Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikrowellen-Trocknung

01.10.2009
Schnelle und präzise Feuchte/- Feststoff-Bestimmung

CEM GmbH, Pionier und Marktführer in der Mikrowellen-Labortechnik, Carl-Friedrich-Gauß-Str. 9, 47475 Kamp-Lintfort.

In praktisch allen Produktionsprozessen der Chemie, der Pharmazie, der Lebensmittelindustrie, der Klärschlammbehandlung, der Kosmetik sowie der Papierindustrie sind der Feuchtigkeits- oder Feststoffgehalt des Eingangs-, Zwischen- und Endprodukts ein wesentliches Qualitätsmerkmal und ein bedeutender Kostenfaktor.

Es gilt also, die Materialfeuchte bzw. den Feststoffgehalt möglichst genau und gleichmäßig auf dem optimalen Wert zu halten, der oft als "goldene Mitte" zwischen Produkteigenschaften und Produktkosten vom Betrieb ermittelt wurde oder durch übergeordnete Bestimmungen und Normen festgelegt ist.

Die Ermittlung des Feuchte- bzw. Feststoffgehaltes stellt an die begleitende und überwachende Analytik spezielle Anforderungen wie z.B. hinsichtlich der Schnelligkeit, der Einbindung in Informationssysteme, Verlagerung der Messung vom analytischen Labor hin zum Produktionsort, robuste Apparaturen ("Handschuhtauglichkeit") sowie einfache Handhabung durch teilweise nur angelerntes Personal. Ferner spielt der Kostenaspekt eine große Rolle bezüglich der Amortisation bei der Anschaffung der entsprechenden Analysensysteme. So sind niedrige Kosten im Dauerbetrieb angestrebt, auch wenn daraus ggf. teurere Grundinvestitionen resultieren.

Je nach Branche und Verfahrensablauf eröffnet der Einsatz eines Schnellanalysen-Systems eine Reihe von Einsparungsmöglichkeiten im Rahmen der Feuchte- bzw. Feststoffmessung:

Bessere und gleichmäßigere Qualität der Ausbeute durch exakte Messung und Regelung des "Stoffhaushalts" in engen Toleranzen.Verkürzung des Prozesses durch kürzere Wartezeiten und somit die Verkürzung von Kesselbelegungszeiten. Schutz vor Ausschuss durch schnelle Kontrollen = Erhöhung der Ausbeute.Verbesserung der Energiebilanz durch schnelle und genaue Steuerung des Verfahrens.

Direkt oder indirekt?
Das zu wählende Messverfahren muss für diese Anforderungen in einem weiten Bereich an Feuchte von 1...99,99 % präzise und schnell (in wenigen Minuten) einsetzbar sein. Zudem sollen geringfügige Änderungen der Produktzusammensetzung keine negativen Auswirkungen auf das Messergebnis haben. Ferner muss sich das Messgerät von jedermann, auch Mitarbeitern außerhalb des Labors, einfach und in wenigen Arbeitsminuten pro Messung bedienen lassen.
Indirekte Messverfahren wie z.B. die NIR-Spektrometrie oder Mikrowellenadsorption ermöglichen tatsächlich kürzeste Bestimmungszeiten, die Messung unmittelbar über dem Produktstrom und damit die automatische Regelung des Prozesses. Sie ermitteln die Feuchtigkeit jedoch indirekt, d.h. über den Umweg einer physikalischen Messgröße. Alle indirekten Verfahren müssen daher produkt- und oftmals sortenspezifisch und sehr aufwendig kalibriert werden, d.h. sie sind nur für Messungen an Produkten geeignet, die bezüglich ihrer chemischen Struktur und physikalischen Eigenschaften bekannt und homogen sind und über lange Zeit unverändert verarbeitet werden. So erschweren z.B. Schwankungen in der Produktfarbe, der Körnung, der Oberflächenbeschaffenheit oder der Schüttdicke und -dichte eine exakte Messung.
Direkte Messverfahren wie z.B. die Trockenschrankmethode oder die Mikrowellen-Trocknung müssen nicht produktspezifisch kalibriert werden und reagieren längst nicht so kritisch auf Veränderungen der Produkteigenschaften. Problematisch ist die Zeitintensität der klassischen Analyse mit dem Trockenschrank nach DIN. Da das Ergebnis häufig erst Stunden später nach Analysenbeginn vorliegt, können schnelle Entscheidungen und ein Eingreifen in die laufende Produktion nicht erfolgen. Über den gesamten Feuchtebereich von 0,1...99,9 % gewährleisten der Mikrowellen-Schnellanalysator SMART 5TM und der Mikrowellen-Trockenschrank SAM 255 von CEM bei typischen Trocknungszeiten von 2 min eine deutliche Analysenzeitverkürzung bei gleichbleibender analytischer Güte und stellen somit eine Alternative zur etablierten konventionellen Technik dar (Bild 1 und Bild 2).
Universelle Mikrowellen-Bestimmung
Die schnellste direkte Messmethode für Feuchte und Feststoff ist die Mikrowellen-Trocknung. Die Mikrowellenerwärmung stellt einen Spezialfall des dielektrischen Erwärmens dar. Im Gegensatz zur konvektiven Erwärmung (z.B. im Trockenschrank oder auf Heizplatten), bei der Wärmeenergie dem Probengut von außen durch Konvektion, Strahlung oder Leitung zugeführt und dann über dessen Wärmeleitfähigkeit innerhalb des Probengutes verteilt wird, entsteht die Wärme beim dielektrischen Erwärmen (Mikrowellen-Erwärmung) im Gutinneren selbst. Nahezu alle festen, pastösen und flüssigen Produkte lassen sich mittels Mikrowellenstrahlung dielektrisch erwärmen. Bei der Mikrowellen-Trocknung werden die polaren Wassermoleküle der Probe (Käse, Quark, Harz, Farbe und ähnliches ...) einem fokussierten Mikrowellenfeld ausgesetzt, was wiederum zur Wärmeentwicklung im Inneren der Probe durch intramolekulare Reibung der Wassermoleküle führt (Dipolrotation & Ionenleitung). Bei lösungsmittelhaltigen Proben, wie Industriechemikalien, Kosmetika, Lacke, Kleber, Harze... werden die Lösungsmittel zur Erwärmung angeregt und verdampfen aus der Probe, bis der Feststoffgehalt vom Mikrowellentrockner ermittelt wird. Als Fazit für die Trocknung gilt somit: Die Wasser- bzw. Lösungsmittelmoleküle der Probe werden in einem Mikrowellenfeld erwärmt und ausgetrieben [1].
Haushaltsgeräte ungeeignet
Wie bereits beschrieben, ist das fokussierte Mikrowellenfeld für eine gleichmäßig präzise Aufwärmung des Probengutes von entscheidender Bedeutung. Ungleichmäßige Erwärmung der Probe kann zur Folge haben, dass lokale Überhitzungen auftreten, die zur Verbrennung bzw. Zersetzung der Probe führen. So wurde für ei- ne exakte Feuchtebestimmung das Mikrowellen-Analysensystem SMART 5TM entwickelt, welches das Mikrowellenfeld gleichmäßig ausbildet und fein zu regeln vermag. Große Probengüter wie Schalen mit Pasten, Körnern oder Flüssigkeiten werden im Mikrowellen-Trockenschrank SAM 255 schnell und präzise getrocknet. Je höher der Gehalt an freiem Wasser in der Probe ist, desto besser können die Mikrowellenstrahlen "einkoppeln" und das Wasser schnell austreiben [2]. Umso deutlicher ist dann auch der Zeitvorteil gegenüber anderen Schnellverfahren, die das Wasser z.B. mittels Strahlungswärme entfernen. Typische Anwendungen findet man daher in der Nahrungsmittelindustrie bei Milch- und Fleischprodukten, Soßen, Mayonnaisen und allen flüssigen bis pastösen Materialien in der chemischen Industrie (Farben, Lacke, Klebstoffe, Harze) sowie in der Kosmetik-, Papier- und Farbindustrie [3].
Im SMART 5 wird das Probengut auf ein saugfähiges Probenträgermaterial gegeben und auf die im Mikrowellengerät eingebaute Waage gelegt. Der Trocknungsverlauf ist direkt an die Erwärmung des Probengutes gekoppelt, so dass hier die Gefahr einer Zersetzung (z.B. bei Kohlenhydraten) der Probe minimiert ist. Ein Temperatursensor regelt die Mikrowellenstrahlung und verhindert ein Zersetzen der Probe (Bild 4). Damit kann das SMART auch für sensible Proben, Farben und Lacke... etc. eingesetzt werden.
Um die gleiche Genauigkeit zu ermöglichen, die nach den DIN-Methoden mit Trockenschrank und Analysenwaage erreichbar ist, wurde das SMART 5 mit einer integrierten Waage mit einer Auflösung von 0,0001 g ausgestattet. Diese eingebaute Analysenwaage nimmt ständig das Probengewicht auf und sorgt während des Trocknungsvorganges für die Abschaltung bei Gewichtskonstanz nach wenigen Minuten Messdauer. Der entstandene Wasserdampf wird über ein Ventilationssystem schnell aus dem Probenraum transportiert.
Zu den Anforderungen einer kurzen Messzeit und einer hohen Präzision kommt in der Praxis zudem die Frage der Vergleichbarkeit mit der "Standardmethode Trockenschrank" oder der Karl-Fischer-Titration zum Tragen. Hier zeigen Untersuchungen, dass mit dem CEM-Mikrowellentrockner vergleichbare Ergebnisse mit höherer Präzision erzielt werden und diese Technologie deshalb uneingeschränkt als Verbesserung der Trockenschrankmethode empfohlen wird [4].
Eine drastische Reduzierung der Fehlermöglichkeiten und somit eine Steigerung der Präzision erfolgt durch den hohen Automatisationsgrad im SMART: Der Anwender gibt die Probe auf die Probenträger und startet den Trocknungsvorgang. Der Mikrowellentrockner wiegt die Probe, trocknet und wiegt permanent während der Trocknung zurück, um den Endpunkt zu ermitteln, anschließend wird das Ergebnis berechnet und über den integrierten Bildschirm sowie Drucker ausgegeben.
Praktischer Einsatz in der Schnellanalytik
Die Einsatzgebiete sind vielfältig wie Bild 5 zeigt. In nahezu allen Industriebranchen ergeben sich für den Mikrowellentrockner drastische Zeitersparnisse und somit die Möglichkeit zur Kostensenkung. Der enorme Zeitvorteil wird beim Vergleich der Trocknungskurven von Latex zur Papierbeschichtung deutlich (Bild 6). Hier wird eine Vergleichsprobe von 2,3 g Latex innerhalb von 90 s im SMART 5 getrocknet, also 100-mal schneller als im Trockenschrank. Für die Produktion bedeutet dieses: Das SMART wird direkt am Produktionsort aufgestellt, eine Probe wird entnommen und in das SMART gegeben. Wenige Minuten später liegt das Ergebnis vor und es können ggf. Maßnahmen zur Nacharbeitung des Batchansatzes getroffen werden bzw. die Freigabe zum Abfüllen erteilt werden. Durch diese Schnellanalytik kann die Kesselbelegungszeit deutlich verkürzt werden, was wiederum erhöhte Produktion und somit erhöhten Ertrag zur Folge hat. Mit derartigen Maßnahmen ergeben sich drastische Einsparpotentiale in der Produktionsüberwachung, die die Anschaffung eines SMART innerhalb weniger Monate amortisiert. Außerdem stellen derartige Technologien eine Festigung des Produktionsstandortes dar.
Zusammenfassung
Der Umfang der Aufgaben in der Prozesskontrolle hat sich in vielen Industriezweigen in den letzten Jahren, nicht zuletzt auch aufgrund geänderter Gesetzgebung, deutlich geändert. Jetzt sind vermehrt Analysensysteme gefragt, die vor Ort oder direkt im Betrieb (at-line) eingesetzt werden können. Vor allem muss bei diesem Einsatzgebiet ein besonderes Maß an Sicherheit und Bedienerkomfort berücksichtigt werden. Hier bieten sich gerade Mikrowellen-Analysen-Systeme zur Feuchtebestimmung an. Die Mikrowellen-Trocknung als schnellstes direktes Messverfahren eignet sich für eine Vielzahl unterschiedlichster Messaufgaben bei Feuchtegehalten von 0,1 % bis über 99 % und ist besonders einfach zu handhaben. Daraus ergeben sich neben der Sicherstellung einer gleichbleibenden Qualität zudem erhebliche Einsparpotentiale für die unterschiedlichsten Industriezweige.
Literatur
"Introduction to Microwave Sample Preparation", H. M. Kingston & L. B. Jassie, ACS Professional Reference Book (1988)."Microwave Enhanced Chemistry", H. M. Kingston & S. J. Haswell, American Chemical Society (1997)."Schnelle Feuchtigkeitsbestimmung - Mikrowellenanalysensysteme helfen Kosten sparen", T. Krahl, Kontrolle 9, 46 - 48 (1994)."Neue Meßverfahren zur Absolutfeuchtemessung von Papier", W. Rauh & S. Dietzel, FOGRA Praxis-Report 51, 27 S. (1997).

Ulf Sengutta*) | LABO
Weitere Informationen:
http://www.labo.de/xist4c/web/Mikrowellen-Trocknung_id_510__dId_464680_.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken
28.03.2017 | Technische Universität Braunschweig

nachricht Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten
24.03.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten