Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Herzschrittmacher: Kein Kabel, keine Elektroden

09.10.2015

Eine neue Generation von Herzschrittmachern sitzt direkt im Herzen und benötigt weder Kabel noch Elektroden. In einem stiftförmigen Gerät, das mittels Herzkatheter in das Herz eingebracht wird, befindet sich alles, was ein Schrittmacher zum Funktionieren benötigt. Die Metalloberfläche des Geräts gibt elektrische Impulse direkt an den Herzmuskel ab, die Elektronik ist so miniaturisiert, dass sie sich in dem winzigen Gehäuse unterbringen lässt, die Batterien sollen laut Herstellerangaben 15 Jahre lang Energie liefern.

„Diese Technologie ist zukunftsweisend“, betonte bei der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Prof. Dr. Burghard Schumacher (Kaiserslautern).

„Derzeit muss Patienten, die wegen Herzrhythmusstörungen einen Schrittmacher erhalten, das Gerät mit Elektronik und Batterien unter die Haut implantiert werden. Vom Schrittmacher gehen Kabel ins Herz, die dort über Elektroden den Herzmuskel stimulieren. Aufgrund der langen Erfahrungen mit dieser Technologie funktionieren Schrittmacher heute sehr gut, doch sie haben eine Reihe von Nachteilen. Beispielsweise besteht durch das Device unter der Haut und die Kabel ins Herz ein zwar geringes, aber durchaus vorhandenes Risiko von Infektionen. Darüber hinaus können sich Elektroden im Herzen lösen und verschieben.“

Derzeit sind zwei Geräte der neuen Generation kabelloser Herzschrittmacher in Europa verfügbar, haben bereits das CE-Zeichen und können daher implantiert werden. Derzeit erfolgt dies derzeit vorwiegend im Rahmen von Studien. Auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ESC wurde kürzlich die Studie LEADLESS II vorgestellt, in der eines der beiden Modelle an 526 Patienten getestet wurde.

„Aus dieser Studie liegen mittlerweile die ersten Sechsmonats-Daten vor, die bei mehr als 90 Prozent der erfolgreich implantierten Geräte eine einwandfreie Funktion zeigen“, berichtet Prof. Schuhmacher. „Auch kam es bei mehr als 90 Prozent der Patienten zu keinen schweren unerwünschten Wirkungen durch das Gerät. Allerdings war die akute Nebenwirkungsrate insgesamt noch etwas höher als bei konventionellen Schrittmachern.“

Weitere Fortschritte erwartet

Dies schmälere allerdings nicht die Bedeutung dieser Entwicklung, so Prof. Schuhmacher. „Auf diesem Gebiet ist in den kommenden Jahren mit erheblichen Fortschritten zu rechnen. Einerseits gewinnen Anwender mehr Routine in der Implantation der Devices. Mit zunehmender Erfahrung sinkt die Nebenwirkungsrate. Zudem sind im Gegensatz zu konventionellen Systemen weniger Komplikationen im Langzeitverlauf zu erwarten.“

Darüber seien durchaus auch noch wichtige Verbesserungen der Geräte zu erwarten, sagt der Experte: „So werden die Haltemechanismen, mit denen der Schrittmacher im Herzmuskel fixiert wird, jetzt aufgrund der Erfahrungen aus LEADLESS II überarbeitet. Auch ist noch in Diskussion, wo genau im Herzen der beste Platz für den Schrittmacher ist. Damit soll eine sehr schwerwiegende Komplikation verhindert werden, die bei wenigen Patienten in der Studie auftrat, nämlich das Durchstoßen des Herzmuskels mit dem Schrittmacher.“

Prof. Schuhmacher geht außerdem von einer weiteren Miniaturisierung der Geräte aus: „Es ist zu erwarten, das bereits in naher Zukunft Schrittmacher in der Größe einer Münze ins Herz eingebaut werden, um dort für einen physiologischen Herzrhythmus zu sorgen.“

Nicht zuletzt eröffnet diese Technologie nach Einschätzung des Experten auch neue Zukunftsperspektiven für Anwendungen über den klassischen Schrittmachereinsatz hinaus. „Beispielsweise könnten die Geräte für die kardiale Resynchronisationstherapie weiterentwickelt werden. Dabei werden bei Patienten, die unter Herzinsuffizienz leiden, mittels Schrittmachertechnologie die beiden Herzkammern wieder zum synchronen Pumpen gebracht“, so Prof. Schuhmacher.

Eine weitere potentielle Anwendung sei die Kombination mit (subkutan) implantierbaren Defibrillatoren (ICD). „Das brächte für Patienten mit hohem Risiko eines plötzlichen Herztodes den Vorteil, dass leichtere Rhythmusstörungen vom Schrittmacher korrigiert werden können, während bei lebensgefährlichen Störungen der Schock des ICD den normalen Herzschlag wieder herstellt.“

Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
Pressesprecher: Prof. Dr. Eckart Fleck (Berlin)
Hauptstadtbüro der DGK: Leonie Nawrocki, Tel.: 030 206 444 82
Pressestelle: Kerstin Krug, Düsseldorf, Tel.: 0211 600692-43
presse@dgk.org
B&K – Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung, Dr. Birgit Kofler, Berlin/Wien, Tel.: +49-172-7949286; +43-676-6368930; +43-1-31943780; kofler@bkkommunikation.com

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit über 9.000 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.

Weitere Informationen:

http://www.dgk.org
http://www.dgk.org/presse
http://www.kardiologie.org

Prof. Dr. Eckart Fleck | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Radioembolisationsverfahren mit innovativen Sphären - Klinische Premiere für innovative Krebstherapie
24.04.2017 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

nachricht Fit im Alter durch Hirnstimulation und Training
19.04.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung