Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Nadel im Nadelhaufen finden

18.03.2013
Hector-Stiftung finanziert ultrasensitives Massenspektrometer im Deutschen Krebsforschungszentrum

Gegen welche Strukturen des krebserregenden humanen Papillomvirus (HPV) lohnt es sich, einen therapeutischen Impfstoff zu entwickeln? Welche Marker finden sich im Blut von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Diesen Fragen gehen die Nachwuchsgruppenleiter PD Dr. Dr. Angelika Riemer und Dr. Christoph Rösli im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) nach. Das dazu benötigte Spezialgerät, ein ultrasensitives Massenspektrometer, steht den Wissenschaftlern nun dank einer großzügigen Spende der Hector-Stiftung II zur Verfügung. Deren Gründer, Dr. h.c. Hans-Werner Hector, nahm das 500.000 Euro teure Gerät persönlich in Augenschein.

„Als Nachwuchswissenschaftler ist es nicht leicht, ein Gerät für eine halbe Million Euro über die üblichen Drittmittelgeber wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder das Bundesforschungsministerium zu finanzieren“, fasst Christoph Rösli die Ausgangssituation für ihn und seine Kollegin Angelika Riemer zusammen. Beide benötigen für ihre Forschungen ein Massenspektrometer, mit dem man kleinste Mengen bestimmter winziger Eiweißmoleküle aus einer hochkomplexen Mischung – die Nadel im Nadelhaufen – nachweisen kann. Als Türöffner erwies sich das BioRN Cluster Management, Vermittler zwischen den verschiedenen Partnern aus dem Umfeld der Lebenswissenschaften in der Rhein-Neckar-Region. „Hier bestand der Kontakt zur Hector-Stiftung“, erzählt Riemer. Ein Telefonat mit Hans-Werner Hector habe schließlich zum Erfolg geführt.

Angelika Riemer arbeitet an einem therapeutischen HPV-Impfstoff. Er soll Patienten auch dann noch helfen, wenn sie bereits mit dem Humanen Papillomvirus HPV infiziert sind. Die bisher verfügbaren Impfstoffe gegen HPV sind Schutzimpfstoffe, sie schützen vor der Infektion mit dem Virus. Sobald das Virus jedoch die Zellen des Gebärmutterhalses, des Analbereiches oder der Mundhöhle befallen hat, bleiben sie wirkungslos. „Hier möchten wir ansetzen“, erklärt Riemer. „Die infizierten Zellen präsentieren auf ihrer Oberfläche Bruchstücke des Virus, das in ihnen steckt. Welche Bruchstücke das sind, können wir mit Hilfe des neuen Massenspektrometers herausfinden.“ Mit den präsentierten Eiweiß-Bruchstücken möchte Riemer die infizierten Menschen impfen, damit ihr Immunsystem die virusinfizierten Zellen erkennt und vernichtet. Die 36 Jahre junge Österreicherin hat bereits an der Harvard Medical School in Boston an therapeutischen Impfstoffen gearbeitet.

Christoph Rösli, der eine Forschungsgruppe im Stammzellinstitut HI-STEM im DKFZ leitet, interessiert sich dagegen für den Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Neueste Erkenntnisse zeigen, dass es mindestens drei verschiedene Gruppen von Patienten gibt, die unterschiedlich gut auf die Therapie ansprechen. Bisher werden alle Patienten weitgehend gleich behandelt. Wenn wir wüssten, bei welcher Gruppe welche Medikamente am besten wirken, könnten wir die Behandlung wesentlich effektiver gestalten“, fasst er seinen Forschungsansatz zusammen. Rösli und sein Team untersuchen dazu bösartige Stammzellen, die sie direkt aus Bauchspeicheldrüsentumoren isoliert und in Kulturschalen vermehrt haben. Dabei konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Tumorstammzellen der verschiedenen Patientengruppen unterschiedliche Eiweißmoleküle an ihre Umgebung abgeben, um ihre Blutversorgung sowie das Tumorwachstum anzukurbeln. Ob dies auch im Patienten zutrifft und diese Eiweiße dann sogar ins Blut abgegeben werden, möchte Rösli mithilfe des neuen Massenspektrometers herausfinden. „Unser Ziel ist es, möglichst schon vor der Behandlung anhand einer Blutprobe feststellen zu können, wer von welchen Medikamenten profitiert“, erklärt der 33jährige Schweizer, der zuvor an der ETH Zürich tätig war.

„Wir sind Hans-Werner Hector und seiner Stiftung zu großem Dank verpflichtet“, sagte Prof. Dr. Dr. h.c. Otmar D. Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums anlässlich des Besuchs des Stifters. „Wenn wir um die weltweit besten Wissenschaftler aus den international angesehensten Forschungsinstituten konkurrieren wollen, müssen wir auch Top-Arbeitsbedingungen anbieten. Dazu gehört natürlich auch die Ausstattung mit modernsten High-Tech Geräten.“ Hans-Werner Hector zeigte sich ebenfalls erfreut: „Deutschland hat keine Bodenschätze, unser Kapital sind die klugen Köpfe: Und die fördern wir gerne!“

Bilder zum Download stehen zur Verfügung unter:

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2013/images/hector_01.jpg
Bildunterschrift: Senator e.h. Dr. h.c. Hans-Werner Hector, Vorstandsvorsitzender der Hector-Stiftung II, PD Dr. Dr. Angelika Riemer, Dr. Christoph Rösli

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2013/images/hector_02.jpg
Bildunterschrift: Uwe Bleich, Vorstandsmitglied der Hector-Stiftung II, Prof. Dr. Peter Krammer, Senator e.h. Dr. h.c. Hans-Werner Hector, Vorstandsvorsitzender der Hector-Stiftung II, PD Dr. Dr. Angelika Riemer, Dr. Christoph Rösli, Prof. Dr. Dr. h.c. Otmar D. Wiestler, Horst-Bodo Schauer, Vorstandsmitglied der Hector-Stiftung II

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Diese Pressemitteilung ist abrufbar unter www.dkfz.de/pressemitteilungen

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968
presse@dkfz.de

Dr. Sibylle Kohlstädt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
presse@dkfz.de

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt
16.01.2017 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Fernüberwachung bei Herzschwäche kann Klinikaufenthalt ersparen
09.01.2017 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie