Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch Mitralklappen minimal-invasiv mittels Katheter implantieren

29.10.2010
Bereits zum 4. Mal wurden die Kardiologen des Universitätsklinikums Jena mit dem Innovationspreis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ausgezeichnet.

Nach Projekten zur minimal-invasiven Implantation von Aorten- und Trikuspidalklappe arbeiten sie jetzt an einem Verfahren, mit Hilfe dessen auch die Mitralklappe ohne große Herzoperation ersetzt werden kann. Das BMBF fördert das auf zwei Jahre angelegte Entwicklungsprojekt mit bis zu 300.000 Euro.

Bei etwa 20% aller Patienten mit Herzerkrankungen ist die Mitralklappe mitbetroffen; schließt diese Herzklappe nicht richtig, so fließt Blut von der linken Herzkammer in den Herzvorhof zurück. Neben Erschöpfung und Atemnot sind Wasseransammlungen in der Lunge und ein erhöhtes Infektionsrisiko im Herzen die gefährlichen Folgen. Eine offene Operation mit Vollnarkose und Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist für die häufig älteren Patienten mit zahlreichen Begleiterkrankungen oft eine zu große Belastung. Dann bleibt den Kardiologen bisher nur die unzureichende medikamentöse Behandlung der Symptome.

„Wir entwickeln die fortgeschrittene Herzkathetertechnik weiter, um damit auch Patienten mit Mitralklappenerkrankungen minimal-invasiv behandeln zu können“, beschreibt Dr. Alexander Lauten, Leiter der Forschungsgruppe, das aktuelle Vorhaben. Die Kardiologen arbeiten gemeinsam mit Industriepartnern an dem Projekt, bei dem die Klappenprothese durch einen von der Leistenschlagader bis zum Herzen geführten Katheter an die Stelle der nicht mehr funktionierenden Klappe im Herzen implantiert wird. Die biologischen Klappenprothesen sind dabei auf ein spezielles stabilisierendes Metallgeflecht aufgebracht. Der kathetergeführte Klappenersatz wird bereits seit drei Jahren zur Behandlung von Aortenklappenerkrankungen am Jenaer Universitätsklinikum durchgeführt. Ein entsprechendes Verfahren für die Mitralklappe würde eine Behandlungsmöglichkeit für Risikopatienten eröffnen, die bisher nicht operiert werden können.

Dennoch ist das Verfahren nicht einfach die Anwendung einer bewährten Technik an einem anderen anatomischen Ort, sie wirft völlig neue Frage auf. „Die Mitralklappe hat im Vergleich zur Aortenklappe eine andere komplexe Struktur und verändert sich während des Herzzyklus ständig. Es ist eine Herausforderung, hier eine Klappenprothese fest und dicht zu verankern“, so Dr. Lauten. Mit dem Förderpreis des BMBF, der auf dem Innovationsforum Medizintechnik am 28. Oktober in Berlin übergeben wurde, können die Mediziner jetzt experimentelle Vorstudien starten.

Professor Hans Figulla, Direktor der Klinik für Innere Medizin I in Jena, ist einer der Pioniere auf dem Gebiet der Entwicklung kathetergeführter Herzklappenersatzsysteme. Er ist vom großen Nutzen minimal-invasiver Verfahren des Herzklappenersatz überzeugt: „Sie eröffnen uns die Möglichkeit, die wachsende Zahl von Herzpatienten im hohen Alter angemessen behandeln zu können. Mit der Unterstützung des BMBF können wir unsere weltweit bedeutende Rolle auf dem Gebiet ausbauen und nicht zuletzt durch Innovationen Arbeitsplätze in der Medizintechnik hier in Deutschland schaffen.“, so der Jenaer Kardiologe.

Kontakt:
Dr. Alexander Lauten
Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Jena
Telefon : 03641-9324518
E-Mail: alexander.lauten[at]med.uni-jena.de

Dr. Uta von der Gönna | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften