Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leipziger Forscher suchen Ursachen der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung

09.09.2013
Unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Leipziger Universität wurde ein Gen gefunden, dessen Veränderung zu einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) führen kann.

In Zusammenarbeit mit einer internationalen Forschergruppe wurde in einem großen internationalen Patientenkollektiv eine Verbindung zur Krankheitsentstehung hergestellt.

Das Gen wurde bei fast 2000 Patienten analysiert, die relativ früh an einer Pankreatitis erkrankten. Zur Gruppe der Untersuchten gehörten fast 1000 Patienten aus Deutschland sowie weitere aus Europa, Indien und Japan. Die Ergebnisse konnten vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht werden.

Die chronische Pankreatitis ist eine relativ seltene Erkrankung, die etwa fünf bis zehn Menschen auf 100.000 Einwohner trifft. Wie Privatdozent Dr. Jonas Rosendahl, Oberarzt an der Uniklinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie erläutert, umfasst diese Zahl alle Formen der Erkrankung. "Meistens entsteht sie durch langjährigen Alkoholmissbrauch. Wir haben uns in diesem Projekt aber auf die Pankreatitis konzentriert, die ohne Alkoholkonsum entsteht und deutlich seltener vorkommt."

Professor Joachim Mössner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, betont die Bedeutung der Forschungsergebnisse: "Es ist für viele Patienten ein Gewinn, wenn sie wissen, warum sie diese Erkrankung getroffen hat. Zugleich bietet sich nunmehr die Möglichkeit an, Patienten auch auf Veränderungen in diesem neuen Pankreatitis-Gen zu untersuchen, um die Krankheitsursache zu erkennen."

Ausdrücklich verweisen beide auf die exzellente Laborarbeit von Dr. Sebastian Beer, der an der amerikanischen Boston University funktionelle Experimente vornahm und jetzt wieder seine Facharztausbildung in Leipzig fortführt.

"Seine Analysen waren zum Gelingen der Forschungsarbeiten genauso entscheidend wie der genetische Teil", sagt Rosendahl. Er ist auch in der Ambulanz tätig und leitet seit drei Jahren zudem ein Pankreatitis-Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wird und an dem europaweit rund 70 Wissenschaftler mitwirken. "Wir gehen dabei der Frage nach, welche Rolle genetische Risikofaktoren bei der Alkohol-induzierten chronischen Pankreatitis spielen. Man könnte es sich ja einfach machen und sagen: Die Alkoholiker sind ja selbst schuld, wenn sie erkranken. Aber nicht jeder Alkoholiker bekommt die Krankheit. Deshalb muss es noch andere Ursachen geben."

Auch hier wurde im Verlaufe von drei Jahren das Genom von rund 2000 Patienten analysiert. Die Ergebnisse müssen noch ausgewertet werden, um sicher sagen zu können, welche Gene entscheidend sind. "Klar ist schon: Es gibt genetische Ursachen. Interessant ist dann aber noch, die Funktionskette von der Veränderung des Gens oder der Gene bis zum Ausbruch der Krankheit zu untersuchen. Denn erst damit kommt man zu Erkenntnissen, die möglicherweise therapeutische Ansätze bieten. Es gibt also noch viel zu erforschen."

Link zur Fachveröffentlichung:
"Variants in CPA1 are strongly associated with early onset chronic pancreatitis",
Nature Genetics (2013), doi:10.1038/ng.2730

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Joachim Mössner
Telefon: +49 341 97-12200
E-Mail: moej@medizin.uni-leipzig.de

Uwe Niemann | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~medkl2

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten
24.03.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten
23.03.2017 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise