Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartiges Verfahren zur Herstellung künstlicher Herzklappen aus Perikardgewebe

13.03.2013
Auf dem Technologietag Teltow am 15. März 2013, der unter dem Thema „Innovationsmotor Medizintechnik“ steht, wird die Technische Hochschule Wildau ein neuartiges Verfahren zur Herstellung künstlicher Herzklappen vorstellen.
Dabei kommt tierisches Gewebe zum Einsatz, das durch Tiefziehen geformt wird. Die künstlichen Klappen ähneln sehr den natürlichen und können in Form und Größe an den Patienten angepasst werden.

Durch den kombinierten Einsatz von Technik, Biologie und Medizin ist es einem Wissenschaftlerteam um den Herzklappen-Experten Dr. Boris Schmitt vom Deutschen Herzzentrum Berlin und den Mikrotechniker Prof. Dr. Andreas Foitzik von der TH Wildau gelungen, aus Schafen geeignetes Gewebe zu gewinnen, das – vollständig von Zellen befreit – mittels Tiefziehen in eine neue individuelle Herzklappe genau für den jeweils betroffenen Patienten umgewandelt werden kann. Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur „personalisierten Medizin“, der optimierten individuellen Behandlung von Patienten.

In dem Gemeinschaftsprojekt konnte nachgewiesen werden, dass sich das Tiefziehen, das ursprünglich im Maschinenbau entwickelt wurde, und breit eingesetzt wird, um Bleche oder Kunststoffe umzuformen, auch für die Bearbeitung biologischer Materialien eignet. Benötigt wird dazu das richtige Werkzeug für die Herstellung.
Hierbei ist hoch präzise Technik gefragt, um die notwendige Passgenauigkeit zu sichern – eine besondere Domäne der Wildauer Mikrotechniker. Mit dem Tiefziehwerkzeug wird dann in einem aufwendigen Prozess, bei dem eine Reihe spezieller biologischer Prozessschritte notwendig sind, eine neue Herzklappe für den Patienten aus dem Herzbeutelgewebe (Perikard) eines Schafs hergestellt.

Anschließend näht man diese extrem leichte und flexible neue Herzklappe in einen Stent ein und fixiert sie schließlich in einem Herzkatheter. Der Facharzt ist nun in der Lage, diese neue Herzklappe minimalinvasiv über die Blutgefäße an der richtigen Stelle zu positionieren. Dies schont den Patienten, der diese Operation bei vollem Bewusstsein erlebt. Es ist keine Narkose notwendig, kein Herzstillstand, keine blutige Operation, keine Herz-Lungen-Maschine.

Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Berlin und Wildau konzentrieren sich aktuell auf den Einsatz für besonders gefährdete Patientengruppen: ältere Menschen sowie Säuglinge und Kleinkinder. Diese sind durch die bisher übliche, oft lebensgefährliche offene Herzoperation einem hohen Risiko ausgesetzt. Mit der neuen Methode können sie zukünftig schonend behandelt werden. Wenn alles funktioniert – und davon sind die Wissenschaftler überzeugt –, soll das Verfahren auch für „normal“ gefährdete Patienten weiterentwickelt werden.

Bernd Schlütter | idw
Weitere Informationen:
http://www.th-wildau.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Highspeed-Laser erkennt Krebs in zwei Minuten
25.04.2017 | University of Hong Kong

nachricht Pharmacoscopy: Mikroskopie der nächsten Generation
25.04.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie