Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wir nehmen die Augenbinde ab

26.04.2010
Bayreuther Forscher verfügen künftig über ein Konfokal- Kraftmikroskop, das auch dem Kampf gegen Krebs dient

Das erste Konfokal-Kraftmikroskop der deutschen Materialwissenschaften wird künftig an der Universität Bayreuth eingesetzt. Einen entsprechenden Großgeräteantrag hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt genehmigt. Den Bayreuther Wissenschaftlern wird das Spezialmikroskop voraussichtlich ab Mitte dieses Jahres zur Verfügung stehen.

Den Antrag für dieses Großgerät hatte Professor Dr. Andreas Fery, Inhaber des Lehrstuhls für Physikalische Chemie II, gestellt – doch wird er nicht allein in den Genuss kommen, mit dem hochentwickelten, leistungsstarken und etwa 700.000 Euro teuren Mikroskop zu arbeiten. Auch andere Forschergruppen aus der Physik, der Chemie und den Ingenieurwissenschaften der Universität Bayreuth werden es nutzen.

In der Kombination, sagt Fery, steckt der entscheidende Vorteil des Geräts: Mit Kraftmikroskopen tasten Forscher Oberflächen mit einer sehr feinen Spitze ab und erfahren so vieles über die mechanischen Eigenschaften auch komplexer Objekte. „Ein Kraftmikroskop“, erklärt der Bayreuther Universitätsprofessor, „hat also sehr viel Gefühl. Aber es hat einen entscheidenden Nachteil: Es ist quasi blind.“ Ein Konfokalmikroskop hingegen erlaubt es, Objekte mit sehr hoher Auflösung auch dreidimensional im allerkleinsten Detail sichtbar zu machen. „Indem beide Eigenschaften in einem Gerät zueinander finden, behalten wir also unser extrem gutes Gefühl und nehmen die Augenbinde ab“, verdeutlicht Fery.

Dies ist nicht nur technisch faszinierend und für Wissenschaftler ein extrem hilfreiches Werkzeug. Konfokal-Kraftmikroskope unterstützen zugleich handfeste forscherische Vorhaben. So startet in diesen Tagen auf europäischer Ebene ein Medizinprojekt, an dem zehn Partner und eben auch die Universität Bayreuth beteiligt sind. Sie alle forschen an gasgefüllten Mikrokapseln, die eines nicht allzu fernen Tages Patienten mit einer Spritze injiziert werden sollen. Diese Kapseln sind Kontrastverstärker, sie lassen also Ultraschallbilder und Darstellungen aus Computertomographen deutlicher werden. Und: Die Oberfläche dieser Mini-Kapseln soll Krebs erkennen und sich an Krebszellen anlagern.

Bis es soweit ist und Kapseln im Körper des Patienten Krebs aufspüren, sind indes noch einige Hürden zu überspringen – Fery: „Die tollsten Mikrokapseln nutzen gar nichts, wenn sie im Körper des Patienten kaputt gehen. Wir stehen vor ganz trivialen, aber eben auch ganz wichtigen Fragen: Wann platzt eine solche Kapsel? Wie verhält sie sich unter Einwirkung, wie sehen ihre mechanischen Eigenschaften tatsächlich aus?“

Nach Antworten nicht nur auf diese Fragen wollen die Bayreuther Forscher mit Hilfe des Konfokal-Kraftmikroskops suchen. Einen zweiten Anwendungsbereich nennt Professor Dr. Fery beispielhaft. Compositmaterialien rücken zusehends in den Fokus, weil ihnen bestenfalls gelingt, was sonst nur die Natur kann: Die positiven Eigenschaften zweier Materialien zu kombinieren – Perlmutt ist so ein natürliches Wundermaterial oder auch Knochen oder Horn. „Horn ist hart und trotzdem biegsam“, sagt Fery, weil die Natur auf der Nano- und Mikroskala Stoffe miteinander verbindet. Dies auf künstliche Materialien zu übertragen, sei eine Herausforderung vor der die Szene der Materialwissenschaft derzeit steht. Klar ist dabei: Fortschritte können nur gelingen, wenn genaue Analysen auf der Nano- und der Makroskala möglich sind. „Und dazu“, sagt Fery, „brauchen wir das Konfokal-Kraftmikroskop.“

Die Finanzierung des Gerätes übernehmen jeweils zur Hälfte der Bund und das Land. Die Mittel des Freistaats stammen vorwiegend aus dem Programm „Bayern

exzellent“, das auf eine Verstärkung der Bayreuther Infrastruktur für einen Antrag im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder abzielt. Die Koordination des Bundeszuschusses übernimmt bei solchen Anschaffungen die Deutsche Fördergemeinschaft. Und die hat jetzt grünes Licht gegeben.

Frank Schmälzle | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neues DaVinci-OP-System: Universitätsmedizin Mainz erweitert Spektrum an robotergestützten OP´s
03.02.2017 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Deutschlandweit erste Installation: Kompakter Roboter assistiert bei MRT-geführter Prostatabiopsie
02.02.2017 | Universitätsklinikum Leipzig AöR

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie