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Nach Projekten zur minimal-invasiven Implantation von Aorten- und Trikuspidalklappe arbeiten sie jetzt an einem Verfahren, mit Hilfe dessen auch die Mitralklappe ohne große Herzoperation ersetzt werden kann. Das BMBF fördert das auf zwei Jahre angelegte Entwicklungsprojekt mit bis zu 300.000 Euro.
Bei etwa 20% aller Patienten mit Herzerkrankungen ist die Mitralklappe mitbetroffen; schließt diese Herzklappe nicht richtig, so fließt Blut von der linken Herzkammer in den Herzvorhof zurück. Neben Erschöpfung und Atemnot sind Wasseransammlungen in der Lunge und ein erhöhtes Infektionsrisiko im Herzen die gefährlichen Folgen. Eine offene Operation mit Vollnarkose und Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist für die häufig älteren Patienten mit zahlreichen Begleiterkrankungen oft eine zu große Belastung. Dann bleibt den Kardiologen bisher nur die unzureichende medikamentöse Behandlung der Symptome.
„Wir entwickeln die fortgeschrittene Herzkathetertechnik weiter, um damit auch Patienten mit Mitralklappenerkrankungen minimal-invasiv behandeln zu können“, beschreibt Dr. Alexander Lauten, Leiter der Forschungsgruppe, das aktuelle Vorhaben. Die Kardiologen arbeiten gemeinsam mit Industriepartnern an dem Projekt, bei dem die Klappenprothese durch einen von der Leistenschlagader bis zum Herzen geführten Katheter an die Stelle der nicht mehr funktionierenden Klappe im Herzen implantiert wird. Die biologischen Klappenprothesen sind dabei auf ein spezielles stabilisierendes Metallgeflecht aufgebracht. Der kathetergeführte Klappenersatz wird bereits seit drei Jahren zur Behandlung von Aortenklappenerkrankungen am Jenaer Universitätsklinikum durchgeführt. Ein entsprechendes Verfahren für die Mitralklappe würde eine Behandlungsmöglichkeit für Risikopatienten eröffnen, die bisher nicht operiert werden können.
Dennoch ist das Verfahren nicht einfach die Anwendung einer bewährten Technik an einem anderen anatomischen Ort, sie wirft völlig neue Frage auf. „Die Mitralklappe hat im Vergleich zur Aortenklappe eine andere komplexe Struktur und verändert sich während des Herzzyklus ständig. Es ist eine Herausforderung, hier eine Klappenprothese fest und dicht zu verankern“, so Dr. Lauten. Mit dem Förderpreis des BMBF, der auf dem Innovationsforum Medizintechnik am 28. Oktober in Berlin übergeben wurde, können die Mediziner jetzt experimentelle Vorstudien starten.
Professor Hans Figulla, Direktor der Klinik für Innere Medizin I in Jena, ist einer der Pioniere auf dem Gebiet der Entwicklung kathetergeführter Herzklappenersatzsysteme. Er ist vom großen Nutzen minimal-invasiver Verfahren des Herzklappenersatz überzeugt: „Sie eröffnen uns die Möglichkeit, die wachsende Zahl von Herzpatienten im hohen Alter angemessen behandeln zu können. Mit der Unterstützung des BMBF können wir unsere weltweit bedeutende Rolle auf dem Gebiet ausbauen und nicht zuletzt durch Innovationen Arbeitsplätze in der Medizintechnik hier in Deutschland schaffen.“, so der Jenaer Kardiologe.
Kontakt:
Dr. Alexander Lauten
Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Jena
Telefon : 03641-9324518
E-Mail: alexander.lauten[at]med.uni-jena.de
Dr. Uta von der Gönna | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-jena.de
Weitere Berichte zu: Aortenklappe > BMBF > Herz-Lungen-Maschine > Herzkathetertechnik > Herzzyklus > Kardiologie > Katheter > kathetergeführter Klappenersatz > Klappenprothese > Medizintechnik > Mitralklappe > Mitralklappen > Trikuspidalklappe
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