beachtung: So werten Urologen hierzulande digitale Ultraschallbilddaten von Kollegen aus China aus. Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) stellen die Methode auf einer Pressekonferenz am 9. April 2014 in Berlin vor.

Erhöhte Blutwerte des nur in der Prostata vorkommenden „prostataspezifischen Antigens“ (PSA) können Ärzte auf gut- und bösartige Veränderungen in der Prostata aufmerksam machen. Um dann zu klären, ob es tatsächlich zum Wachstum eines bösartigen Tumors gekommen ist, entnehmen die Mediziner in der Regel zehn bis zwölf Gewebeproben. Diese untersucht der Pathologe unter dem Mikroskop auf Krebszellen.

„Je früher ein Karzinom erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf eine Heilung“, erklärt Professor Dr. Tillmann Loch, Chefarzt der Urologischen Klinik am Universitätslehrkrankenhaus DIAKO in Flensburg. „Entscheidend für die Wahl der richtigen Behandlung ist aber eine exakte Bestimmung der Aggressivität und des Tumorstadiums in der Diagnostik“.

Die üblichen, systematisch räumlich nach dem „Schiffeversenkenmuster“ aufgeteilten Gewebeentnahmen der Prostata beruhen auf dem zufälligen Treffen eines Tumors. „Das ist vergleichbar mit einem Lotteriespiel, bei dem es einem Hauptgewinn entspricht, wenn man einen Tumor in seiner größten Ausdehnung und an der Stelle seiner höchsten Aggressivität trifft“, sagt Loch. Das schlimmste Szenario sei, einen großen aggressiven Tumor nur am Rand zu treffen und dadurch fälschlicherweise zu glauben, es wäre nur ein kleiner Tumor.

Statt sich auf den Zufall zu verlassen, plädiert der Experte dafür, gezielt die Regionen, in denen der Krebs stecken könnte, mittels moderner Ultraschalluntersuchungen einzugrenzen. Loch, der bei der DEGUM die Sektion Urologie leitet, setzt hierbei auf die transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS) – so genannt, weil sie vom Enddarm (Rektum) aus erfolgt. Deren Ergebnisse wertet er mit der computergestützten „Artifiziellen Neuronalen NetzwerkAnalyse“ (ANNA /C-TRUS) aus: Das System vergleicht die aktuellen Ultraschallbilder mit Befunden von bereits erkanntem Prostatakrebs, die durch Pathologen bestätigt wurden. „Unsere Datenbank enthält über 1000 Befunde“, erklärt Loch. Finden sich auf neuen Ultraschallbildern Ähnlichkeiten mit bereits gefundenem Krebs, markiert das Programm diese rot. Krebsverdächtige Areale können dann gezielt überprüft werden. „Die gezielte Punktion der Verdachtsregionen erhöht die Trefferquote und senkt die Zahl der notwendigen Stanzbiopsien“, sagt Loch. Auch Wiederholungen der für die Patienten schmerzhaften Untersuchungen ließen sich dadurch in vielen Fällen vermeiden.

Mittlerweile kann das Verfahren ANNA/C-TRUS – für dessen Entwicklung Tillmann Loch unter anderem mit dem Maximilian Nitze Preis der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) ausgezeichnet wurde – online genutzt werden. „Teilnehmen können alle Urologen, deren Ultraschallgerät in der Lage ist, die Bilder digital zu speichern“, sagt Loch. Kollegen könnten die Bilder in das Analysezentrum schicken, wo der Computer dann die verdächtigen Regionen ermittelt. Die Ergebnisse werden den Ärzten digital übermittelt. Diese können dann die Biopsien vor Ort gezielt durchführen. Anfragen aus dem Ausland haben Loch hierzu schon erreicht: Inzwischen werden in Flensburg auch Ultraschall-Daten aus China ausgewertet.

Im Internet:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
http://www.degum.de

ANNA/C-TRUS
http://www.anna-ctrus.de

 
Terminhinweis:
DEGUM Pressekonferenz
Prostatakrebs mit Ultraschall gezielt diagnostizieren – Neue Strategien in Früherkennung und Diagnostik
Termin: Mittwoch, den 9. April 2014, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 2
Anschrift: Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin

Vorläufiges Programm:

*Gezielte Gewebeentnahme aus der Prostata statt „Schrotflinten“-Prinzip:
Neue Ultraschalltechnik ANNA/C-TRUS ermöglicht weniger und gezielte Biopsien
Professor Dr. med. Tillmann Loch
Leiter der DEGUM Sektion Urologie, Chefarzt der Urologischen Klinik DIAKO, Universitätslehrkrankenhaus, Flensburg

*Ärzte in Deutschland werten Ultraschall-Daten aus China aus:
Patienten profitieren weltweit von neuem Online-Analyseverfahren
Professor Dr. med. Tillmann Loch
und
Professor Li-Ping Xie
Universität Zhejiang, Hanghzou, P.R. China

*Manchmal ist weniger mehr: Anzahl der Gewebeentnahmen halbiert
Studie belegt sehr gute Prognosen bei Anwendung von intelligenter Vorsorge
Dr. med. Theodore Tokas
Facharzt für Urologie, Urologische Klinik, Diakonissenkrankenhaus Flensburg

*Schallen will gelernt sein:
DEGUM etabliert neue Aus- und Fortbildungsformate in der Ultraschalldiagnostik für Urologen und vergibt Qualitätssiegel
Professor Dr. med. Hans Heynemann
Stellvertretender Leiter der DEGUM Sektion Urologie, Facharzt für Urologie, Halle

*Prostatakrebs früh erkennen und rechtzeitig behandeln ist lebensrettend:
Was Männer vorsorglich tun können und wo sie qualifizierte Hilfe finden
Professor Dr. med. Thomas Enzmann
Stellvertretender Leiter der DEGUM Sektion Urologie, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Städtisches Klinikum Brandenburg

*Keine Diagnose durch die Hose:
DEGUM warnt vor Zweitmeinung per Internet – sorgfältige Prostatadiagnostik erfordert Besuch beim Facharzt
Professor Dr. med. Tillmann Loch

 Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-642/-552
Fax: 0711 8931-984
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.degum.de
http://www.anna-ctrus.de

Anna Julia Voormann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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