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MRT zur Risikoermittlung für Schlaganfall und Herzinfarkt bei Diabetikern

11.09.2013
Neue Studie in Radiology veröffentlicht

Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für die Atherosklerose – also jene Ablagerungen in den Wänden der Blutgefäße, die besonders die kleinen und mittelgroßen Adern in Herz und Gehirn verstopfen können. Dann drohen Herzinfarkt beziehungsweise Schlaganfall.

Allerdings verläuft dieser Prozess bei jedem Patienten unterschiedlich und hängt auch vom Erfolg der Diabetes-Behandlung ab. Wie hoch das Risiko der betroffenen Zuckerkranken wirklich ist, lässt sich mit einem Ganzkörperscan in der Kernspintomographie verlässlich bestimmen. Das haben Radiologen des Klinikums der Universität München unter Federführung von Privat-Dozent Dr. Fabian Bamberg jetzt in einer Studie ermittelt (doi: 10.1148/radiol.13130371).

„Wir können mit der Magnetresonanz-Tomografie (MRT) den gesamten Körper ohne Strahlenbelastung untersuchen“, erklärt der Radiologe am Klinikum, „deshalb ist das Verfahren auch so schonend.“

„Es scheint so zu sein, dass man das Risiko sehr genau abschätzen kann, wenn man sich mehrere Gefäßsysteme und Organsysteme im Organismus mit der MRT anschaut. Die krankhaften Prozesse der Diabetiker betreffen ja auch den ganzen Körper“, erklärt Bamberg.

In Zusammenarbeit mit Prof. Klaus Parhofer von der Medizinischen Klinik II in Großhadern haben die Radiologen 65 Patienten in ihre Studie eingeschlossen. Sie litten durchschnittlich seit zehn Jahren an Diabetes. Etwa eine Stunde lang wurden ihre Körper im Magnetresonanz-Tomografen untersucht. Danach haben die Münchner Mediziner die Bilder ausgewertet und für jeden einzelnen Diabetiker eine Aussage getroffen, wie wahrscheinlich er in den kommenden Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden wird. Nach durchschnittlich sechs Jahren fragten die Mediziner die Teilnehmer, ob in der Zwischenzeit ein solches Ereignis eingetreten ist.

Die Ergebnisse:

- Patienten ohne jegliche Veränderungen sind offenbar mittel- bis langfristig nicht gefährdet, und das obwohl sie schon seit langem am Diabetes erkrankt sind. „Keiner dieser Patienten erlitt in dem Nachfolgezeitraum Komplikationen“, sagt Bamberg. Diese Patienten sollte man mit dem guten Ergebnis motivieren, weiter konsequent auf ihre bisherige Behandlung und Präventionsmaßnahmen zu setzen.

- Patienten mit Veränderungen in den Gefäßen des Körpers, am Gehirn oder am Herzen, hatten nach drei Jahren durchschnittlich ein Risiko von 20 Prozent und nach sechs Jahren von 35 Prozent, einen Infarkt in Herz oder Gehirn zu erleiden. Für diese Patienten gilt es, die Therapie zu intensivieren und sie noch mehr zu animieren, an risikosenkenden Maßnahmen wie Sport teilzunehmen.

Fabian Bamberg gibt zu bedenken, dass die neuen Ergebnisse, obwohl sie „ermutigend“ sind, noch in größeren Studien mit mehr Patienten bestätigt werden müssen. In München erfolgt die Datenerhebung bereits in der sogenannten KORA-Kohorte zusammen mit dem Helmholtz-Zentrum. Neue Resultate erwartet der Radiologe in wenigen Jahren. Er ist überzeugt, „dass sich dieses anspruchsvolle Verfahren durchsetzen kann, um das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko von Diabetikern genauer abschätzen zu können.“

Ansprechpartner:
PD Dr. Fabian Bamberg
Institut für Klinische Radiologie
Klinikum der Universität München
Tel: +49 (0)89 / 7095-3274
E-Mail: fabian.bamberg@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2012 an den Standorten Großhadern und Innenstadt 473.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Den 45 Fachkliniken, Instituten und Abteilungen sowie den 45 interdisziplinären Zentren stehen 2.080 Betten zur Verfügung. Von insgesamt über 10.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner und 3.400 Pflegekräfte. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2012 rund 78 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an fünf Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 596, 684, 914), an drei Transregios (TR 05, 127, 128), zwei Forschergruppen (FOR 535, 809) sowie an zwei Graduiertenkollegs (GK 1091, 1202) beteiligt. Hinzu kommen die vier Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP), „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) und „Munich Cluster for Systems Neurology“ (SyNergy) sowie die Graduiertenschulen „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU) und „Graduate School of Quantitative Biosciences Munich (QBM)“.

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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