Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mittelohr-Mikrofon macht Hörhilfe unsichtbar

02.05.2012
Prototyp für Cochlea-Hörimplantat kommt ohne externe Bauteile aus

Eine Verbesserung des Cochlea-Hörimplantats kündigen Forscher der University of Utah an: Sie haben ein Mikrofon entwickelt, das hinter dem Trommelfell im Mittelohr eingepflanzt wird und dort Signale an das Innenohr weitersendet. Der größte Vorteil der bislang erst als Prototyp verfügbaren Technik: Man sieht sie von Außen nicht - und sie kann auch beim Schwimmen oder mit einem Helm getragen werden, informiert die Fachzeitschrift "Transactions on Biomedical Engineering".


Mini-Mikro im Ohr: Völlig unsichtbare Gehörlosen-Hörhilfe (Foto: utah.edu)

Mikrofon hinter Trommelfell

Das Cochlea-Implantat ist eine Hörprothese für Gehörlose mit noch funktionstüchtigem Hörnerv. Sein Kernstück ist ein in die Hörschnecke (Cochlea) verlegtes Implantat, das die Haarzellen durch Elektroden stimuliert. Mit den nötigen Impulsen versorgt wird dieses Implantat bisher durch ein hinter der Ohrmuschel platziertes Mikrofon, dessen Signale von einem Sprachprozessor unter der Haut verarbeitet und von einer Sendespule übermittelt wird. Rund 220.000 Menschen weltweit leben derzeit mit einem Cochlea-Implantat.

Anders als bei den bisherigen Modellen gelang es den US-Forschern, alle Bauteile ins Mittel- bzw. Innenohr zu verlegen. Ein spezieller Sensor fängt dazu Schwingungen des Trommelfells an dessen zentraler Stelle ("Nabel") auf und gibt sie an einen Chip weiter, der das Signal verstärkt und in elektrische Impulse für den Sprachprozessor umwandelt. In Summe ergibt das die Funktion eines Mikrofons der Größe von derzeit 2,5 mal 6,2 Millimeter, wobei eine weitere Verkleinerung auf zwei mal zwei Millimeter möglich scheint. Aufgeladen wird der Akku durch ein Ladegerät, das beim Schlafen als Kopfhörer angelegt wird.

Beethovens Neunte: Dumpf, aber hörbar

Getestet wurde das Hörimplantat bisher erst bei drei Leichen. Was die Forscher dabei herausfanden: Die Vibration im "Nabel", wie die in der Mitte des Trommelfells gelegene Verbindung zum Hammer-Knochen bezeichnet wird, vibriert dann besonders stark, wenn man zuerst den Amboss-Knochen entfernt. Da ein derartiger Eingriff spezielle behördliche Erlaubnis benötigt, dauert es bis zum ersten Einsatz bei lebenden Menschen noch drei Jahre, sagen die Forscher.

Immerhin gelang es bei den Tests jedoch, die zu erwartenden Ergebnisse dieses Implantats darzustellen. Die Forscher leiteten dazu die Signale der Mikrofon-Einheit an einen externen Lautsprecher statt an den Sprachprozessor und das Innenohr weiter, wie man bei einer lebenden Person verfahren würde. Mittlere Tonhöhen in Gesprächslautstärke werden sehr wohl registriert, während es bei ruhigeren Geräuschen und im Niederfrequenz-Bereich noch Probleme gibt. Beethovens Neunte klang im Test dumpf und abgeschwächt, entsprechende Filter sollen hier jedoch in Zukunft Verbesserungen erzielen.

Kosmetik überbewertet

Sowohl herkömmliche Hörgeräte als auch Cochlea-Implantate werden immer kleiner und lassen sich teils bereits in den Hörkanal platzieren. Experten bezweifeln dennoch, dass die Sichtbarkeit des Geräts eine vorrangige Bedeutung für die Träger hat. "Träger von Cochlea-Implantaten sind meist gehörlose Menschen. Der Hörgewinn ist für sie wichtiger als die Kosmetik. Ist bei einem Versagen oder für die erneute Einstellung des Gerätes eine erneute Operation nötig, wäre dies ein erheblicher Nachteil", betont Erika Rychard von der Cochlea-Interessengemeinschaft Schweiz http://cochlea-implantat.ch gegenüber pressetext.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.utah.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht UKR setzt auf roboterassistierte Wirbelsäulenchirurgie
02.12.2016 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neu entwickeltes Plasmaskalpell ermöglicht schonende Operationen
22.11.2016 | FH Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie