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Neue Aortaklappe ohne OP am offenen Herzen

01.12.2010
Spezialisten von Siemens Healthcare und Corporate Technology haben eine neue Visualisierungs- und Steuerungstechnik für Angiographiesysteme entwickelt.

Sie ermöglicht die Implantation einer Ersatzklappe über einen Katheter und erspart den Patienten damit eine Operation am offenen Herzen. Das reduziert das Risiko enorm – und auch die Kosten sinken. Wie das Forschungsmagazin Pictures of the Future berichtet, wurde das Verfahren in Europa bis heute an mehr als 150 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 78 Jahren angewandt.


Weltweit leiden rund vier Prozent der Über-65-Jährigen an einer Erkrankung der Aortenklappe, einer der vier Herzklappen. Meist wird sie durch die Verkalkung der Klappensegel verursacht, die das sauerstoffreiche Blut aus der linken Herzkammer in den Kreislauf pumpen. Rettung bringt der Einsatz einer Aortenklappenprothese – in Europa werden pro Jahr etwa 60.000 solcher operativen Eingriffe durchgeführt. Doch für Zehntausende kommt diese Lösung nicht in Frage, denn viele ältere Menschen sind so schwach, dass sie eine Operation am offenen Herzen nicht überleben würden.

Das neue Verfahren basiert auf dem Einsatz des Bildgebungssystems DynaCT von Siemens. DynaCT liefert sehr detaillierte dreidimensionale Röntgenaufnahmen des Brustraums. Doch um die Aortenklappe sicher und erfolgreich einsetzen zu können, braucht der Chirurg neben der hohen Bildqualität vor allem eine Lösung, die die Aortenwurzel hinter den Rippen sichtbar macht. Hier entwickelten die Forscher eine Technologie, die das Umfeld der Aortenklappe in einem DynaCT-Datensatz erfasst und segmentiert. Das heißt, sie blendet automatisch alle für die minimal­invasive OP unwichtigen Teile aus, wie beispielsweise die Rippen.

Wenn die Mediziner die zusammengefaltete Ersatzklappe durch einen Katheter an ihren Bestimmungsort vorschieben, bestimmt eine ebenfalls neue Software von Siemens den optimalen Einsatzwinkel der Klappe. Diese Informationen sind wichtig, damit die neue Klappe die alte präzise abdeckt, ohne dass Lecks entstehen. Außerdem dürfen die Einmündungen der Koronararterien nicht überdeckt werden, da es sonst sofort zu einem Herzinfarkt kommen würde. Wenn sich die Prothese in genau der richtigen Position befindet, wird sie durch den Ballonkatheter entfaltet und fest an die Aortenwand gepresst.

Die Technik wurde von Siemens Healthcare zusammen mit dem Herzzentrum Leipzig, dem Deutschen Herzzentrum in München und Corporate Technology in Princeton, USA, entwickelt. Sie könnte auch bald in den USA zur Verfügung stehen. (RN 2010.12.1)

Dr. Norbert Aschenbrenner | Siemens InnovationNews
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovation

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