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Neue Technik gegen Rhythmusstörungen

22.07.2011
Zum weltweit ersten Mal haben Mediziner der Würzburger Uniklinik einen Patienten mit einer neuen Technik von seinen Herzrhythmusstörungen befreit. Das neue Verfahren arbeitet präziser und schonender für die Erkrankten.

Viele Menschen leiden unter einem unregelmäßigen und zu schnellen Herzschlag. Diese Rhythmusstörungen belasten die Patienten und können unter Umständen auch lebensbedrohlich sein. Häufiger Auslöser sind wenige fehlerhaft arbeitende Herzzellen, die die Reizleitung im Herzmuskel aus dem Takt bringen.

Ohne Röntgenstrahlen ging es bisher nicht

Eine Therapie, die heutzutage regelmäßig zum Einsatz kommt, zielt deshalb darauf ab, den Unruhestifter im Herzmuskel mittels eines Katheters, der an der Spitze warm wird, zu veröden. Üblicherweise wird dazu der Katheter mithilfe eines Röntgengerätes gesteuert. Leider zeigen die Röntgenbilder das Herz und seinen Aufbau aber nur schemenhaft. Hinzu kommt, dass Röntgenstrahlen sowohl für den Patienten als auch für den Untersucher ein gewisses Risiko darstellen.

Wesentlich genauere Bilder vom Herz und seinen Strukturen liefert die Kernspintomographie. Sie besitzt darüber hinaus den Vorteil, dass sie mit einem Magnetfeld arbeitet – der Patient wird also keinerlei Röntgenstrahlung ausgesetzt.

Neue Katheter entwickelt

Allerdings vertragen sich normale Herzkatheter, wie sie zur Therapie von Rhythmusstörungen eingesetzt werden, und die Kernspintomographie nicht. Dies hat mehrere Ursachen: Die starken Magneten des Tomographen ziehen an den magnetischen Bestandteilen des Katheters und machen ihn somit unbrauchbar. Außerdem bewirken die Magnetfelder Ströme im Katheter, die dann zu ungewollten Gewebeschäden führen können. Umgekehrt stören übliche Katheter die Bildgebung eines Kernspintomographen.

Weltweit wird daher intensiv an der Entwicklung spezieller Katheter geforscht, welche die Therapie von Rhythmusstörungen im Kernspintomographen erlauben. In einem von der Bayerischen Forschungsstiftung gefördertem Projekt ist es einem interdisziplinärem Team bestehend aus Medizinern, Technikern, Physikern und Ingenieuren gelungen, erstmals einen solchen Katheter für den Einsatz im Menschen zu entwickeln.

Ein interdisziplinäres Team

Daran beteiligt waren Wissenschaftler aus dem Universitätsklinikum und der Universität Würzburg, der Magnetresonanz Bayern, dem Erwin Hahn Institut Essen, der Universität Erlangen und der Firma Biotronik/Vascomed. Die schnelle Bildgebung der Katheter wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Röntgendiagnostik der Würzburger Uniklinik entwickelt.

Seine erste Bewährungsprobe am Menschen hat der Katheter jetzt bestanden: Erstmals wurde er von den Kardiologen Oliver Ritter, Peter Nordbeck und Wolfgang Bauer sowie Mitarbeitern des Instituts für Röntgendiagnostik bei einem Patienten erfolgreich eingesetzt.

Stimmen zur neuen Technik

Oliver Ritter, Oberarzt an der Medizinischen Klinik I der Universität Würzburg, steuerte den Katheter im Patienten und zeigte sich begeistert von der neuen Technik. Er sieht die Zukunft dieses Verfahrens vor allem in der Therapie komplexer Vorhofrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) oder Rhythmusstörungen, die in der Herzkammer entstehen. Meinrad Beer, Oberarzt am Institut für Röntgendiagnostik, sieht „eine wichtige neue Anwendung der klinischen MR-Tomographie“.

Wolfgang Bauer, Leiter der Arbeitsgruppe kardiale Bildgebung und Biophysik an der Universität Würzburg, der schon lange auf dem Gebiet der Elektrotherapie und Kernspintomographie forscht, sieht darin einen „Paradigmenwechsel in der Elektrophysiologie“.

Kontakt
Prof. Dr. Dr. Wolfgang Rudolf Bauer, T: (0931) 201 39181, E-Mail: w.bauer@medizin.uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Meinrad Beer, T: (0931) 201-34883, E-Mail: beer@roentgen.uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Oliver Ritter, Tel: (0931) 201-39033, E-Mail: Ritter_O@klinik.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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