Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebensretter im Handgepäck

23.10.2009
Bergmannsheil setzt mobile Mini-Herz-Lungenmaschine im Hubschraubertransport von Patienten ein

Wenn Herz und Lunge ihren Dienst versagen, entscheidet eine schnelle und zielgenaue Behandlung über Leben oder Tod von Patienten.

Eine besondere Herausforderung stellt sich medizinischen und technischen Einsatzkräften, wenn ein Erkrankter in kritischem Zustand zur Weiterbehandlung in eine andere Klinik verlegt werden muss. Denn jeder Transport stellt eine Belastung für solche Patienten dar und erfordert zudem ein mobiles technisches System, das während des Transportes permanent die Herz-Kreislauf-Funktion des Patienten sicherstellt.

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil setzt seit kurzem als eine von wenigen Kliniken in Deutschland eine transportable Herz-Lungen-Maschine ein (sogenannte ECMO = Extrakorporale Membranoxygenierung), die sowohl für den Hubschraubertransport von Patienten als auch für den Einsatz im Rettungswagen optimiert und zugelassen ist. Erkrankte und Unfallpatienten mit akutem Herz- oder Lungenversagen können somit aus anderen Kliniken zur Weiterbehandlung in das Bergmannsheil verlegt werden. Die Maschine besteht aus einer künstlichen Lunge für den Sauerstoff- und Kohlendioxidaustausch und einer Blutpumpe, die die Herzfunktion übernimmt. Gesteuert wird die Pumpe über eine tragbare Konsole. "Beide Komponenten wiegen jeweils 17 Kilogramm, damit gehört das System zu den leichtesten und mobilsten derzeit verfügbaren Modellen", erklärt Dr. Dirk Buchwald, leitender Kardiotechniker am Bergmannsheil. "Eine herkömmliche Herz-Lungen-Maschine bringt dagegen bis zu 200 Kilogramm auf die Waage."

Implantation durch mobiles Spezialistenteam

Ein Transport läuft folgendermaßen ab: Eine Klinik fragt beim Bergmannsheil an, ob ein Patient mit akutem Herz- oder Lungenversagen aufgenommen und behandelt werden kann. Dann fliegt ein Spezialistenteam des Bergmannsheil mit dem Hubschrauber der HSD Luftrettung Dortmund zur zuweisenden Klinik. Hier wird die transportable Herz-Lungen-Maschine am Patienten implantiert. Um das Gerät an den Blutkreislauf anzuschließen, werden zwei Kanülen in die Leistengefäße eingebracht. Über die eine Kanüle wird das Blut aus dem Patienten herausgeleitet. Es strömt durch die künstliche Lunge und wird dabei mit Sauerstoff angereichert. Anschließend wird es über die zweite Kanüle zurück in das Gefäßsystem gepumpt. Auf diese Weise kann die Maschine die Herz- und Lungenfunktionen vollständig übernehmen, je nach Bedarf bis zu vierzehn Tagen. Nach der Implantation kann der Patient in einem stabilen Zustand in das Bergmannsheil befördert werden, das als Klinik der Maximalversorgung umfangreiche chirurgische und internistische Behandlungsmöglichkeiten vorhält.

Mediziner, Kardiotechniker, Hersteller und Hubschrauberrettung an der Entwicklung beteiligt

Möglich wurde dieses System durch die Zusammenarbeit von Kardiotechnikern, Herz-Thorax-Chirurgen, Unfallchirurgen und Anästhesisten des Bergmannsheil. Gemeinsam mit der Herstellerfirma MAQUET wurde die transportable Herz-Lungen-Maschine für den Einsatz im Hubschrauber optimiert. Weiterer Kooperationspartner ist die HSD Luftrettung, die ihren Dortmunder Intensivtransporthubschrauber vom Typ BK 117 speziell für den Einsatz dieser mobilen Herz-Lungen-Maschine ausgerüstet hat. Das Verfahren hat nunmehr die offizielle Genehmigung durchlaufen, zuweisende Kliniken können somit auf diesen Transportservice zurückgreifen. "Das Bergmannsheil ist deutschlandweit eine von nur wenigen Kliniken, die derzeit eine solche lizensierte ECMO-Lösung zum Transport von Schwerstkranken anwendet", erklärt Dr. Buchwald.

Über das Bergmannsheil

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil - Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - repräsentiert den Strukturwandel im Ruhrgebiet wie kein anderes Krankenhaus: 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung von verunglückten Bergleuten gegründet, zählt es heute zu den modernsten und leistungsfähigsten Akutkliniken der Maximalversorgung. In 22 Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 622 Betten werden jährlich mehr als 19.000 Patienten stationär und ca. 60.000 ambulant behandelt. Mehr als die Hälfte der Patienten kommen aus dem überregionalen Einzugsbereich. Weitere Informationen im Internet unter: www.bergmannsheil.de.

Über die HSD Luftrettung

Der am Dortmunder Flughafen stationierte Hubschrauber der HSD Luftrettung wird für Intensivtransporte zwischen Kliniken eingesetzt. Zusätzlich wird er bei Nichtverfügbarkeit anderer Rettungshubschrauber als schneller Notarztzubringer alarmiert. Einsatzorte im Umkreis von 50 Kilometern kann er in maximal 15 Minuten erreichen. Der Hubschrauber der HSD Luftrettung (Hubschrauber Sonder Dienst Flugbetriebs GmbH & Co. KG) ist täglich von 8.00 Uhr bis Sonnenuntergang einsatzbereit und mit erfahrenen Piloten, Intensivmedizinern und Rettungsassistenten bzw. Fachpflegern für Anästhesiologie und Intensivmedizin besetzt.

Weitere Informationen:

Dr. Dirk Buchwald
Leitung Abteilung Kardiotechnik / Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/302-3570
E-Mail: dirk.buchwald@bergmannsheil.de

Robin Jopp | idw
Weitere Informationen:
http://www.bergmannsheil.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Mehr Patientensicherheit: Neue Testmethoden für die Eignung von Implantaten für MRT-Untersuchungen
11.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden

nachricht DZHK-Studien: Strahlenfreie und nicht-invasive Diagnose der diastolischen Herzschwäche
10.10.2017 | Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz